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Bericht: Salsa Congress Innsbruck
Ich fand einen kleinen Zettel auf meinem Schreibtisch: “Kommen
Sie sofort in mein Büro!“ Das war mein Boss, keine Frage, ich
erkannte es an der krakeligen Schrift. Außerdem gab es nicht
viele Menschen, die ihre untergeordneten Mitarbeiter per
geheimen Briefchen zu sich bestellten, nur um höchste
Diskretion zu bewahren...
Müde von der letzten Nacht, ein Verrückter hatte erneut
versucht, Don Albertos und Graf Chucks Club M.E. dem Erdboden
gleich zu machen, hatte ich mich auf einen ruhigen Tag im Büro
gefreut, und nun musste ich schon wieder spurten! Das gab mir
keine besonders gute Laune, und so machte ich mich auf den
Weg, den Mittelgang entlang, zum nächsten Zimmer mit den
Jalousien. Ich klopfte zweimal an die Tür und trat ein, ohne
auf ein Hereinbitten zu warten.
Mein Boss, Chief-Inspector Hanus, saß in seinem Sessel und
spielte nervös mit einem Kugelschreiber. Er wand den Kopf ab
von seinen vielen Auszeichnungen an der Wand und schaute mir
direkt in die Augen. Ich machte die Tür hinter mir zu.
“Da sind Sie ja, Inspector Lazarte! Setzen sie sich.“ “Ich
tanze lieber.“ “Hmm, verstehe. - Nun wir haben wieder einen
Fall für Sie und Ihre Partnerin, Lazarte. Ich denke, das ist
Ihr Spezialgebiet... ‚ aber... !“ Er legte den Zeigefinger an
die Lippen und ich verstand: Höchste Diskretion!
Schon am nächsten Tag saßen wir zwei, ich und meine Partnerin,
Inspektorin Hielscher, welche erst am Vormittag unseres
Abreisetages von einer Fernuntersuchung zurückgekommen war, im
Zug Richtung Innsbruck. Wir hatten Informationen von einem
Außen- und Werbeagenten namens Thomas Müller erhalten, dass
dort in den nächsten Tagen eine Großkonferenz, Deckname “Salsa
Congress Innsbruck“, stattfinden würde, auf welcher sich
einige der weltberühmtesten und -berüchtigtsten Bosse der (Salsa-)
Welt treffen und kleine Machtspielchen austragen wollten.
Der fast leere Waggon wippte leicht hin und her und die
schneebedeckte Landschaft raste an uns vorbei. Wie eine
riesige Kulisse verharrte der Horizont in der Ferne und
verfärbte sich langsam blutrot.
Wir versuchten uns mental auf die kommenden Ereignisse
vorzubereiten, denn solch eine Gelegenheit bot sich nur selten
an: Wir konnten viele von ihnen, internationale Paten mit
hohem Ansehen, auf einen Streich erwischen und ihnen womöglich
noch weitere Informationen entlocken, um endlich ihren (Salsa-)Geschäften
auf die Spur zu kommen.
In Innsbruck angekommen nahmen wir uns in einem unscheinbaren
und gemütlichen Gasthof (Innbrücke) ein Zimmer und machten uns
von dort auf, die Untersuchungen durchzuführen:
Am Freitag, den 23. Januar, stand eine Eröffnungsparty im
großen Festsaal “Dogana“ an, und zwar mit allen Schikanen:
Eine Willkommensrede von Melanie Rienzner, Moderatorin und
zuständig für das Visuelle, nicht nur bezogen auf ihre
Aufgaben, sondern auch auf ihre äußere Erscheinung, und einem
der ganz Großen, Angel Ortiz (auf den hatte ich es besonders
abgesehen); leichte, beschwingende Musik von einem gewissen
Herrn Bernard Martinez (den wollten wir später auch noch
genauer unter die Lupe nehmen); Büffet und kleine Imbisse an
verschiedenen Ständen und ein kurzer Showblock mit vier
Künstlern, welche uns ihre Kenntnisse in der (Salsa-) Kunst
vorführten. Jedoch ließen wir, meine abgebrühte Partnerin und
ich, uns nicht sonderlich von dem ganzen Brimborium
beeindrucken und kehrten bald in unsere Unterkunft zurück,
denn wir wussten, dass der nächste Tag es in sich haben
würde...
Samstag, 24. Januar, 8.30 Uhr, der Wecker klingelte und dann
ging es nur noch blitzschnell.
Angezogen, leicht gefrühstückt und ab zum Congress Innsbruck.
Es standen eine Menge
Termine auf dem Plan, doch uns war klar: Wir mussten als aller
Erstes den dicksten Fisch an
Land ziehen, Angel Ortiz (New York)! Seine Sitzung lief unter
dem Codenamen “Funky
Jazzy Shines“ und besaß einen durchaus hohen Spaßfaktor. Er
verstand es meisterhaft, die
latin-angehauchte Einzel-Choreographie auf fetzige Michael
Jackson Musik durch exzellente
Pädagogik an den Mann zu bringen. Das war auch ein Grund,
warum wir ihn gleich nach
seiner Stunde zusammen mit seiner Partnerin Tatiana Logisheva
(Russland) verhörten.
Anschließend prüften wir Edie (sprich [idie]) & Al Espinozas
(Los Angeles) Partnerwork Kurs “Hijacking: Playing with the
music“. Sie machten uns auf eine humorvolle Art und Weise,
gespickt mit kleinen Show-Episoden, klar, dass der Wert des
fortgeschrittenen Tanzes auf der Beachtung der verschiedenen
Akzente der Musik liegt. Das Abspulen von Figuren sei nicht
das Merkmal eines guten Tänzers. Jedoch kann die Frau als
Geführte ebenfalls positiv dazu beitragen, indem sie selber
mit der Musik spielt und sie mit ihrem Tanz untermalt. Fazit:
Sehr empfehlenswert für Salsa-erfahrene und aufeinander
abgestimmte Paare.
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Des weiteren nahmen wir an Christian Paos (Deutschland)
“Partnerwork im Puerto Rican Style“ teil, wo wir eine durchaus
gute, brauchbare Figur erlernten.
Schließlich hatten wir das Vergnügen Bernard Martinez (New
York), das war der DJ vom Vortag, “Partnenng on2 im New York
Style“ zu genießen. Ein sehr guter, pädagogisch wertvoller
Unterricht, in welchem wir uns Schritt-für-Schritt eine
anspruchsvolle, relativ lange aber nützliche Figur aneigneten.
Seine Devise lautete “leaming by doing“, da die «Rotation“,
also der durchgehende Wechsel der Partner, einen zum
selbständigen Tanzen zwang. Auch nach diesem Workshop zerrten
wir den Meister und seine Partnerin, Sonyo Martinez (Korea),
in eine ruhige Ecke und entlockten ihnen weitere wichtige
Informationen. Noch konnten wir kein Feierabend machen, denn
nun stand die große Galaparty auf dem Programm. Schnell zurück
zum Gasthof, kurzes Abendessen, umgezogen, damit wir nicht
auffielen und uns besser unters Volk mischen konnten und
weiter ging‘s!
Wieder gute Musik und kleine Imbisse im Festsaal, jedoch war
der Höhepunkt dieser Nacht die zwei Showblocks, in welchen
sich die Künstler in ihrer ganzen Artenvielfalt präsentierten:
Beetlejuice (unvergessen: “Espinozas Wheel‘), Untote,
Aufziehpuppen, Roboter, Neon Leuchtwesen, Cowboys, Mexicans,
Afrolook, Old-School (Angel Ortiz‘ und Tatiana Logishevas
elegante und edle Darbietung)...
Wie benebelt wankten wir so früh wie möglich zurück in unsere
Unterkunft, geblendet vom grellen Licht, betäubt von den
lauten Klängen, und fielen in unser Bett, um wenigstens etwas
Energie für den nächsten Tag zu tanken, denn noch hatten wir
es nicht geschafft, noch hatten wir des Rätsels Lösung nicht
gefunden...
Der Sonntag, 25. Januar, ähnelte sehr dem Samstag: Erneut zu
einer unmenschlichen Zeit aufstehen, was essen und los in die
Schlacht, Endspurt!
Der Tag fing gleich richtig an, nämlich mit Edle & Al
Espinozas ‘Hollywood Moves“, wo wir erneut mit viel Humor eine
gute, nicht zu komplizierte Hingucker-Figur beigebracht
bekamen. Weiter ging es mit Pedro Gomez (Puerto Rico) und
seinem “Clave Footwork & Moves“:
brauchbare Kombination aus Figur und Shines.
Nun benötigten wir eine Verschnaufpause für unsere brummenden
Schädel und ließen uns in Roly Madens (Cuba) “Rumba
Bodymovement“ einfach vom tiefgehenden Rhythmus mitreißen,
eine nicht ganz leichte Reise zu den Ursprüngen der Salsa...
Danach war wieder ein wenig Platz im Kopf, um den nächsten
‘Footwork & Shines“ - Workshop im New York Style von Bernard
Martinez zu absolvieren. Hier wieder pädagogisch gut
vermittelter, anspruchsvoller Unterricht mit dezenten
Bewegungen. Und da wir nicht genug von dem Mann kriegen
konnten, folgten wir ihm Schritt auf Tritt in seine nächste
Stunde: “Cha-Cha-Cha Partnering on2“, gleichzeitig eine
unkomplizierte Erweiterung der normalen Figuren und eine
erleichternde und lustige Abwechslung zur Salsa...
Dann war es so weit, unser letzter lnstructor hieß Manuel
Mascarell (Spanien), welcher uns in ‘Combinations im European
Style“ eben eine Kombination aus Hip-Hop-lastigen Shines und
einer ungewöhnlichen Figur näher brachte.
Erschöpft und müde zogen wir uns anschließend zurück, und
bemerkten bald, dass etwas Sonderbares mit uns geschehen war:
Wir wussten nicht, zu welcher Front wir gehörten, was war
passiert? Hatten wir unter einem übermenschlichen Einfluss
unbekannter, außerplanetarischer Wesen gestanden, oder war
unser Verstand nach den letzten Tagen der Anstrengung einfach
nur getrübt?
Schließlich packten wir unsere Sachen zusammen und machten uns
auf den Weg nach München, zurück in die normale, vertraute
Welt.
Erneut zog die Landschaft in rasender Geschwindigkeit an uns
vorbei.
Aber waren wir nun die Gewinner oder die Verlierer, die Guten
oder die Bösen, hatten wir das immerwährende Rätsel gelöst
oder tappten wir immer noch im Dunke1‘ Wir wussten es nicht
und so fielen wir erneut in diesen rastlosen Zustand, auf der
ewigen Suche nach...
Carlos
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Interview mit Angel Ortiz
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Interview mit
Bernard und Sonyo Martinez |