Salsa-Party im Ryles am 23.12.2006
Halb erfroren, aber mit einer handvoll Hoffnung näherte ich
mich am Vorabend des Heiligen Festes dem Ryles, um
gleich gesinnte Nimmermüde zu finden, mit welchen ich noch mal
so richtig abfeiern konnte, bevor die ruhigen, besinnlichen
Tage ihren schweren, roten Umhang um meine Schultern zu legen
gedachten.
Bereits aus einiger Entfernung nahm ich jedoch die etwas
menschenleere Location wahr und hätte schon an Ort und Stelle
kehrt gemacht, wäre ich nicht mit meiner alten Freundin
Christina aus Spanien verabredet gewesen.
Durch die zwei großen Glasfronten zählte ich ca. fünf Pärchen,
welche sich gemütlich zu ziemlich guter Salsa bewegten… Zuerst
mal ins Warme, dann schauen wir einfach weiter!
Nina ließ mich, nachdem ich fragte, ob ich gegen Pfand nur
kurz reinschauen könne, kostenlos durch, sozusagen als kleines
Pre-Weihnachtsgeschenk.
Die Stimmung befand sich, wie bereits geschildert, nicht
gerade auf dem Siedepunkt und so beschlossen wir, noch zu
einem anderen Salsaschuppen weiter zu ziehen. Während des
Gesprächs mit dem „Tanzbär“ lugte ich kurz zur Eingangstür und
stellte fest, dass doch tatsächlich eine ganze Gruppe der
sicherlich besten TänzerInnen Münchens und Umgebung (u.a.
Kerstin, Marion B., Noah, Saul, Christoph, Kamy) dabei waren,
Eintritt zu löhnen, um in diesen Club den Abend zu verweilen.
Welch ein Glück!
Nach einer stürmischen Begrüßung legte DJ Hernan auch gleich
mal einige der heißesten N.Y., Miami und L.A. Feger der
Salsa-Geschichte auf und heizte den Laden so richtig ein. Als
höchster Spaßfaktor zählte dabei das rege betriebene Catchen
(Mann schnappt dem anderen während des Tanzens die Frau weg)
und Hijacken (Frau schnappt sich während des Tanzens selbst
die Führung). Später stießen sogar noch Rosalie und Grigory zu
unserem lustigen Haufen und wir konnten ein paar geile Rueda
pa’ dos (Rueda zu zweit [Paarweise :D]) zu meinen
Wunsch-Timbas aufs Parkett brettern.
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Bei der nun ausgelassenen Stimmung war sogar eine extra lange
Version vom „El Tiburon“ nicht fehl am Platz und wir ließen
unserer Phantasie beim Schritte-Erfinden freien Lauf. Das Lied
endete mit einer wilden Hucke-Pack-Aktion und vollkommen
erschöpften, im Inneren immer noch Kinder gebliebenen jungen
Männern.
Bei so viel Freude einigten sich Nina und Hernan mit der
Bedienung, das Ende noch ein wenig nach hinten zu verlegen,
denn ursprünglich war’s nur bis eins gedacht…
Um ca. drei Uhr in der Früh wurde dann schließlich das Licht
angemacht, die Tische verrückt und langsame Schieber
aufgelegt. Die noch anwesenden, ausgetobten Gäste drückten
sich herzlichst und wünschten sich alles Gute, um dann in die
eisige Kälte des Weihnachtsmorgens rauszustampfen. Ihre Herzen
wurden aber nicht unbedingt durch den Gedanken an die
bevorstehenden Geschenke erwärmt, sondern durch die geteilte
Freude an der Musik. Danke nochmals an Nina und Hernan!
Selten habe ich so viel gute Laune und Spaß beim Tanzen
erlebt, vor allem hier in München und bei dem Niveau der
TänzerInnen. Viele Salser@s aus anderen Städten sagen uns
nach, dass wir sehr kühl und hochnäsig wären, was wohl auch
bei vielen Einwohnern der Bayerischen Hauptstadt stimmt –
leider.
Jedoch zeigte mir dieser Abend auch das vollkommene Gegenteil.
Natürlich, es war eine bestimmte Konstellation: Sehr gute
Musik, sehr guter Boden, mehr Platz als vom Hörensagen, nette
Betreiber und Bedienung und…, ja und was noch? Ach! Die
Menschen! Die hätte ich beinahe vergessen…
Aber wenn alle aus der Szene ihren Teil dazu beitragen, die
Besitzer und Betreiber am Zustand des Guts, die DJs an der
Musik, die Angestellten an der Freundlichkeit und die Besucher
an ihren offenen Geldbörsen ääh, an ihrer Offenheit anderen
gegenüber, könnte es in München sicherlich noch mehr solche
schöne Abende geben.
De cora-son,
Carlos
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