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Bericht vom Karneval der Kulturen Berlin
vom 28. - 31. Mai 2004
Am Freitag, den 28.05.2004, ging es in Aller-Herr-Gotts-Früh,
sprich 10 Uhr , vom verregneten München auf ins angenehm
sonnige Mittelgebirge. Alle müden Mitglieder der
Fahrgemeinschaft bekamen allerdings nicht viel mit von dem
schönen Wetter, welches der Wetterbericht für das gesamte
Pfingstwochenende vorhergesagt hatte, außer natürlich der
Fahrzeugführer selbst, nämlich Chico Rico. Der hielt wacker
bis Berlin durch, wo wir um ca. 17 Uhr in die bewachsenen
Straßen einfuhren, die eher den Eindruck eines Botanischen
Gartens machten...
He who hesitates is lost - Wer zögert ist verloren! Mit diesem
Leitspruch starteten wir unseren Aufenthalt in der
Bundeshauptstadt und ließen kaum Zeit verstreichen, um uns zu
akklimatisieren, sondern düsten gleich weiter zum Mehringdamm,
wo uns der
Karneval der Kulturen
mit seinen vier Bühnen, 330 Ständen und dem Umzug mit über 100
Gruppen erwartete...
Dort begegnete uns aber zunächst ein riesiger Strom von
Menschenmassen. Ganz im Gegensatz zum letzten Jahr war es hier
schon am Freitag Nachmittag gerammelt voll. Die Veranstalter
dürften insgesamt mit 1.8 Mio. Besuchern sehr zufrieden
gewesen sein. Allerdings werden sie uns sicherlich 4-fach
gezählt haben, da wir schließlich jeden Tag auf dem
Festivalgelände waren...
Auch dieses Jahr war es wieder ein buntes Treiben (nein, nicht
das, was ihr jetzt denkt...). Australien, Cuba, China, Peru,
Indien, Zimbabwe, Griechenland, Bayern - alle möglichen Länder
waren mit ihren kleinen Bars und Zelten vertreten und ließen
ihre Heimatmusik aus Anlagen und Ghettoblastern auf die
Straßen und Parks schwingen...
An allen Ecken und Plätzen roch es so unheimlich lecker, dass
man den ganzen Tag hätte ständig essen können. Ganz egal ob
nun jamaikanisches Jerk Chicken, Steak vom Grill oder
Peruanisches Hünchen mit Reis..., es war einfach wirklich...
lecker!
Langsam brach die Nacht über die Stadt herein und wir fanden
uns vor dem viel besuchten Barrio Latino ein, um den Klängen
von Caché, einer einheimischen Salsaband, zu lauschen. Nach
einigen Anlaufschwierigkeiten und einem länger dauernden
Soundcheck ging es endlich los - und wie!
Wie betäubt schlenderten wir danach in der lauen, dumpfen
Nacht durchs Gelände bis uns einfiel, dass wir ja auch eine
Mission zu erfüllen hatten:
Die Erkundung und Eroberung der Berliner Salsaszene!
Unser Ziel in der ersten Nacht war das Havanna. Wir konnten
den Vorposten am Tor ungehindert und ohne Schwierigkeiten
passieren. Am Eingang angelangt, stand die Leibesvisitation
an. Hier wurde dann doch unsere Agentenausrüstung – also unser
Fotoapparat – entdeckt. Wir "outeten" uns als Redakteure von
Salsa-Munich und versuchten den Chef vom Dienst davon zu
überzeugen, dass wir ihm nichts Böses, sondern, ganz im
Gegenteil, den Münchner Salseros nur einen kleinen Eindruck
von den Berliner Clubs vermitteln wollten. Leider hat er nicht
so recht gezogen, und so mussten wir die Kamera an der
Garderobe abgeben und uns jetzt wegen Bildern an die
Geschäftsleitung wenden. Allerdings hatte die Diskussion dann
doch ihr Gutes. Wir wurden daraufhin freundlich an der
Kassenschlange vorbeigeleitet und konnten uns ohne
Eintrittsobolus den Laden näher betrachten:
In insgesamt vier Dance-areas hat man hier die Möglichkeit zu
tanzen:
Im Keller befindet sich die dunkel-abgelichtete
Black-music-Disco, welche nur sehr spärlich besucht war. Geht
man noch weiter in einen angrenzenden Raum - wenn er offen
gewesen wäre - wäre man mit Dance- und Disco-Classics beglückt
worden.
Unsere Aktionsfläche war dann doch eher das Erdgeschoss. Hier
läuft Salsa pur und das bis in die frühen Morgenstunden. Der
Raum ist schön eingerichtet und mit Balkonen und Geländern
ausgestattet, die Tanzfläche ist in etwa mit der vom Skyline
zu vergleichen.
Im ersten Stock kann man schließlich zu heißen Merengue- und
Bachatarhythmen seiner romantischen Ader freien Lauf lassen...
Für Durst-löschenden-Service sorgt das nette und freundliche
Personal an den insgesamt 7 Bars. Soviel zu den Formalitäten.
Schon an diesem Abend merkten wir, dass in Berlin der "Stil-Schwerpunkt"
ganz woanders lag als in München. Es gibt viel mehr
Tanzschulen, die eigentlich NUR Salsa-Cubana auf dem Lehrplan
stehen haben, und somit eben viel mehr Leute diesen Stil auch
in den Clubs ausleben...
Rico hatte leichte Schwierigkeiten, die geeignete
Tanzpartnerin zu finden, welche eben seinen ausgeprägten,
niveauvollen N.Y.-style mithalten konnte.
Und Carlitos hatte auch seine Probleme..., die aber von einer
ganz anderen Art waren...
Am Samstag, den 29.05.2004, hieß es dann für Rico bereits um
10 Uhr aufstehen und ab auf die Autobahn. Während Carlitos
noch friedlich weiterschlief und von den hübschen Chicas der
letzten Nacht träumte , machte Rico sich auf den Weg nach
Brandenburg/Havel, um an familiären Feierlichkeiten
teilzunehmen und übergab den Schnarchbär in die Hände seiner
hübschen Cousine. Um 12 Uhr ging's auch für ihn auf (wir waren
so um 3 Uhr "nach Hause" gekommen), nahm ein super gutes
Frühstück zu sich und düste gleich wieder weiter, erneut zum
Mehringdamm, um noch mehr tolle Stände zu bewundern und neue
Gebiete im Bereich der Nahrungstopographie zu erkunden.
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Am Abend nahmen wir uns diesmal das Mi Salsa - The club for
all salsa styles vor. Mit 7 € Eintritt war der Preis ganz
schön gesalzen. Aber dafür sollten wir dann noch auf eine
Live-Band - dazu später noch mehr - und ein Buffet stoßen, von
dem wir nichts mehr abbekamen, aber auf das wir eigentlich
auch keinen wirklichen Gusto hatten. Schließlich hatten wir
uns bereits auf dem Festivalgelände reichlich gelabt.
Auch hier kurz etwas zu den Fakten: Der Club ist wesentlich
kleiner als das Havanna, aber nicht unbedingt schlechter. Auch
hier war das Bar-Personal sehr freundlich und ging sogar auf
Sonderwünsche ein. An dieser Stelle sei mal erwähnt, dass in
Berlin in anderen Getränkegefäßgrößen gedacht wird. Wenn man
sich hier z.B. eine Apfelschorle bestellt, ist es eigentlich
üblich, dass es sich dabei um ein Gefäß der Größe 0,4l
aufwärts handelt. Nicht so in Berlin! Hier bekommt man ein
0,2l Glas vorgesetzt! Ähmm - Hallo? Ich will meinen Durst
löschen und den Flüssigkeitshaushalt wieder auffüllen und
nicht nur einmal gurgeln. Diese Getränkegrößen sind doch für
den hohlen Zahn! Na-ja, anyway! Der Barkeeper hat zwar erst
etwas verdutz geschaut, dann aber eine ordentliche Schorle
(0,5l) angemischt.
Die Tanzfläche ist recht klein, sie kommt dem Pavillon im
Hofgarten gleich - vielleicht etwas größer. Aber immerhin
verfügen die über eine kleine Bühne. Somit hätten wir dann
auch die Überleitung zu der so genannten Live-Band. Denn "live"
konnte man da nur bedingt sagen. Es handelte sich dabei um
vier Musiker (Synthesizer, Percussion/Timbales, Trompete und
Gesang), die sich fleißig von CD unterstützen ließen, somit
also im Halbplayback gespielt haben. Na-ja..., wirklich
gespielt haben sie dann auch nicht. Eher Krach gemacht. Und
das dann zeitweise noch nicht mal im Rhythmus, welcher die CD
vorgegeben hat! Also, diese ganze Sache war doch eher peinlich
als gut. Was uns zudem noch daran gestört hat: Die haben die
ganze Zeit nur Merengue und vielleicht ein oder zwei Bachatas
gespielt. Und dann haben sie es auch noch geschafft, "Obsesíon"
von Aventura dermaßen zu verhunzen, dass einem wirklich übel
wurde und man das dringende Bedürfnis hatte den Laden
fluchtartig zu verlassen. Aber nichts da! Wir haben uns tapfer
durchgebissen, denn der Rest der Musik, also die vom DJ, war
dann wiederum ganz O.k., und man konnte mit der einen oder
anderen netten Chica auch ganz gut tanzen.
Hierzu folgende story: Carlos kommt auf Rico zu - hell auf
begeistert - und erzählt von einer, die so toll getanzt hat und
gut ausgesehen hat und überhaupt nicht hochnäsig war und und
und…
Nun gut - darauf hin sollte er sie mal zeigen. Wir also durch
den ganzen Club getigert, aber Carlos hat sie nicht entdeckt.
Wie wir so an der Bar stehen und uns umschauen - Carlos hatte
sie immer noch nicht wieder erkannt - meinte Rico so zu ihm:
„Schau mal die da drüben, die sieht aber hübsch aus…“ und das
Grinsen von Carlosini wird immer breiter…, „das ist sie!“ Sie
hatte die Haare jetzt nur zusammen und hochgesteckt... Soviel
zu dem Thema. Alles in allem ein Laden, in den wir gerne
wieder gehen würden. Denn von der Band abgesehen war die
Stimmung sehr gut, die Atmosphäre positiv und die Leute
freundlich. Zumindest hat's bis 4 Uhr für uns gereicht
Kommen wir nun zum Highlight:
Der Umzug
Am Sonntag, den 30.05.2004, gegen 17 Uhr, näherten sich die
zwei Salsa-Munich-Vertreter dem ganzen Trubel von zwei Seiten
an, um den Effekt des Einkreisens zu nutzen.
Aus größerer Entfernung hörte man schon den dumpfen Klang der
Musik und das leichte Vibrieren des Teerbodens. Die Sonne
stand noch hoch am Himmel und die Kleidung klebte ein wenig am
Körper. Ein schwerer Schleier legte sich über die Stadt und
deren Bewohner und Besucher. Abgeriegelte Hauptstraße,
Polizisten mit ihren Wagen und gelben Westen, überall kleine
Stände vor den Läden und Bars. Immer größer werdende
Menschentrauben... Und dann kam die erste Gruppe, wohl auch
die schönste und beste, nämlich die Brasilianer mit ihrer
ohrenbetäubenden Percussion-Gruppe, dem toll geschmückten
Wagen, den Tänzern mit ihren riesigen, unglaublich
märchenhaften Kostümen und den extrem leicht-bekleideten
Samba-girls. Es folgten noch mehrere solcher Brasil-Leute,
etliche Japan- und China-Wagen, Reggea-Gruppen,
Breakdance-acts, Jazz-Bands, usw., über 100 Gruppen!!!
Um ca. 20 Uhr verließen wir das unglaubliche Spektakel, nahmen
bei Ricos Onkel ein leckeres Grill-Abendessen ein und machten
uns fertig für den letzten Abend, denn an dem Tag war der Soda
Club in der Kultfabrik an der Reihe!
Ein altes Brauerei-Gelände, unserem Kunstpark Ost ähnlich,
diente als Schauplatz für zahlreiche zahlende Tanzwütige aller
Musikrichtungen. Am Eingang vom Club vorbei (Eintritt 5 €),
mussten wir Hallen durchqueren, Treppen hochlaufen und Gängen
folgen, bis wir endlich ans Ziel gelangten: Zwei Räume mit
derselben Musik, beide jeweils so groß wie das Skyline, zwei
Bars und jede Menge Leute...
Das Publikum war breit gefächert: Von jung bis alt, groß bis
klein, schwarz und weiß. Und auch alle Stile waren hier gut
vertreten! Ein gelungener Tag, der bis Sonnenaufgang und
Vogelgezwitscher am Montag dauerte. (Gott, war das ein
komisches Gefühl... )
Nach vier (!) Stunden Schlaf ging's zum Endspurt über: Noch
schnell den Zelten und Bars am Mehringdamm "Auf-wieder-sehen"
sagen, sich von Freunden und Verwandten verabschieden und ab
ins Auto, um nicht zu spät in München, ist eh 24 Uhr geworden,
totmüde anzukommen.
Genial! Bitte nochmal von vorne!
von
Grandmaster_C
(Carlos) +
Chico Rico
Zu den Fotos
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