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Samstag, 7. Juni
Nach einem kurzen aber kräftigen
Einkaufsrausch der mitfahrenden Damen begaben wir uns zum
Straßenfest am Blücherplatz.
Viele Familien mit ihren Kindern strichen durch das
Festgelände. An einigen Ständen in der Nähe des „Barrio
Latino“ war bereits
richtig Stimmung, aufgeheizt durch
Habana Club & Co.
Wir trafen Rico, der bei Freunden übernachtet hat, und
genehmigten uns bereits den
ersten Mojito.
Nach kurzer
„Regenerationsphase“ im Hotel zurück zum Festivalgelände. Im
Barrio Latino spielten den ganzen Tag über
verschiedene
Bands. Der Eintritt war gratis. Entsprechend war auch der
Andrang. Spätestens jetzt war der Vergleich mit dem
Oktoberfest in München zulässig. Denn jeder, der bereits
einmal an einem Samstag oder Sonntag abends versuchte, über
das Oktoberfest zu flanieren, musste sicherlich die gleichen
Erfahrungen gemacht haben.
Menschenmassen wohin man auch
blickt.
Leider
war auch vom Konzert der
kubanischen Band nicht viel zu
hören und zu sehen, da einige wenige das Glück einer
Bierbank für die bessere Sicht nach vorne ausnutzten und
dadurch den hinteren den Ausblick verwehrten. (OK, übliches
frustrierter Festivalbesucher-Gejammer…)
Hörte sich
gut an, was in den ersten paar Liedern rüberkam, aber es
wurde unerträglich in den Menschenmassen vor der Bühne und
so beschloss die inzwischen auf
7 Personen angewachsene
Truppe,
erst einmal etwas zu trinken. Wegen des großen Durstes
schnell zum nächsten Bierstand (die Seppels wieder), dann aber wieder zur
kubanischen Fraktion, wegen der besseren Stimmung, Salsa
Musik und den leckeren Drinks. Die Preise übrigens waren
durchwegs human und günstig. Mojito oder Caipi 4 €, Bier 2
€, Cola 1.50 €, Essen im Schnitt 4-6 €.
Wir
beschlossen, am Abend in eine kubanische Bar zu gehen (Buena
Vista Club), in der sich im Keller eine kleine Salsa-Disco
befindet. Leider war dort fast nichts los und so kamen wir
dazu, die eingelaufenen „Münchener Pfade“ zu verlassen (Havana,
Soda, El Barrio) und mal was Neues zu testen.
Es hingen in ganz Berlin
Plakate der
Backfabrik,
die dieses Wochenende ihr Eröffnungsfest feierten. Den
Plakaten war zu entnehmen, dass Salsa, Merengue, Bachata und
Socca im Vordergrund stünden, aber auch Dancehall und Black
Music gespielt werden sollte.
Wir zahlten willig die 8 € Eintritt
und begaben uns in einen sterilen Hinterhof. Von dort aus,
ebenerdig, erst einmal in eine „Dancehall“, in der ein DJ
für sich selber Musik machte. Sollte das alles sein? Nein,
es ging doch noch weiter. Da war doch noch eine Treppe, die
in einen wummernden Untergrund führte. Neugierig schritten
wir nach unten und fanden eine weitere halbleere Aerea, in
der sich die Leute zu Black Music bewegten. Tatsächlich
befand sich gleich angrenzend ein dritter Bereich. Dort
tanzten auch einige zu R´n´B´ und Black Music.
Wir kamen uns jetzt „leicht veräppelt“
vor und beschlossen wieder zu gehen, um uns den Eintritt
wieder auszahlen zu lassen. (Wir wollten ja zum Salsatanzen
gehen).
Am Eingang (Kasse) fand sich bereits
ein weiteres Pärchen ein mit demselben Anliegen aus
demselben Grund. Doch der lokalisierte „Verantwortliche“
wiegelte ab. Natürlich werde Salsa und Merengue gespielt und
er weigerte sich, den Eintrittspreis, oder wenigstens die
Hälfte wieder auszuzahlen. Im Laufe der 20 min. Diskussion
fand sich auch noch eine Gruppe von vier Latinas/os mit
demselben Anliegen aus demselben Grund. Doch der
„Verantwortliche“ war plötzlich nicht mehr berechtigt, das
Geld auszuzahlen und weigerte sich beharrlich.
Eine
Gruppe von min. 12 Personen
fühlte sich an diesem Abend sehr verarscht und mit
Sicherheit waren es vorher und nachher weitere Salseros, die
in diese „Falle“ tappten.
Ich persönlich kann keinem empfehlen,
diese Location ( Backfabrik ) aufzusuchen. Steriles
Ambiente, viel zu wenig Leute, „störrische“ Veranstalter und
vor allem Werbung für Musik, die dann nicht aufgelegt wird.
Sonntag, 8. Juni
Am nächsten Tag fanden wir uns schon um
13:00 Uhr an der geplanten
Umzugsstrecke ein.
Es waren doch so einige Besucher unterwegs. Der Umzug wurde
angeführt von
Afoxé Loni.
Eine Gruppe von weiß und gelb gekleideten Tänzern und
Trommlern, viele Brasilianer, die sich
singend und tanzend
langsam zum Blücherplatz voranbewegten und dabei die
wartende Menge zum Spalier teilten.
Es ging eine sehr spezielle Aura von dieser Gruppe aus, die wohl die
meisten anwesenden Zuschauer spürten.
In Bahia sind Afoxé-Umzüge eng mit der
Candomblé-Religion verbunden, (kann man der Seite von Afoxé
Loni entnehmen:
www.afoxe-loni.de). Sie sollen rituell die Straße
reinigen und im Karneval die latente Gewalt besänftigen.
Dieser spirituelle Hintergrund spielt für Afoxé Loni auch
ohne die religiöse Anbindung eine wichtige Rolle, aus diesem
Grunde stand Afoxé Loni auch an der Spitze des Umzugs.
Gruppe für Gruppe zog an uns vorbei.
Mit ihren
bunten Kostümen, mit geschmückten Wagen, Figuren,
oder auf Stelzen.
Ein Farbenrausch, ein Bilderrausch und dann natürlich ein
Melodien- und vor allem ein Rhythmusrausch. Die Berliner
nahmen sehr rege und interessiert daran Teil.
Ein beliebtes Hobby mancher an die
Umzugsstraße angrenzenden Bewohner war es, die
vorbeiziehenden Passanten von den oberen Stockwerken
kübelweise mit
kaltem erfrischenden Wasser
als Abkühlung zu
versorgen.
Was nicht nur für freundliche Zustimmung sorgte…
Andere starteten Gegenoffensiven, indem
sie ihre
komplette Anlage ans Fenster stellten und selber am
Fensterbrett zur überlauten Musik tanzten.
Schön war der begrünte und parkartige
Mittelstreifen der vierspurigen Straße. Dort boten Bänke
unter hohen schattigen Bäumen
Bereiche zum Relaxen.
Später am Abend ging es in das
La Bodeguita del Medio. Eine kubanische Kneipe, die sich am
gleichnamigen La Bodeguita del Medio in Habana Cuba
orientiert. Gegessen haben wir gut und die Bedienung war
sehr freundlich. Patty hat noch für jeden von uns einen „Ron
auf’s Haus“ organisiert!
Durch unser Abendessen blieben wir von
den Unwettern verschont, die zeitgleich über das
Festivalgelände zogen und dieses verwüsteten. Dabei wurden
leider mehrere Menschen verletzt, so dass das Festival am
nächsten Tag beendet wurde.
Wir landeten am selben Abend später im
Soda Club. Leider war der Bereich im Freien geschlossen
(Unwetter), aber es war Dank guter Musik und einigermassen
Platz zum Tanzen ein schöner Abschluss.
Montag 9.Juni
An diesem Tag wurde nur noch abgebaut.
Wir hatte vorher weder Zeitung gelesen noch Radio gehört und
wunderten uns erst sehr, warum das Fest denn schon vorbei
ist und alle am
abbauen sind...
Nächstes Jahr sind wir sicher wieder mit dabei in Berlin
und möglicherweise auch noch ein paar unserer Freunde
dazu... |