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Cuban Salsa Congress 2006, München
von salsero_geraldo
Wir reisten mit einer kleinen Gruppe aus Linz am
Samstag Morgen an. Von den Berichten aus Berlin verunsichert
bemühten wir uns spätestens um 9.00 einzutreffen um die
Registrierung rechtzeitig vor 10.00 zu schaffen. Aber: große
Überraschung, die "Schlange" bei der Registrierung bestand nur
aus 3 Personen, wir mussten also kaum warten und konnten den
Kongress daher stressfrei beginnen.
Erste Stunde Cuban Salsa Advanced bei Juan José Ortiz. Tolle
Figuren aber leider ziemlich chaotisch, das lag wohl
hauptsächlich daran dass der Saal hoffnungslos überfüllt war -
Saal A ist einfach viel zu klein, und ausgerechnet die
beliebtesten Stunden wurden dort abgehalten! Also einerseits
war fast kein Platz, andererseits bin ich auch nicht sicher ob
alle anwesenden Tänzer bewußt war dass sie in einer "Advanced"
Stunde gelandet waren, Juan hatte wirklich zu kämpfen und
mußte bei einer Figur sogar abbrechen - dabei hätte gerade
diese Figur mir sehr gut gefallen. Leider hat er sie nur ein
oder zwei mal kurz vorgetanzt und das war mir zu wenig um sie
nachzumachen, gezeigt hat er dann einen leichteren Ausgang.
Die zweiter Stunde Rueda Intermediate bei Tomasito brachen wir
nach 3 bereits bekannten Figuren ab und wechselnden schnell zu
Rumba. Eine sehr gute Entscheidung, die Rumba Stunde von
Alberto Valdez war wirklich genial, er hat hautpsächlich
Grundlagen und Bewegungen gezeigt was mir sehr gut gefallen
hat.
Nach der Mittagspause (etwas zu kurz, bei dem großen Andrang
im Restaurante geht es sich fast nicht aus in einer Stunde zu
essen und rechtzeitig zur nächsten Stunde wieder im richtigen
Saal zu sein) ging es weiter mit Cuban Showstile mit Seo und
Alexis. Ich hatte den Eindruck dass die meisten von der Stunde
begeistert waren, den beiden beim Tanzen zuzuschauen war auch
wirklich super, allerdings kann ich persönlich für mein Tanzen
mit diesem Stil weniger anfangen. Auch fand ich die
Erklärungen etwas dürftig, Seo war mehr damit beschäftigt sich
selbst zu präsentieren und zu zeigen wie toll und schön er
nicht ist, was mich als Mann natürlich nicht beeindrucken
konnte, bei den Frauen war das wohl anders ;) Alexis hat
einige male versucht zu übernehmen und besonders schwere
Stellen genau zu erklären und exakt zu zählen, wurde aber fast
jedes mal von Seo unterbrochen, was ihn für mich noch
unsympathischer machte.
Danach fiel uns die Entscheidung schwer: nochmal eine Rueda
Intermediate riskieren oder doch lieber in den überfüllten A
Saal zu Salsa Intermediate? Wir hatten Angst dass der Saal bei
Intermediate noch voller sein würde und wollten die damit
vorprogrammierten blauen Flecken nicht riskieren, also ab zur
Rueda.
Die erste Figur war bekannt, die zweite auch.... unruhig wurde
ich als sich das erklären der zweiten Figur ewig in die Länge
zog. Dazu trugen mehrere Fakturen bei: einerseits natürlich
das üblich Problem bei Salsa Congressen: Leute gehen in Rueda
INTERMEDIATE stunden weil sie schon einige Zeit Salsa tanzen
und sich daher als Intermediate einstufen....dass sie noch nie
im Leben Rueda getanzt haben und daher in einer Rueda
Intermediate Stunde nichts verloren haben steht auf einem
anderen Blatt. Abgesehen davon trugen Emilitos ungewohnte Art
zu zählen und seine chaotischen, nicht sehr zielführenden
Erklärungen auch nicht gerade dazu bei dass die Figur schnell
von allen umgesetzt werden konnte. Ich wollte schon fast gehen
als Emilio sich entschloss die Figur abzubrechen und dafür
eine andere zu unterrichten, diese Figur gefiel mir sehr gut,
also blieben wir doch noch einige Zeit....bis zur nächsten
bereits bekannten Figur, also schneller Saalwechsel um von der
parallel laufenden Salsa Intermediate Stunde mit Emir noch
etwas mitzubekommen. Die Figur die dort unterrichtet wurde
gefiel mir auch recht gut, zum Üben war zwar kein Platz, aber
das störte mich nicht weiter, die Figur wurde auf Video
gebannt und üben werden wir sie zuhause.
Als letzte Stunde stand Men Style mit Israel am Programm, habe
mir viel von dieser Stunde erwartet, wurde aber schwer
enttäuscht, nach nur wenigen Minuten mit ein paar
Bewegungsübungen wurde die ganze Stunde lang nur mehr eine
Choreografie erarbeitet, schade! Vorteil: ich hatte Zeit zur
Lady Style stunde zu wechseln und dort zuzuschauen, was auch
recht nett war.
Bereits um 16.45 endete das Programm, die Party
begann erst um 22.00, also mehr als 5 Stunden Pause. Genug
Zeit zum Abendessen und Schlafen, mir wäre es aber viel lieber
gewesen wenn der ganze Kongress 1-2 Stunden später begonnen
hätte und dafür bis 18:00 od. 19:00 gedauert hätte. So hätten
wir nicht ganz so bald aufstehen müssen. Zum Programm wäre
generell noch zu sagen dass ich überrascht war wie genau
dieses eingehalten worden ist. Hut ab! Keine Ahnung wie
Raffael es geschafft hat, dass durchgängig alle Kubaner ihre
Stunden pünktlichst begonnen haben. Das war wichtig, da die
Pausen zwischen den Stunden gerade ausreichten um von einem
Saal zum nächsten zu wechseln.
Was mich zum Thema der Location bringt: die 5 Säle sind in 3
verschiedenen Gebäuden - zwar alle in max. 5 Minuten zu Fuß
erreichbar, aber dennoch ist es ziemlich unangenehm jedes mal
wieder Jacken anziehen, ev. Schuhe umziehen, raus in die
Kälte, zum nächsten Saal, wieder Jacken ausziehen, Tanzschuhe
an,...
Ziemlich stressig! Bei anderen Kongressen mit allen Sälen im
selben Gebäude ist das viel angenehmer. Besonders unangenehm
dann, wenn man feststellt dass einem die gewählte Stunde nicht
so gut gefällt und man zu einer anderen Stunde wechseln
möchte.
Weiters sind die Säle teilweise für die Masse an Teilnehmern
zu klein. Der Veranstalter müßte entweder die Anzahl der
Tickets limitieren oder aber den Kongress in etwas größere
Räumlichkeiten veranstalten.
Filmen war heuer offiziell verboten, klingt negativ, hat sich
im Vergleich zum Vorjahr aber als sehr positiv herausgestellt.
Letztes Jahr war man immer unsicher ob man filmen darf oder
nicht (manche Lehrer akzeptierten es, manche nicht) und ob am
Schluß auch wirklich nochmal wiederholt wird oder ob man
gleich filmen muss um die gerade gelerte Figur nicht zu
verpassen. Heuer find ich das sehr gut gelöst: Filmen war
verboten, aber in den letzten 5 Minuten wurden alle Figuren
nochmal gezeigt, sogar von den Rumba und
Bewegungstrainings-Stunden gab es am Schluss sehr gute
Zusammenfassungen für die Kamera.
Keine Ahnung ob das an meiner Auswahl an Stunden lag oder ob
es generell so war, aber in fast alle Stunden die ich besuchte
wurden auf spanisch unterrichtet. Für mich persönlich ein
Vorteil: gutes Spanisch ist mir wesentlich lieber als
mittelmäßiges Deutsch oder Englisch, könnte mir aber
vorstellen dass ein Großteil der Teilnehmer nicht spanisch
können und somit den Erklärungen oft schwer folgen konnten.
Auch wenn die Lehrer ihr bestes versuchten und viel mit Gestik
und Körpersprache wettmachten. Oft half auch jemand als
Dolmetscher, was mit einem zweiten Mikrofon aber leichter
gewesen wäre.
Soviel zu ein paar allgemeinen Bemerkungen, weiter gehts im
Tagesverlauf... |
Die Shows begannen überraschend pünktlich (natürlich nicht
genau pünktlich, war ja ein kubanischer Kongress, aber doch
relativ bald), die Idee mit den Stühlen war super, so konnte
man im Vergleich zum letzen Jahr wesentlich besser sehen. Auch
die Shows selber waren besser als im letzten Jahr, vielleicht
eine Spur Rumba lastig, aber durchgehend sehr beeindruckend.
Die Länge des Showblocks war wesentlich angenehmer als letztes
Jahr - damals war er der Showblock viel zu lange, einzig
Störend die 1/2 Stunde Zwangspause bis die Stühle aus dem Saal
entfernt waren. Störend auch dass alle Gäste - teilweise recht
unfreundlich - aus dem Saal geschickt wurden, einige verließ
die Gedult und sie beendeten den Abend vorzeitig.
Für alle anderen ging es dann ab ca. 1.00 endlich auf die
Tanzfläche, leider nur mehr 3 Stunden, als es gerade so
richtig nett wurde - weil endlich genug Platz auf der
Tanzfläche, war es auch schon 4.00 Uhr und wir mussten erneut
den Saal räumen. Es wurde zwar im Gasthaus noch 1 Stunde
weitergefeiert, aber dort war leider keine Tanzfläche
vorgesehen, man konnte nur zwischen den Tischen tanzen.
Am nächsten Tag, nach viel zu wenig Schlaf, starteten wir mit
einer Stunde Menstyle. Angekündigt war Ignacio, dieser wurde
aber von Jorge vertreten. Mich hat die Stunde mit Jorge
begeistert, eine ganze Stunde Übungen für die Bewegung von
Schultern, Armen, Hüfte und die Umsetzung im Salsa
Grundschritt. Keinerlei komplizierte Choreografien wie sie
leider bei Menstyle Stunden viel zu oft üblich sind und die
man meistens schon am nächsten Tag vergessen hat und nie
wieder brauchen kann - nein, eine Stunde lang Bewegungen die
man immer wieder brauchen kann und beim ganz normalen Tanzen
einbauen kann. Super! Jorge hat das ganze auch sehr lustig
gebracht und dabei aber wirklich gut und verständlich erklärt.
Da mir die erste Stunde bei Jorge so gut gefallen hat war die
Entscheidung für die folgende Stunde nicht schwer: Salsa
Cubana Intermediate wieder bei Jorge. Ein zeigte eine sehr
nette, nicht zu schwere Figur. Auch wieder gut erklärt, in
diesem Fall fast zu gut, es hätte auch etwas schneller gehen
können und dafür noch eine zweite Figur. Großes Problem bei
dieser Stunde: der Saal war derartig voll das man sich fast
nicht mehr bewegen konnte. Größtenteils schauten wir daher nur
zu und tanzten nur hin und wieder mit. Wie schon erwähnt: Saal
A ist einfach viel zu klein! Daher auch endlich die
Entscheidung von Raffael die Säle A und B zu tauschen - hätte
man schon am ersten Tag machen sollen, aber besser spät als
gar nicht.
Nach der Mittagspause wieder Rueda mit Tomasito - dieses mal
Advanced. Einige recht gute Figuren, sehr gut und flott
erklärt. Die Stunde hat mir sehr gut gefallen, etwas
eigenartig war nur dass wir in der ganzen Stunde "Rueda" kein
einziges mal Rueda im Kreis getanzt haben. Die Figuren konnte
man so natürlich schneller lernen, aber zumindest einen
Abschlusstanz im Kreis hätte ich mir schon erwartet.
Nächste Stunde: Juan Jose Ortiz mit Cuban Salsa Intermediate.
3 schöne, Juan-typische Figuren bei denen wie immer einiges an
Beweglichkeit gefragt ist. Am Sonntag war die Stunde weniger
chaotisch, man hatte genug Platz zum Üben (Dank dem Tausch von
Saal A und B) und die Erklärungen waren sehr exakt.
Das Chaos holte uns aber schnell wieder ein, nämlich bei der
letzten Stunde Rueda Advanced mit Alberto Valdez. Was er uns
gezeigt hat war wirklich toll, bis er aber alle so weit hatte
das es halbwegs funktioniert hat war ein langer,
nervenaufreibender Weg. Schuld daran war einerseits wieder mal
der mangelnde Platz, es waren viel zu viele Leute um in dem
schmalen langgezogenen Saal sinnvoll Rueda tanzen zu können.
Die andere große Schwierigkeit war der hohe Erklärungsbedarf
der Figur (mit einfachem Vorzeigen war es diesesmal nicht
getan) - nicht so einfach wenn die Erklärung auf spanisch
erfolgt, die meisten Teilnehmer aber nur Deutsch und Englisch
sprechen. Schlußendlich hat es aber dann geklappt und ich habe
eine tolle neue Art Rueda zu tanzen mitgenommen. Bin schon
sehr gespannt darauf es bei uns auszuprobieren.
Ganz zum Schluss gab es noch eine halbe Stunde mit allen
Lehrern gleichzeitig auf der Bühne, einige zeigten hier noch
etwas Show, andere zeigten einfachere Schrittkombinationen vor
- für alle zum Mitmachen. Nachdem uns allen schon die Füße weh
taten und wir auch noch eine weite Heimreise vor uns hatten
machten wir hier nicht mehr mit sondern brachen auf.
Abschließend möchte ich noch anmerken dass dieser Bericht
natürlich sehr persönlich ist, jeder hat andere Vorlieben. Bei
so vielen Teilnehmer kann natürlich nicht auf die Wünsche
jedes einzelnen eingegangen werden. Mir ist auch durchaus
bewußt dass die Organisation einer derartigen Veranstaltung
nicht einfach ist, Kritikpunkte sind also nicht so negativ
gemeint wie sie vielleicht klingen, vielleicht kann sich der
Veranstalter aber doch den einen oder anderen sinnvollen
Verbesserungsvorschlag herauspicken.
Alles in allem war es ein tolles Wochenende an dem man viele
tolle Eindrücke sammeln konnte.
von salsero_geraldo
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