Bericht Festival Son Cuba Muffathalle 06.10.06
Kaffee, Zigarren und Sex lassen die Kubaner alt werden. So
konnte man dieser Tage in den Medien das Ergebnis einer Studie
nachlesen. Vielleicht muss man noch die Musik hinzufügen. Die
Neugierde nach diesen Alten scheint ungebrochen. So war es
schon wieder soweit. In der sechsten Auflage machte das
Festival Son Cuba Station an altbekannter Stätte. Es ist ein
mittlerweile eingespieltes Konzept, routiniert durchgeführt.
Wer groß Aufregendes erwartet oder dem Salsasport frönen
möchte, geht eh nicht hin. Vielmehr hat sich ein stattliches
Publikum gefunden, das die klassischen kubanischen Rhythmen
lieber im Sitzen konsumiert. Ursprünglich dienten diese
Rhythmen dazu, die tanzfreudige Bevölkerung bei eleganten und
doch rund anzuschauenden Contra-tiempo Bewegungen zu
unterstützen. Was spielt es auch für eine Rolle? Im
Ursprungsland Kuba interessieren sich nur noch die Alten für
diese Art von Musik aus der Historie. Längst hat Reggaeton die
Spitzenposition bei den Jugendlichen übernommen. So sind die
Musiker vielleicht ganz froh, lieber gegen eine imaginäre Wand
anzuspielen als überhaupt kein nennenswertes Auditorium zu
haben. Was ankommt, ist gleichmäßiges, nicht gerade
sontypisches Klatschen.
|
Der detailverliebte Hörer traditioneller kubanischer Musik
versucht sich einige Highlights herauszupicken. Die gab es in
der Vergangenheit immer wieder: Haila, Manolito oder Pancho
Amat seien stellvertretend genannt. Solche fehlten dieses Mal.
Die sympathische Mayelin Perez und die talentierte Pianistin
Marialy Pacheco, zwei vertraute Gesichter aus dem Vorjahr,
durften wieder den beschaulichen Auftakt machen. Cuba
Percussion zeigten mit einer Kurzeinlage erstaunliches
Zusammenspiel auf ihren Congas. Die melancholischen Buena
Vista Erwartungen der Besucher an die Generation kubanischer
Großväter durften Pedro Gomez mit Son Charranga erfüllen.
Überaus routiniert, vielleicht etwas zu lang, steigerten
schließlich Luis Diaz y los 5 del Son das Tempo. Fürwahr ein
funktionierendes Schema, das vielen entgegenkommt und daher
bedient werden darf. Schließlich ist das Rezept zum Altwerden
ja kein schlechtes und für die Connaisseure ist nächstes Jahr
vielleicht wieder ein größerer Name dabei.
Stephan
Zu den
Fotos
|