4. Salsa Congress Innsbruck
19. - 21.01.2007
Der Salsa Congress der Alpenmetropole hat von Beginn an zu
meinen Favoriten gehört und besitzt einen festen Platz in
meinen Terminkalender, obwohl in letzter Zeit vermehrt
Konkurrenzveranstaltungen den Angebots-Pegel mächtig in die
Höhe treiben. Den Gesetzen der freien Marktwirtschaft nach,
sinkt dementsprechend leider auch die Nachfrage. Dies musste
ich schon letztes Jahr feststellen. Umso mehr war ich auf den
momentanen Stand der Teilnehmerzahl in Innsbruck gespannt, als
sich ein kleines Auto voller Salsa-Power auf den Weg dorthin
machte. Unglücklicherweise bereitete uns ausgerechnet am dem
Freitag der liebe Gott einen unruhigen Tag durch einen, in den
Alpen besonders, starken Orkan. Wir konnten zwar fast
ungestört nach Innsbruck gelangen, jedoch manch andere Straßen
galten als unbefahrbar und einige Flüge wurden storniert. So
wunderten wir uns nicht, dass beim Empfang von einer
Workshop-Änderung die Rede war.
(Alex da Silva und Vincent aus Wien konnten wegen des Sturmes
leider nicht anreisen.)
Die Freitags-Welcome Party fand heuer nicht im Saal „Dogana“,
sondern im nahe gelegenen Ort Rum im Veranstaltungszentrum
„Forum“ statt. Ein Shuttlebus sorgte dafür, dass die
Nicht-Ortskundigen vom Congress
(-haus) Innsbruck direkt vor die Tür gebracht wurden. Wir
wagten es dennoch, mit dem Auto auf eigene Faust die
Party-Location ausfindig zu machen, was sich dann auch zum
echten „Kampf“ entwickelte. Ein wenig viel später als geplant
betraten wir das moderne Gebäude mit dem schönen Partysaal und
einem exzellenten Parkettboden und mischten uns unter das
nicht allzu große Publikum. Trotz Wetter waren bereits einige
Stars angekommen und gaben kleine Spontan-Shows und
Sketch-Vorführungen (natürlich mit dabei das crazy Paar Luis
Vazquez und Melissa Fernandez sowie auch Jazzy) zum Besten.
Somit war auf jeden Fall gute Unterhaltung geboten. Wer lieber
selber aktiv werden wollte, hatte mit DJ Gringo aus Wien einen
starken Verbündeten, denn dieser verstand es, alle möglichen
Salsa-Richtungen in einem außerordentlich guten
Mischverhältnis aufzulegen und so seinen Gästen ein
Musikvergnügen nach dem anderen zu bereiten!
Kein Wunder, dass wir bis zum Schluss blieben und daher unsere
liebe, kleine Not mit dem Aufstehen am nächsten Tag hatten…
Zum dritten Workshop schafften wir es am Samstag allemal:
Ich begab mich in meinen Lieblingssaal „Orangerie“ (fast wie
ein riesengroßer Wintergarten, daher auch bei den Lehrern der
beliebteste) zu Al & Karla Espinoza mit einem
Musicality-Workshop, welcher uns einbläute, zur Musik zu
tanzen und dafür auch ein paar nützliche Werkzeuge, sprich
Moves in Figuren, gab.
Nach dem Mittagessen, die hauseigene Kantine bot zu humanen
Preisen leckeres vom Alpenstaat an, (Oh-yeah! I love this
schedule: Frühstück, ein Workshop, Essen, weiter mit
Workshops…) ging’s richtig zur Sache.
Roi & Talia aus Spanien waren mit ihren Acrobatic-Figuren,
welche den Hauptteil ihrer Shows ausmachen, vor ein paar
Jahren berühmt geworden, hatten in ihrem Heimatland auch
einige Salsa-Wettbewerbe damit gewonnen und vermittelten uns
nun in der kommenden Stunde einen Teil ihrer Kunst.
Selten wurden die Nacken-, Schulter-, Arm- und Rücken-Partien
so dermaßen gefordert! 100 % Muskelkater-Garantie bei allen
Teilnehmern – mit Echtheitszertifikat!
Darauf musste eine lockere Rueda de Casino Stunde folgen,
klar! Bei Arnaldo Rippes & Yanieri machte der Unterricht aber
auch so viel Spaß, dass zumindest ich ewig hätte weitermachen
können und wohl nie genug vom ruhigen, coolen, schwarzen Humor
des weißen Cubaners, welcher immer mit einem kleinen
Augenzwinkern seine Kommentare los wurde, seiner mit einem
bezaubernden Lächeln ausgestatteten Partnerin und den
lustigen, extrem alternativen Kommandos bekommen hätte. Que
rico!
Zum Schluss des Workshoptages gab es noch ein weiteres,
besonderes
Schmankerl: Die bereits höchst erfolgreiche italienische
Truppe Swinguys, bestehend aus zwei jungen Ladies und zwei
Burschen, komödiantisch auf dem höchsten Niveau, lieferte den
Salser@s als kleine Abwechslung ein wenig Swing for Beginners
(ähnlich dem Boogie-Woogie oder Rock’n Roll). Die
Choreographie, welche wir einstudierten, eröffnete uns ganz
neue Aspekte im Paartanz und sogar ein Rueda-ähnliches
Miteinander war drin! Was für ein Spaß und ne Gaudi, sag ich
euch!
|
Auf die Gala Night in der „Dogana“ des „Congress Innsbruck“
freute ich mich auch dieses Jahr besonders, da der riesige
Festsaal eine unvergleichliche Atmosphäre mit seinen breiten
Treppen zur Galerie und den hohen Rundbögen besitzt.
Ungewohnter Weise hatte man heuer die Bühne in die Mitte auf
der rechten Längsseite aufgebaut, so dass es mehreren Leuten
möglich war, den Shows „näher zu kommen“ und sie von einem
guten Platz mitzuverfolgen. Direkt vor der Bühne befand sich
die Tanzfläche nun mitten im Saal, was sie natürlich offener
und auch dadurch etwas größer machte. Die Performances wurden
diesmal in einem einzigen Block abgehalten, der sich ein wenig
in die Länge zog. Allerdings bot das bunte Programm reichlich
an Abwechslung: Viele bewährte als auch neue Künstler,
Solo-Auftritte wie die Gesangseinlage von Manuel Mascarell,
phantasievolle „Comic-Realisierungen“ von Luis & Melissa (el
feo y la bella), Al & Karla Espinoza (Terminator), und den
Swinguys (Americano) als auch größere Formationen wie „Beni &
Fuego y Pasion“ aus der Schweiz, „Fuego de la Salsa“ aus
Ungarn und das „Red Salsa Team“ aus Bulgarien, welche mit
ihrer präzisen Synchronie beeindruckten. Nach den Shows
stürzte sich nun das enthusiastische Publikum auf das extra
verlegte, sehr (fast schon zu) glatte Parkett und „World Salsa
DJ“ Henry Knowles schwang sich auf sein erhöhtes DJ-Podest, um
den richtigen Ton anzugeben. Da besagter Herr selbst aus New
York kommt, war es ein persönliches Anliegen von ihm, seine
heimatliche Salsarichtung zu vertreten, und zwar fast
ausschließlich. Schade, denn ein wenig Abwechslung hätte nicht
geschadet, wie doch der Vorabend gezeigt hatte.
Dennoch hielten sich viele bis um ca. vier Uhr morgens auf den
Beinen und torkelten dann bei Vögelgezwitscher irgendwie in
die Betten.
Der Sonntag bot zur dritten Stunde für ganz Hartgesottene eine
weitere Acrobatics-Stunde mit Roi & Talia. Wer jetzt noch
Kraft in den Armen hatte, wurde derer endgültig beraubt –
erhielt als Gegenleistung aber einige aufregende Figuren, mit
welchen man in einer Salsateca ganz bestimmt die gesamte
Aufmerksamkeit auf sich zieht! Wenn man denn genug Platz hat…
Um die Salsa-Cubana-Schiene nicht zu vernachlässigen,
gliederten wir uns nach dem leckeren Mittagessen ein in die
Rueda von Ignacio Camblor, welcher sich schwer tat, alle seine
Teilnehmer unter einen Level-Hut zu bringen. Zum Schluss
allerdings hatten wir auch hier unseren Spaß, da die Figuren
saßen und man sich auf das Tanzen miteinander konzentrieren
konnte.
Nun ging’s erneut zu Al & Karla Espinoza, diesmal mit
Ladies/Men Styling. Der Herr spielte hier eine etwas größere
Rolle, da Al erklärte, dass es am Mann läge, einen Tanz zum
positiven zu wenden, wenn die Partnerin nicht ganz so gut ist.
Anstatt die Dame hin- und herzuziehen und zu schleudern, so
dass sie nicht mehr mitkommt, könne das „stärkere Geschlecht“
doch die Zwei-, Drei-, Vierfach-Drehungen (sowohl rechts als
auch links zur ausgeglichen Belastung des Körpers!) und kleine
Openshines einbringen! Anhand von einer Endlos-Schleife-Figur
vertieften wir diesen Unterrichtsinhalt höchst effektiv!
Zum Abschluss des Workshopplanes gönnten wir uns schließlich
und endlich Luis Vazquez & Melissa Fernandez mit einer
Musicality Class auf ganz hohem Niveau. Eine unglaublich
groovige Choreographie zu einem heißen Salsa-Instrumental-Lied
machte uns klar, wie sehr man und frau doch zu einzelnen
Instrumenten tanzen kann, anstatt immer nur zum eintönigen
Grundtakt. Für die Männer bot sich die Möglichkeit, Luis’
Bewegungen und ganz spezielle, einzigartige Moves nachzumachen
und sich einzueignen. So wurde auf jeden Fall mein Horizont
erneut um ein Stückchen erweitert.
Aber auch für die Mädels war die nicht minder powervolle
Melissa eine ausgezeichnete Lehrerin in Sachen sexy moves und
openshines. Arbeitet man nun weiter an der Choreographie, kann
man in die Choreographie seinen eigenen Stil reinbringen…, wie
eigentlich in allem, was man so lernt… Leider war der Congress
nun für uns beendet, denn wir mussten am nächsten Tag früh
raus. Mit müden Körpern, aber Köpfen voller neuer Eindrücke
und Figuren machten wir uns schweren Herzens auf die
Heimreise.
Vielen Dank an Melanie Rienzner und Thomas K. Müller von muy
bien – the latin event company, für die tolle Zusammenarbeit
und das schöne Wochenende.
Ich persönlich war mit den Workshops und Lehrern insgesamt
sehr zufrieden. Große Anerkennung an Euch, da ihr tolle
Instructors für Innsbruck weiter verpflichten und neue dazu
gewinnen konntet. In Verbindung mit dem Gebäude „Congress
Innsbruck“ ergibt sich wahrhaftig ein „First Class Event“,
welches den Vergleich mit anderen Veranstaltungen nicht zu
scheuen braucht! Ich hoffe, dass sich die Salser@s dies auch
bewusst machen konnten und dass nächstes Jahr beim „5th
Austrian Salsa Congress Innsbruck 2008“ wieder zahlreiche
Gäste erscheinen!
Salsalu2,
Carlos
|