Bericht und Fotos vom Salsa Congress Innsbruck
 23 - 25.Januar  2004

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Salsa Congress Innsbruck
 23 - 25 Januar 2004

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Bericht und Fotos von Carlos und Agnes

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Bericht: Salsa Congress Innsbruck

Ich fand einen kleinen Zettel auf meinem Schreibtisch: “Kommen Sie sofort in mein Büro!“ Das war mein Boss, keine Frage, ich erkannte es an der krakeligen Schrift. Außerdem gab es nicht viele Menschen, die ihre untergeordneten Mitarbeiter per geheimen Briefchen zu sich bestellten, nur um höchste Diskretion zu bewahren...
Müde von der letzten Nacht, ein Verrückter hatte erneut versucht, Don Albertos und Graf Chucks Club M.E. dem Erdboden gleich zu machen, hatte ich mich auf einen ruhigen Tag im Büro gefreut, und nun musste ich schon wieder spurten! Das gab mir keine besonders gute Laune, und so machte ich mich auf den Weg, den Mittelgang entlang, zum nächsten Zimmer mit den Jalousien. Ich klopfte zweimal an die Tür und trat ein, ohne auf ein Hereinbitten zu warten.
Mein Boss, Chief-Inspector Hanus, saß in seinem Sessel und spielte nervös mit einem Kugelschreiber. Er wand den Kopf ab von seinen vielen Auszeichnungen an der Wand und schaute mir direkt in die Augen. Ich machte die Tür hinter mir zu.
“Da sind Sie ja, Inspector Lazarte! Setzen sie sich.“ “Ich tanze lieber.“ “Hmm, verstehe. - Nun wir haben wieder einen Fall für Sie und Ihre Partnerin, Lazarte. Ich denke, das ist Ihr Spezialgebiet... ‚ aber... !“ Er legte den Zeigefinger an die Lippen und ich verstand: Höchste Diskretion!
Schon am nächsten Tag saßen wir zwei, ich und meine Partnerin, Inspektorin Hielscher, welche erst am Vormittag unseres Abreisetages von einer Fernuntersuchung zurückgekommen war, im Zug Richtung Innsbruck. Wir hatten Informationen von einem Außen- und Werbeagenten namens Thomas Müller erhalten, dass dort in den nächsten Tagen eine Großkonferenz, Deckname “Salsa Congress Innsbruck“, stattfinden würde, auf welcher sich einige der weltberühmtesten und -berüchtigtsten Bosse der (Salsa-) Welt treffen und kleine Machtspielchen austragen wollten.
Der fast leere Waggon wippte leicht hin und her und die schneebedeckte Landschaft raste an uns vorbei. Wie eine riesige Kulisse verharrte der Horizont in der Ferne und verfärbte sich langsam blutrot.
Wir versuchten uns mental auf die kommenden Ereignisse vorzubereiten, denn solch eine Gelegenheit bot sich nur selten an: Wir konnten viele von ihnen, internationale Paten mit
hohem Ansehen, auf einen Streich erwischen und ihnen womöglich noch weitere Informationen entlocken, um endlich ihren (Salsa-)Geschäften auf die Spur zu kommen.
In Innsbruck angekommen nahmen wir uns in einem unscheinbaren und gemütlichen Gasthof (Innbrücke) ein Zimmer und machten uns von dort auf, die Untersuchungen durchzuführen:
Am Freitag, den 23. Januar, stand eine Eröffnungsparty im großen Festsaal “Dogana“ an, und zwar mit allen Schikanen: Eine Willkommensrede von Melanie Rienzner, Moderatorin und zuständig für das Visuelle, nicht nur bezogen auf ihre Aufgaben, sondern auch auf ihre äußere Erscheinung, und einem der ganz Großen, Angel Ortiz (auf den hatte ich es besonders abgesehen); leichte, beschwingende Musik von einem gewissen Herrn Bernard Martinez (den wollten wir später auch noch genauer unter die Lupe nehmen); Büffet und kleine Imbisse an verschiedenen Ständen und ein kurzer Showblock mit vier Künstlern, welche uns ihre Kenntnisse in der (Salsa-) Kunst vorführten. Jedoch ließen wir, meine abgebrühte Partnerin und ich, uns nicht sonderlich von dem ganzen Brimborium beeindrucken und kehrten bald in unsere Unterkunft zurück, denn wir wussten, dass der nächste Tag es in sich haben würde...
Samstag, 24. Januar, 8.30 Uhr, der Wecker klingelte und dann ging es nur noch blitzschnell.
Angezogen, leicht gefrühstückt und ab zum Congress Innsbruck. Es standen eine Menge
Termine auf dem Plan, doch uns war klar: Wir mussten als aller Erstes den dicksten Fisch an
Land ziehen, Angel Ortiz (New York)! Seine Sitzung lief unter dem Codenamen “Funky
Jazzy Shines“ und besaß einen durchaus hohen Spaßfaktor. Er verstand es meisterhaft, die
latin-angehauchte Einzel-Choreographie auf fetzige Michael Jackson Musik durch exzellente
Pädagogik an den Mann zu bringen. Das war auch ein Grund, warum wir ihn gleich nach
seiner Stunde zusammen mit seiner Partnerin Tatiana Logisheva (Russland) verhörten.
Anschließend prüften wir Edie (sprich [idie]) & Al Espinozas (Los Angeles) Partnerwork Kurs “Hijacking: Playing with the music“. Sie machten uns auf eine humorvolle Art und Weise, gespickt mit kleinen Show-Episoden, klar, dass der Wert des fortgeschrittenen Tanzes auf der Beachtung der verschiedenen Akzente der Musik liegt. Das Abspulen von Figuren sei nicht das Merkmal eines guten Tänzers. Jedoch kann die Frau als Geführte ebenfalls positiv dazu beitragen, indem sie selber mit der Musik spielt und sie mit ihrem Tanz untermalt. Fazit: Sehr empfehlenswert für Salsa-erfahrene und aufeinander abgestimmte Paare.

 

Des weiteren nahmen wir an Christian Paos (Deutschland) “Partnerwork im Puerto Rican Style“ teil, wo wir eine durchaus gute, brauchbare Figur erlernten.
Schließlich hatten wir das Vergnügen Bernard Martinez (New York), das war der DJ vom Vortag, “Partnenng on2 im New York Style“ zu genießen. Ein sehr guter, pädagogisch wertvoller Unterricht, in welchem wir uns Schritt-für-Schritt eine anspruchsvolle, relativ lange aber nützliche Figur aneigneten. Seine Devise lautete “leaming by doing“, da die «Rotation“, also der durchgehende Wechsel der Partner, einen zum selbständigen Tanzen zwang. Auch nach diesem Workshop zerrten wir den Meister und seine Partnerin, Sonyo Martinez (Korea), in eine ruhige Ecke und entlockten ihnen weitere wichtige Informationen. Noch konnten wir kein Feierabend machen, denn nun stand die große Galaparty auf dem Programm. Schnell zurück zum Gasthof, kurzes Abendessen, umgezogen, damit wir nicht auffielen und uns besser unters Volk mischen konnten und weiter ging‘s!
Wieder gute Musik und kleine Imbisse im Festsaal, jedoch war der Höhepunkt dieser Nacht die zwei Showblocks, in welchen sich die Künstler in ihrer ganzen Artenvielfalt präsentierten:
Beetlejuice (unvergessen: “Espinozas Wheel‘), Untote, Aufziehpuppen, Roboter, Neon Leuchtwesen, Cowboys, Mexicans, Afrolook, Old-School (Angel Ortiz‘ und Tatiana Logishevas elegante und edle Darbietung)...
Wie benebelt wankten wir so früh wie möglich zurück in unsere Unterkunft, geblendet vom grellen Licht, betäubt von den lauten Klängen, und fielen in unser Bett, um wenigstens etwas Energie für den nächsten Tag zu tanken, denn noch hatten wir es nicht geschafft, noch hatten wir des Rätsels Lösung nicht gefunden...
Der Sonntag, 25. Januar, ähnelte sehr dem Samstag: Erneut zu einer unmenschlichen Zeit aufstehen, was essen und los in die Schlacht, Endspurt!
Der Tag fing gleich richtig an, nämlich mit Edle & Al Espinozas ‘Hollywood Moves“, wo wir erneut mit viel Humor eine gute, nicht zu komplizierte Hingucker-Figur beigebracht bekamen. Weiter ging es mit Pedro Gomez (Puerto Rico) und seinem “Clave Footwork & Moves“:
brauchbare Kombination aus Figur und Shines.
Nun benötigten wir eine Verschnaufpause für unsere brummenden Schädel und ließen uns in Roly Madens (Cuba) “Rumba Bodymovement“ einfach vom tiefgehenden Rhythmus mitreißen, eine nicht ganz leichte Reise zu den Ursprüngen der Salsa...
Danach war wieder ein wenig Platz im Kopf, um den nächsten ‘Footwork & Shines“ - Workshop im New York Style von Bernard Martinez zu absolvieren. Hier wieder pädagogisch gut vermittelter, anspruchsvoller Unterricht mit dezenten Bewegungen. Und da wir nicht genug von dem Mann kriegen konnten, folgten wir ihm Schritt auf Tritt in seine nächste Stunde: “Cha-Cha-Cha Partnering on2“, gleichzeitig eine unkomplizierte Erweiterung der normalen Figuren und eine erleichternde und lustige Abwechslung zur Salsa...
Dann war es so weit, unser letzter lnstructor hieß Manuel Mascarell (Spanien), welcher uns in ‘Combinations im European Style“ eben eine Kombination aus Hip-Hop-lastigen Shines und einer ungewöhnlichen Figur näher brachte.
Erschöpft und müde zogen wir uns anschließend zurück, und bemerkten bald, dass etwas Sonderbares mit uns geschehen war: Wir wussten nicht, zu welcher Front wir gehörten, was war passiert? Hatten wir unter einem übermenschlichen Einfluss unbekannter, außerplanetarischer Wesen gestanden, oder war unser Verstand nach den letzten Tagen der Anstrengung einfach nur getrübt?
Schließlich packten wir unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Weg nach München, zurück in die normale, vertraute Welt.
Erneut zog die Landschaft in rasender Geschwindigkeit an uns vorbei.
Aber waren wir nun die Gewinner oder die Verlierer, die Guten oder die Bösen, hatten wir das immerwährende Rätsel gelöst oder tappten wir immer noch im Dunke1‘ Wir wussten es nicht und so fielen wir erneut in diesen rastlosen Zustand, auf der ewigen Suche nach...
 

Carlos

Zu den Fotos

Zum Interview mit Angel Ortiz

Zum Interview mit
Bernard und Sonyo Martinez

 

 

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