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Musikalische Impressionen einer Havanna Reise im April 2004
Der „Kubaveteran“ machte sich mal wieder nach Havanna auf.
Eine solcher Aufenthalt ist natürlich nicht komplett, ohne ein
paar der dort regelmäßig stattfindenden Auftritte kubanischer
Musikcombos zu besuchen. Nachdem es immer sehr mühsam ist,
herauszufinden, wo kubanische Gruppen für Kubaner spielen,
wählte ich, wie meistens, die zweitbeste Lösung und begab mich
in die einschlägigen Musikpaläste.
Pupy y los que Son Son im Casa de la Musica in Galliano
am 9. April

So richtig in der Breite wurde er ja erst seit etwa eineinhalb
Jahren bekannt. Da kam nämlich seine erste CD unter diesem
Namen raus. Die schlug auch gleich so ein, dass er im
vergangenen Jahr zwei Preise bei Cubadisco einheimste (das
kubanische Gegenstück zur Grammyverleihung). Immer schon
bekannt war er unter seinem bürgerlichen Namen Cesar Pedroso.
Unter diesem Namen hatte es auch schon einige
Veröffentlichungen gegeben. Viele Jahre bearbeitete er zudem
die Tasten bei Los Van Van. Auch für einen Großteil der
Kompositionen zeichnete er verantwortlich. So verantwortlich,
dass Van Van jetzt Mühe zu haben scheinen, was Neues
herauszubringen.
Das Casa de la Musica war aus der gängigen Publikumsmischung
Touristen und Kubaner(innen) wirklich gut gefüllt, als dann
gegen zwanzig vor eins zusammen mit der Band ein eher
unscheinbares älteres Männlein auf die Bühne trat. Akustisch
eher schwer hörbar begrüßte er ein paar Ehrengäste. Die Musik
machte aber schnell klar, welche Kapazität da präsent war. Wie
eine Dampframme kam ein Hammer nach der anderen – gespielt mit
einer Virtuosität, die so nicht leicht zu finden ist. Da wurde
dann auch klar, für wieviele gute Stücke er im Laufe der Jahre
verantwortlich zeichnete. Auch die Band war von erstklassiger
Güte. Das Ganze war dann so intensiv, dass der Besucher
erstaunt war, als gegen viertel nach zwei dann schon wieder
alles vorüber war. Mit einem anscheinend kränkelnden Juan
Formell wird es Van Van so schwer haben, wieder die Position
Nummer eins zurückzuholen. Hoffentlich stattet uns Pupy hier
mal einen Besuch ab, um seinen Bekanntheitsgrad
verdientermaßen noch weiter auszubreiten.
Adalberto Alvarez y su Son im Casa de la Musica in
Galliano und in Playa am 12. und 14. April

Adalberto, der „Caballero des Son“, der Altmeister und ewige
Dauerbrenner. Wieviele Musiker und insbesondere Sänger sind
bei ihm schon in die Lehre gegangen. Nun war er ja im Januar
vor kurzem erst in München im Rahmen einer anstrengenden
Europatournee (siehe
separaten Bericht). Die Publikumspräsenz
war da eher von der traurigen Sorte.
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Da hatte er jetzt wieder Heimspiele. Insbesondere der Mittwoch
ist sein angestammter Platz im Casa de la Musica in Playa. Das
machte sich dann auch beim Auftritt bemerkbar. Ähnlich wie bei
mancher Fußballmannschaft vor eigenem Publikum schaute das
alles noch eine Spur leichter aus. Die Bühnen sind ja auch
größer, jeder kannte seinen angestammten Platz. Da war auch
noch Raum für den vierten Sänger, den sie auf ihrer Europatour
offensichtlich vergessen hatten (oder zurücklassen mußten?).
Adalberto spielte seine ganze Routine vieler Jahre aus und
brannte sein Sonfeuerwerk ab. Das Publikum nahm es dankbar
entgegen. Leider war in beiden Fällen nach gut einer Stunde
schon wieder Schluß. Spätestens der in der Casa de la Musica
übliche Schwenk zu Disco- oder Rapmusik aus der Dose machte
allen klar, dass die letzten Raketen für den Abend gezündet
waren. Es blieb der schwache Trost, dass noch viele Mittwoche
folgen würden. Außerdem ist seine nächste Europatournee für
diesen Sommer angekündigt. Dann soll er auch hier wieder
vorbeischauen.
Los Jovenes Classicos del Son im Delirio Habanero am
16. April

Szenenwechsel: Das Delirio Habanero im oberen Stockwerk des
Teatro Nacional, eine länglich geschnittene Bar, eine
Längsseite abgeschlossen durch eine komplette Fensterfront,
Baratmosphäre, angenehme Größe. Der Besucher schaut so auf die
kleine Bühne vor dieser Front und erhascht noch einige wenige
Lichter der havanensischen Nacht. Jovenes Clasicos del Son –
im Vergleich zu den ehrwürdigen Herren des Buena Vista Social
Club, sind sie wirklich noch jung. Aber sie haben sich dem Son
verschrieben – der Wurzel aller Salseros von heute. Obwohl die
Besetzung mit sieben Musikern eher den traditionellen Stil
vermuten läßt, entwickelt ihn die Gruppe weiter, interpretiert
ihn neu mit einer belebenden Frische. Den Hauptanteil trägt
ohne Zweifel El Nene oder Pedro Lugo Martinez, wie er mit
bürgerlichem Namen heißt – der Sänger mit dem
unverwechselbaren Timbre eines sanften Reibeisens.
Auch hier begann die Vorstellung spät. Aber dann, welch
schneller Genuß stellte sich ein. Wie schnell war jeglicher
Salsa vergessen bei dieser Präsentation des Son. Schnell
übertrug sich das innere „contra tiempo“ Mitwippen nach außen.
Es fiel kaum auf, dass die letzte CD praktisch ausgespart
blieb (Die offizielle Präsentation folgt nämlich erst.). Das
Repertoire war reichhaltig genug. Einige Klassiker wurden
integriert. Auch der Rumba kam nicht zu kurz. Trotz der nur
schmalen Fläche vor der Bühne, hielt es einige Frauen nicht
auf ihren Stühlen. Die circa eineinhalb Stunden waren dann
flux vorbei. Noch ein paar Blicke in die Runde und durch die
Fensterfront hinaus in die Nacht – dann ging es wirklich
hinaus in den frühen Morgen. „No pueden parar“ – hoffentlich
gibt es sie noch lange, entsprechend dem Titel ihrer ersten
CD.
Stephan
(alias El
Misionario)
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