Bericht und Fotos vom Salsa Congress Innsbruck
 20 - 22 Januar  2006

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3. Salsa Congress Innsbruck
 20 - 22 Januar 2006

Bericht und Fotos von Carlos und Luna

 

 

Bericht:
3. Salsa Congress Innsbruck

Tanzschuhe oder Sneakers? Rock oder Hose? Nokia oder Siemens? Kaffee oder Tee? N.Y.-Style oder Salsa Cubana? Mit diesen Fragen im Gepäck machten wir uns auf, das Orakel in Innsbruck zu befragen. Viel hatten wir gehört von der Zuverlässigkeit der Vorhersagen und entsprechend groß war unsere Erwartungshaltung.

Am Freitag gegen 13.30 Uhr fuhren wir mit der DB/ÖBB nach Innsbruck. Ohne Stau und verschont vom saisonbedingten, freitäglichen Pilgerstrom Richtung Skipisten, kamen wir in der Tiroler Landeshauptstadt an. Zielsicher strebten wir unserer bescheidenen, aber für unsere Anforderungen äußerst zentral gelegenen, Herberge zu. Nach Abwurf der Ballast und kurzem Sightseeing machten wir uns auf die Suche nach dem Mekka der Salseras/os, sprich den Kongressräumen.

Des Abends fand die Eröffnungsparty in den barocken Raiffeisensälen statt, wo wir auch gleich unsere Armbändchen angelegt bekamen. Die Tanzaktivitäten waren schon voll im Gange und eine angenehme Atmosphäre entstand durch die ansprechende Mischung der Musik, spontane Tanzeinlagen der Instructors und die allgemeine ausgelassene Stimmung, welche nicht zuletzt aus dem Konsum alkoholhaltiger, sogar fremder, Getränke resultierte. Im Gegensatz zu den restlichen Lehrern, welche ihre Partner eher untereinander tauschen, konnte man „Edie, the Salsa Freak“ wieder mal mit vielen Tänzern beim Social Dancing beobachten. Ob groß, ob klein, ob dick oder dünn, Anfänger oder Profi, Edie lässt jeden Salsero gut aussehen. Auch bei den vermasseltsten Drehungen verliert sie nicht ihr Lächeln und bringt anschließend ihren Partner wieder auf den rechten Takt zurück. Ob sie aber immer Spaß dabei hatte… ? Die Linzer Fraktion hielt es wesentlich länger auf der Party, wir allerdings bevorzugten etwas früher an der Matratze zu horchen, da uns durchaus bewusst war, welche Anstrengungen in den nächsten zwei Tagen lauerten.

Den Samstag begannen wir pünktlich um 10.00 Uhr mit einem L.A.-Partnerworkshop bei Jazzy & Anita. Seine verständlichen, ausführlichen Erklärungen zeugten von seinem ergebnisorientierten Unterrichtsstil, bei dem allerdings der Spaßfaktor manchmal zu kurz kam. „Speedy Gonzales“ brachte seine Profilierungssucht zum Ausdruck, als er zum Abschluss der Stunde in einem unglaublichen Tempo die anspruchsvolle Kombination zeigte.

Nach der dringend benötigten 15-minütigen Pause stürzten wir uns in die nächste Stunde bei Alex da Silva & Nina Uszkureit, die einfach nur genial war! Die in der vorherigen Stunde nur spärlich zu hörenden Lacher waren hier bei „Mr. Smooth“ zahlreicher und deutlicher zu vernehmen. Alex besitzt einen unvergleichlichen L.A. -Style, den er durch eine 20-jährige Erfahrung perfektioniert hat, jedoch wirkt der brasilianische Gentleman trotz seines Erfolgs bescheiden und sympathisch. Seine raumfüllenden Bewegungen, die für Salsa eigentlich untypisch sind, wirken durch seine relaxte Ausführungsweise authentisch und angenehm für die Frau. Mit seiner charmanten Partnerin Nina, die ein Allround-Talent ist, zeigte er nicht zu schwierige, aber effektvolle, erotische, verspielte Kombinationen, die allerseits gut ankamen. Seine Didaktik zeichnet sich aus durch klare Anweisungen und häufige Wiederholungen, was einen bleibenden Lernerfolg garantiert.

Die folgende „Spinn Class“ von Jazzy war eine reine Technikstunde, worin viele Übungen zur „idealen“ Drehung vermittelt wurden. „Lieber EINE saubere Drehung, als drei verwackelte“, so Jazzy zu Beginn des Unterrichts. Step by step erklärte er den Ablauf eines Spinns und ließ uns an unserem Wissen zweifeln. Gegen Ende der Stunde frischte er noch einen Gedanken auf: „Rule #1: practise, rule #2: practise, rule #3: practise“, was wir uns sehr zu Herzen nehmen werden!

Die 1 1/2-stündige Mittagspause nutzten die Kongressteilnehmer natürlich zum Essen, aber auch zum Entspannen, denn zahlreiche, große Ledercouchen in den Foyers luden dazu ein, die Füße hochzulegen und ein kleines Nickerchen zu halten. Den Ansturm auf das warme Buffet konnte das Restaurant kaum bewältigen; gut für die, die sich eigenen Proviant mitgebracht hatten.

Mit neuen Kräften ging es weiter zu unserer ersten Salsa Cubana Stunde: Rueda de Casino mit Edie & Henry Herrera. Wie das bei Rueda so ist, mussten wir auf Grund der unterschiedlichen Kenntnisse und Kommandos leider mit den Basics anfangen. Die eigentlich zu lernende Figur entpuppte sich als eine Zusammenstellung von vielen, kleinen Sequenzen, was die meisten Teilnehmer überforderte. Dies war nicht der Unterricht, den wir uns von zwei solch ausgezeichneten Tänzern erwartet hätten, nur die mitreißenden Timbas von „Los Van Van“ und „Manolito y su Trabuco“ trösteten uns darüber hinweg.

Als nächstes stand „Salsa Hip Hop“ mit Gensil & Heike auf dem Plan, was zwar für alle Niveaus ausgeschrieben, aber gar nicht so ohne war. Gegen Ende des ersten Kongresstages nahm die Aufnahmefähigkeit merklich ab, so dass wir, zu unserem Bedauern, schon nach dem gut durchstrukturierten Aufwärmtraining von Heike und den ersten Schritten ein kleines Päuschen einlegen mussten.

Für den letzten Samstags-Workshop trennten wir uns, um unser Styling jeweils geschlechtsspezifisch aufzumöbeln. Luna zog’s zu Edie, Carlos musst’ zu Dodi.
Carlos:
Das „Men Styling“ war die schöne Auffrischung einer Handvoll Open Shines, welche sich jedoch hauptsächlich an die nicht so erfahrenen Tänzer richtete.
Luna:

 

 

 

 

Edie ließ uns zunächst auf dem Boden Platz nehmen, denn sie startete die Stunde mit einem von zahlreichen Gesten und witzigen Beispielen untermalten Vortrag. Die wichtigste Botschaft dabei war: „Benehmt euch auf dem Parkett wie Ladys, lächelt und seid immer bereit!“. Ein einziger Mann verirrte sich zum Lady Styling, ihn benutzte Edie beim Praxisteil als „Übungsobjekt“. Gezeigt hat sie uns, wie frau sich von der Führung des Mannes „befreien“ kann, allerdings immer mit dem Hinweis: „Die 5 gehört dem Leader“, Ich war begeistert von Edie’s Unterricht und hatte einen Riesenspaß; ein krönender Abschluss des ersten Tages.

Nun war Nahrungsaufnahme angesagt und bekanntlich soll man ja nach dem Essen ruhen oder 1.000 Schritte tun. Vielleicht unterschätzten wir diesen Kongress, denn von unserem kleinen Nickerchen wachten wir erst gegen Mitternacht auf und verpassten daher die Party am Samstag – unglaublich, aber wahr…
 

Jedoch verschaffte uns die durchgeschlafene Nacht einen nicht unerheblichen Vorteil gegenüber denen, die bis morgens auf den Tanzbeinen waren. Frisch und munter starteten wir den Tag mit „Lifts & Drops“ bei Alex und Flo. Ein gewissenhafter Unterricht verhalf uns zu unserer ersten Fallfigur, die sich zu Hause allerdings erst noch entwickeln muss.

Bereits nach der ersten Stunde süchtig geworden, pilgerten wir erneut in den Saal „Orangerie“ zu Alex und Nina, LA-Style Combinations. Mr. Smooth wartete mit einer weiteren anspruchsvollen, aber gut tanzbaren Reihenfolge von Figuren und Gimmicks auf.

„Lifts and Tricks“ mit Edie und Henry Herrera schreckten uns nicht - obwohl Henry gleich zu Beginn der Stunde eine Warnung aussprach: „Damit kannst du jemanden umbringen! Das ist nur was für eingespielte Paare.“ Sie machten uns den Mund mit dem berühmten „Espinoza-Rad“ wässrig, gelehrt wurden dann aber drei andere Figuren; eine davon forderte „Stell-die-Dame-auf-den-Kopf“.
In dieser Stunde konnten die beiden ihr außergewöhnliches Unterhaltungstalent zur Geltung bringen. Für uns stellt sich allerdings die Frage, ob es nicht fast eine Verschwendung ist, dass sich zwei solch erfahrene Teacher als Couple vermarkten, da bei einem Tanzpaar immer einer zurückstecken muss. Nichts desto Trotz sind die beiden eine tolle Kombination und eine Bereicherung für jeden Salsa-Kongress.

Der Lunch-Break am Sonntag lief genauso ab wie am Samstag, nur die Leute schienen ein bisschen müder zu sein. Das galt aber wohl nicht für alle, denn einige Ausdauernde schenkten sich die Pause und nahmen statt dessen an einem Afro-Workshop mit der Yambu Dance Company aus Frankreich teil.

Danach gaben wir uns eine Stunde mit Ignacio Camblor, die sich allerdings mehr als Guaguanco denn Salsa Cubana entpuppte. Die auf hohem Niveau abgehaltene Session überforderte augenscheinlich die meisten Teilnehmer und auch wir blieben nicht bis zum Ende.

Jazzy erteilte anschließend eine Stunde Cha Cha Cha, die ebenfalls ziemlich anspruchsvoll war, da auch Jazzy dem in Cuba entstandenen Tanz seinen persönlichen Stempel aufdrückte. Schnelle Drehungen wechselten sich mit temporeichen Schrittvariationen ab; der sich steigernde Schwierigkeitsgrad sorgte im Laufe des Unterrichts für eine Art von K.O.-System, so dass nur die ausdauerndsten Tänzer bis zum Schluss durchhielten.

Als letzten Workshop des Kongresses gönnten wir uns erneut Alex da Silva und Nina Uszkureit. Ja, wir geben es zu, wir sind echte Fans geworden… Diesmal enthielt die Figurenfolge Elemente aus dem Tango - eine interessante Abwechslung, wenngleich viele TänzerInnen große Probleme mit der hier geforderten Schulterführung hatten.

Die Abschlussparty am Sonntag im Stadtcafé konnten wir nicht besuchen, da uns unser Privatchauffeur, die ÖBB, fast pünktlich um 20.47 Uhr abholte. Ehrlich gesagt, wir hätten sie wohl auch nicht genießen können – unsere Kräfte waren aufgezehrt.

Sowohl Tanzschuhe als auch Sneakers kamen zum Einsatz, Hose und Rock wurden getragen, das Handy brauchten wir jedoch nicht. Weder Salsa Cubana noch N.Y.-Style spielten ein wichtige Rolle, aber die Veranstaltung bot uns erwartungsgemäß eine ausgezeichnete Möglichkeit den L.A.-Style intensiver kennen zu lernen.

Den 3. Salsa Congress Innsbruck kann man als ein Highlight der Europäischen Salsaszene bezeichnen. Fast perfekt durchorganisiert und in dafür sehr gut geeigneten Hallen traf sich eine internationale Gruppe von geschätzten 600 Salseras/os um gemeinsam ihrem Hobby zu frönen. Allerdings sorgten die mehrmaligen (auch kurzfristigen) Programmänderungen – vor allem im kubanischen Strang – bereits im Vorfeld für einige Verwirrung und waren daher für manche sogar Anlass, zu Hause zu bleiben. Die Advanced-Schiene glänzte mit hochkarätigen Namen, dagegen besetzten die Veranstalter die anderen Levels fast ausschließlich mit unbekannten Künstlern und Lokalmatadoren, welche aber durchaus einen guten Job machten. Man darf auf das Programm des nächsten Jahres gespannt sein.

Vielen Dank an die engagierten Instructors und die Werbeagentur Muy Bien, die uns ein unvergessliches Wochenende ermöglichten. Wir freuen uns jetzt schon auf 2007!


Luna & Carlos
 

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