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Bericht:
3. Salsa Congress Innsbruck
Tanzschuhe oder Sneakers? Rock oder Hose? Nokia oder Siemens?
Kaffee oder Tee? N.Y.-Style oder Salsa Cubana? Mit diesen
Fragen im Gepäck machten wir uns auf, das Orakel in Innsbruck
zu befragen. Viel hatten wir gehört von der Zuverlässigkeit
der Vorhersagen und entsprechend groß war unsere
Erwartungshaltung.
Am Freitag gegen 13.30 Uhr fuhren wir mit der DB/ÖBB nach
Innsbruck. Ohne Stau und verschont vom saisonbedingten,
freitäglichen Pilgerstrom Richtung Skipisten, kamen wir in der
Tiroler Landeshauptstadt an. Zielsicher strebten wir unserer
bescheidenen, aber für unsere Anforderungen äußerst zentral
gelegenen, Herberge zu. Nach Abwurf der Ballast und kurzem
Sightseeing machten wir uns auf die Suche nach dem Mekka der
Salseras/os, sprich den Kongressräumen.
Des Abends fand die Eröffnungsparty in den barocken
Raiffeisensälen statt, wo wir auch gleich unsere Armbändchen
angelegt bekamen. Die Tanzaktivitäten waren schon voll im
Gange und eine angenehme Atmosphäre entstand durch die
ansprechende Mischung der Musik, spontane Tanzeinlagen der
Instructors und die allgemeine ausgelassene Stimmung, welche
nicht zuletzt aus dem Konsum alkoholhaltiger, sogar fremder,
Getränke resultierte. Im Gegensatz zu den restlichen Lehrern,
welche ihre Partner eher untereinander tauschen, konnte man „Edie,
the Salsa Freak“ wieder mal mit vielen Tänzern beim Social
Dancing beobachten. Ob groß, ob klein, ob dick oder dünn,
Anfänger oder Profi, Edie lässt jeden Salsero gut aussehen.
Auch bei den vermasseltsten Drehungen verliert sie nicht ihr
Lächeln und bringt anschließend ihren Partner wieder auf den
rechten Takt zurück. Ob sie aber immer Spaß dabei hatte… ? Die
Linzer Fraktion hielt es wesentlich länger auf der Party, wir
allerdings bevorzugten etwas früher an der Matratze zu
horchen, da uns durchaus bewusst war, welche Anstrengungen in
den nächsten zwei Tagen lauerten.
Den Samstag begannen wir pünktlich um 10.00 Uhr mit einem
L.A.-Partnerworkshop bei Jazzy & Anita. Seine verständlichen,
ausführlichen Erklärungen zeugten von seinem
ergebnisorientierten Unterrichtsstil, bei dem allerdings der
Spaßfaktor manchmal zu kurz kam. „Speedy Gonzales“ brachte
seine Profilierungssucht zum Ausdruck, als er zum Abschluss
der Stunde in einem unglaublichen Tempo die anspruchsvolle
Kombination zeigte.
Nach der dringend benötigten 15-minütigen Pause stürzten wir
uns in die nächste Stunde bei Alex da Silva & Nina Uszkureit,
die einfach nur genial war! Die in der vorherigen Stunde nur
spärlich zu hörenden Lacher waren hier bei „Mr. Smooth“
zahlreicher und deutlicher zu vernehmen. Alex besitzt einen
unvergleichlichen L.A. -Style, den er durch eine 20-jährige
Erfahrung perfektioniert hat, jedoch wirkt der brasilianische
Gentleman trotz seines Erfolgs bescheiden und sympathisch.
Seine raumfüllenden Bewegungen, die für Salsa eigentlich
untypisch sind, wirken durch seine relaxte Ausführungsweise
authentisch und angenehm für die Frau. Mit seiner charmanten
Partnerin Nina, die ein Allround-Talent ist, zeigte er nicht
zu schwierige, aber effektvolle, erotische, verspielte
Kombinationen, die allerseits gut ankamen. Seine Didaktik
zeichnet sich aus durch klare Anweisungen und häufige
Wiederholungen, was einen bleibenden Lernerfolg garantiert.
Die folgende „Spinn Class“ von Jazzy war eine reine
Technikstunde, worin viele Übungen zur „idealen“ Drehung
vermittelt wurden. „Lieber EINE saubere Drehung, als drei
verwackelte“, so Jazzy zu Beginn des Unterrichts. Step by step
erklärte er den Ablauf eines Spinns und ließ uns an unserem
Wissen zweifeln. Gegen Ende der Stunde frischte er noch einen
Gedanken auf: „Rule #1: practise, rule #2: practise, rule #3:
practise“, was wir uns sehr zu Herzen nehmen werden!
Die 1 1/2-stündige Mittagspause nutzten die Kongressteilnehmer
natürlich zum Essen, aber auch zum Entspannen, denn
zahlreiche, große Ledercouchen in den Foyers luden dazu ein,
die Füße hochzulegen und ein kleines Nickerchen zu halten. Den
Ansturm auf das warme Buffet konnte das Restaurant kaum
bewältigen; gut für die, die sich eigenen Proviant mitgebracht
hatten.
Mit neuen Kräften ging es weiter zu unserer ersten Salsa
Cubana Stunde: Rueda de Casino mit Edie & Henry Herrera. Wie
das bei Rueda so ist, mussten wir auf Grund der
unterschiedlichen Kenntnisse und Kommandos leider mit den
Basics anfangen. Die eigentlich zu lernende Figur entpuppte
sich als eine Zusammenstellung von vielen, kleinen Sequenzen,
was die meisten Teilnehmer überforderte. Dies war nicht der
Unterricht, den wir uns von zwei solch ausgezeichneten Tänzern
erwartet hätten, nur die mitreißenden Timbas von „Los Van Van“
und „Manolito y su Trabuco“ trösteten uns darüber hinweg.
Als nächstes stand „Salsa Hip Hop“ mit Gensil & Heike auf dem
Plan, was zwar für alle Niveaus ausgeschrieben, aber gar nicht
so ohne war. Gegen Ende des ersten Kongresstages nahm die
Aufnahmefähigkeit merklich ab, so dass wir, zu unserem
Bedauern, schon nach dem gut durchstrukturierten
Aufwärmtraining von Heike und den ersten Schritten ein kleines
Päuschen einlegen mussten.
Für den letzten Samstags-Workshop trennten wir uns, um unser
Styling jeweils geschlechtsspezifisch aufzumöbeln. Luna zog’s
zu Edie, Carlos musst’ zu Dodi.
Carlos:
Das „Men Styling“ war die schöne Auffrischung einer Handvoll
Open Shines, welche sich jedoch hauptsächlich an die nicht so
erfahrenen Tänzer richtete.
Luna:
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Edie ließ uns zunächst auf dem Boden Platz nehmen, denn sie
startete die Stunde mit einem von zahlreichen Gesten und
witzigen Beispielen untermalten Vortrag. Die wichtigste
Botschaft dabei war: „Benehmt euch auf dem Parkett wie Ladys,
lächelt und seid immer bereit!“. Ein einziger Mann verirrte
sich zum Lady Styling, ihn benutzte Edie beim Praxisteil als
„Übungsobjekt“. Gezeigt hat sie uns, wie frau sich von der
Führung des Mannes „befreien“ kann, allerdings immer mit dem
Hinweis: „Die 5 gehört dem Leader“, Ich war begeistert von
Edie’s Unterricht und hatte einen Riesenspaß; ein krönender
Abschluss des ersten Tages.
Nun war Nahrungsaufnahme angesagt und bekanntlich soll man ja
nach dem Essen ruhen oder 1.000 Schritte tun. Vielleicht
unterschätzten wir diesen Kongress, denn von unserem kleinen
Nickerchen wachten wir erst gegen Mitternacht auf und
verpassten daher die Party am Samstag – unglaublich, aber
wahr…
Jedoch verschaffte uns die durchgeschlafene Nacht einen nicht
unerheblichen Vorteil gegenüber denen, die bis morgens auf den
Tanzbeinen waren. Frisch und munter starteten wir den Tag mit
„Lifts & Drops“ bei Alex und Flo. Ein gewissenhafter
Unterricht verhalf uns zu unserer ersten Fallfigur, die sich
zu Hause allerdings erst noch entwickeln muss.
Bereits nach der ersten Stunde süchtig geworden, pilgerten wir
erneut in den Saal „Orangerie“ zu Alex und Nina, LA-Style
Combinations. Mr. Smooth wartete mit einer weiteren
anspruchsvollen, aber gut tanzbaren Reihenfolge von Figuren
und Gimmicks auf.
„Lifts and Tricks“ mit Edie und Henry Herrera schreckten uns
nicht - obwohl Henry gleich zu Beginn der Stunde eine Warnung
aussprach: „Damit kannst du jemanden umbringen! Das ist nur
was für eingespielte Paare.“ Sie machten uns den Mund mit dem
berühmten „Espinoza-Rad“ wässrig, gelehrt wurden dann aber
drei andere Figuren; eine davon forderte „Stell-die-Dame-auf-den-Kopf“.
In dieser Stunde konnten die beiden ihr außergewöhnliches
Unterhaltungstalent zur Geltung bringen. Für uns stellt sich
allerdings die Frage, ob es nicht fast eine Verschwendung ist,
dass sich zwei solch erfahrene Teacher als Couple vermarkten,
da bei einem Tanzpaar immer einer zurückstecken muss. Nichts
desto Trotz sind die beiden eine tolle Kombination und eine
Bereicherung für jeden Salsa-Kongress.
Der Lunch-Break am Sonntag lief genauso ab wie am Samstag, nur
die Leute schienen ein bisschen müder zu sein. Das galt aber
wohl nicht für alle, denn einige Ausdauernde schenkten sich
die Pause und nahmen statt dessen an einem Afro-Workshop mit
der Yambu Dance Company aus Frankreich teil.
Danach gaben wir uns eine Stunde mit Ignacio Camblor, die sich
allerdings mehr als Guaguanco denn Salsa Cubana entpuppte. Die
auf hohem Niveau abgehaltene Session überforderte
augenscheinlich die meisten Teilnehmer und auch wir blieben
nicht bis zum Ende.
Jazzy erteilte anschließend eine Stunde Cha Cha Cha, die
ebenfalls ziemlich anspruchsvoll war, da auch Jazzy dem in
Cuba entstandenen Tanz seinen persönlichen Stempel aufdrückte.
Schnelle Drehungen wechselten sich mit temporeichen
Schrittvariationen ab; der sich steigernde Schwierigkeitsgrad
sorgte im Laufe des Unterrichts für eine Art von K.O.-System,
so dass nur die ausdauerndsten Tänzer bis zum Schluss
durchhielten.
Als letzten Workshop des Kongresses gönnten wir uns erneut
Alex da Silva und Nina Uszkureit. Ja, wir geben es zu, wir
sind echte Fans geworden… Diesmal enthielt die Figurenfolge
Elemente aus dem Tango - eine interessante Abwechslung,
wenngleich viele TänzerInnen große Probleme mit der hier
geforderten Schulterführung hatten.
Die Abschlussparty am Sonntag im Stadtcafé konnten wir nicht
besuchen, da uns unser Privatchauffeur, die ÖBB, fast
pünktlich um 20.47 Uhr abholte. Ehrlich gesagt, wir hätten sie
wohl auch nicht genießen können – unsere Kräfte waren
aufgezehrt.
Sowohl Tanzschuhe als auch Sneakers kamen zum Einsatz, Hose
und Rock wurden getragen, das Handy brauchten wir jedoch
nicht. Weder Salsa Cubana noch N.Y.-Style spielten ein
wichtige Rolle, aber die Veranstaltung bot uns erwartungsgemäß
eine ausgezeichnete Möglichkeit den L.A.-Style intensiver
kennen zu lernen.
Den 3. Salsa Congress Innsbruck kann man als ein Highlight der
Europäischen Salsaszene bezeichnen. Fast perfekt
durchorganisiert und in dafür sehr gut geeigneten Hallen traf
sich eine internationale Gruppe von geschätzten 600 Salseras/os
um gemeinsam ihrem Hobby zu frönen. Allerdings sorgten die
mehrmaligen (auch kurzfristigen) Programmänderungen – vor
allem im kubanischen Strang – bereits im Vorfeld für einige
Verwirrung und waren daher für manche sogar Anlass, zu Hause
zu bleiben. Die Advanced-Schiene glänzte mit hochkarätigen
Namen, dagegen besetzten die Veranstalter die anderen Levels
fast ausschließlich mit unbekannten Künstlern und
Lokalmatadoren, welche aber durchaus einen guten Job machten.
Man darf auf das Programm des nächsten Jahres gespannt sein.
Vielen Dank an die engagierten Instructors und die
Werbeagentur Muy Bien, die uns ein unvergessliches Wochenende
ermöglichten. Wir freuen uns jetzt schon auf 2007!
Luna & Carlos
Zu den
Fotos |