|
Bericht Spanish Harlem Orchestra in
der Muffathalle am 31.10.05
Oft wird Salsamusik nur als Aufhänger im
Hintergrund gesehen, der dazu dient, Gelerntes aus dem
Tanzunterricht anderen oder sich selbst vorzuführen. Dass man
es schlicht beim Hinschauen und Hinhören belassen kann, wurde
an diesem Abend beispielhaft und sehr treffend demonstriert.
Im Rahmen ihrer gegenwärtigen Mammuttournee fand sich das
Spanish Harlem Orchestra in der leider nur mäßig gefüllten
Muffathalle erstmals in München ein. Diese Combo besteht aus
dem Feinsten, was die New Yorker Salsaszene an Musikern
zurzeit zu bieten hat. Nicht immer gelingt es einer Gruppe,
den vorauseilenden Vorschußlorbeeren gerecht zu werden. Oft
scheitert es daran, dass sich Individualisten nicht in eine
Richtung einreihen lassen wollen. Nicht so an diesem Abend:
Unauffällig gelang es dem musikalischen Direktor Oscar
Hernandez die Zügel zu halten und dabei nicht einzuengen.
|
Ohne Allüren und ohne an ihren Qualitäten
zu sparen, reihten sich die Einzelkönner in den Gruppensound
ein. Auf schöne Solis zur rechten Zeit musste man dabei nicht
verzichten. Da fühlten sich selbst notorische Dauertänzer zu
angemessener Aufmerksamkeit genötigt. Trotzdem musste nicht
darben, wer hauptsächlich zum Tanzen gekommen war. Vor und
nach dem Auftritt, sowie in der Pause zwischen den beiden
Sets, legte Chuck Hermann, heiße Rhythmen auf. Es mag was
heißen, wenn ein Routinier wie er, während der Vorstellung vor
lauter Swingen nicht mehr still stehen kann. So mag man
hoffen, dass dieses Konzert den einen oder anderen doch zu
feinerem Hören veranlasst. Schön wäre es zudem, wenn uns diese
Ausnahmemusiker noch eine Zeitlang erhalten blieben und wieder
mal den Weg hierher fänden.
Stephan
(alias
el
misionario)
|