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Ein Reisebericht zur Salsa-Szene in Madrid, von Luna und
Carlos.
Hauptanlass für unsere Reise war die Sonnenfinsternis am
03.10.2005, auf deren Zentrallinie Madrid lag, jedoch fanden
wir in unseren Recherchen heraus, dass die Hauptstadt Spaniens
mit knapp 3 Mio. Einwohner auch ein riesiges kulturelles
Angebot zu bieten hat. Eine der Hauptattraktionen ist
sicherlich das Museo del Prado: Dort kann man eine der größten
Gemäldesammlungen der Welt bewundern. Eine Reise wert ist die
Sammlung spanischer Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts, dies
ist nämlich die Zeit der unvergleichlichen Maler Velázquez und
Goya, deren Werke umfassend in einem eigenen Trakt ausgestellt
sind. Natürlich haben wir es uns aber auch nicht nehmen
lassen, das madrilenische Nachtleben ausgiebig zu erkunden,
welches im Grunde bis in die frühen Morgenstunden andauert.
Unser Hotel (Victoria 4) lag sehr zentral zur Plaza Puerta del
Sol, d.h. mitten in Huertas, dem Vergnügungsviertel in Madrid.
Und siehe da, welch ein Zufall, gleich nebenan war das „El Son“,
DER Salsa-Club für cubanische Salsa in der Stadt. Also
beschlossen wir, unseren ersten Abend gleich dort zu
verbringen. Dass uns allerdings um 22.30 Uhr gähnende Leere
erwartete, hätten wir nicht gedacht. Nach und nach tröpfelten
die Leute dann doch noch ein. Unter den ganzen SpanierInnen,
einigen SüdamerikanerInnen und ein paar CubanerInnen fanden
sich aber kaum herausragende Tänzer - unterwegs waren zwar
einige, die den Eindruck erweckten, als ob sie eine Tanzschule
besucht hätten, da sie hin-und-wieder bestimmte Abfolgen von
Figuren runterspulten, jedoch waren die meisten Leute eher
Salsa-Anfänger: Basic-Schritt im heimatlichen Flamenco-Stil
mit den dazugehörigen, leichten Figuren. Dadurch entstand, zum
Vorteil des Lokals, eine lockere Partystimmung, welche man in
Münchner Clubs heutzutage leider fast gar nicht mehr antrifft.
Der DJ trug sicher auch noch seinen Teil zu der angenehmen
Atmosphäre bei, da er eine gute Mischung aus
Salsa-Clasica-Hits und unbekannten Salsa-Cubana-Liedern
auflegte. Bis Mitternacht füllte sich das Lokal zusehends und
in uns stiegen heimatliche Gefühle hoch: ca. vier Salsas, drei
Merengues, drei Bachatas, Salsa – MaxE lässt grüßen! (Nur mit
dem kleinen Unterschied, dass wir uns wie in einem Kühlschrank
vorkamen, weil die Lüftung so blies, und die Ecke suchten, an
der uns der eiskalte Wind nicht allzusehr erwischte.) Zu spät
durfte es bei uns aber nicht werden, wir mussten früh raus, um
Madrid zu erkunden. Bevor wir gingen, wollten wir allerdings
noch Salsateca-Alternativen für den Samstag Abend erkunden und
so nahmen wir Kontakt zu einem Madrilenen auf. Dessen Tipp:
Das Randall in der Ferraz 38, welches der derzeit angesagteste
Salsa-Club in Madrid sei.
Am Samstag machten wir uns, nun schon etwas akklimatisiert
hinsichtlich des nach hinten verschobenen Lebensrhythmus der
Spanier, ein wenig später auf den Weg: Diesmal war es halb
zwölf, als wir vor dem Randall (nähe Plaza de la Espana)
eintrafen. Die 3 (drei!) Türsteher schüchterten uns irgendwie
ein und ein kurzer Blick ins Lokal zeigte uns, dass (wieder
mal) gähnende Leere herrschte. Wir bekamen die Auskunft, dass
am Samstag niemand vor Mitternacht tanzen gehe und auf Carlos
wirkt das Ganze nicht besonders einladend, so dass wir ein
paar Schritte ins Tropical House in der Martín de los Heros 14
weiterzogen. Anderer Ort, dasselbe Bild: Mehrere Türsteher
musterten uns, als wir uns näherten, bis ins Lokal konnten wir
nicht sehen. Aber Luna hatte keine Lust weiter durch die Stadt
zu laufen, und so entschlossen wir uns zu bleiben – trotz der
12 Euro Eintritt (1 Getränk inbegriffen).
Drinnen erwartete uns eine große Tanzfläche, ein paar Tischchen mit
Sitzecken, zwei große Bars und jede Menge freier Platz. Wir
wurden von einem der unzähligen Ober zu einer Couch gebracht
und akklimatisierten uns ein wenig weiter.
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Dann beschlossen wir den Boden zu
testen, allzu lange blieben wir aber nicht alleine auf der
Tanzfläche, denn fast zeitgleich gesellten sich zwei, drei
Paare zu uns. Ab Mitternacht füllte sich das Lokal innerhalb
kürzester Zeit. Bis 2 Uhr wurde ausschließlich Salsa vom
Feinsten gespielt (fast nur Hits, neu und alt), dann hörten
wir den ersten Merengue (auf den eine Bachata folgte). Obwohl
wir schweißgebadet waren (insgeheim wünschten wir uns ein
bisschen von der Kühle des El Son) konnten wir nicht sitzen
bleiben und stürzten uns weiter ins Getümmel. Zu später Stunde
drehten wir noch eine Runde im Lokal, guckten uns die Leute an
(hier sind auch noch 60-jährige Omis um 3.00 Uhr morgens
unterwegs) und identifizierten die Latino-Ecke. Luna kam es
ein bisschen vor, wie auf einer Kongressparty: Überall standen
Leute rum und mittendrin konnte man immer wieder ein paar
Cracks beim Tanzen bewundern – geniale Tänzer gab es da!
Allerdings konnten wir auch feststellen, dass nicht allen
Latinos der Takt im Blut liegt... Gegen 4.00 Uhr machten wir
uns zu Fuß auf den Heimweg, der etwa 20 Minuten dauerte. Ein
kalter Wind kam von den Bergen herunter und wehte uns durch
die Fußgängerzone zurück nach Huertas.
Am Sonntag entschieden wir uns, nicht tanzen zu gehen, denn am
Montag mussten wir früh aufstehen, uns erwartete eine
ringförmige Sonnenfinsternis (im Gegensatz zu der 1999 in
Deutschland zu sehenden totalen Sonnenfinsternis, wird es bei
einer ringförmigen Sonnenfinsternis nicht dunkel, denn etwa 9%
der Sonne werden vom Mond nicht verdeckt). Trotz einiger
Hindernisse gelang es uns, auf dem Templo de Debod einen
schönen Platz zu finden, wo wir uns niederlassen konnten, um
dem Naturschauspiel zu folgen. Wer mehr über die
Sonnenfinsternis wissen will, kann hier nachlesen: http://eclipse.astronomie.info.
Den Nachmittag verbrachten wir mit Sightseeing und landeten
schließlich auf dem Platz vor dem Centro del Arte Reina Sofia,
einem auch von außen sehenswerten Gebäude. Wir setzen uns ein
wenig in die Sonne und ruhten uns aus, als das passierte, was
Luna die Reise nach Madrid dann doch ein wenig verdarb. Nur
einen Moment ließ sie ihre Handtasche aus den Augen und ...
weg war sie. Selber schuld, mögt ihr euch nun denken (Luna
übrigens auch), gemein ist es trotzdem. Nachdem wir einige
Zeit bei der Polizei verbracht hatten, liefen wir in
gedrückter Stimmung zurück zum Hotel.
Am Abend gingen wir trotzdem nochmal ins El Son. Luna war mit
Kontaktlinsen unterwegs, die nicht ihre Stärke hatten und die,
weil sie sie nicht gewohnt war, in den Augen kratzten. Die
armen Männer, denen sie ständig zublinzelte, was die wohl
gedacht haben... Es sollte Livemusik geben, allerdings erst um
1.00 Uhr. Carlos schwatzte dem Türsteher zwei Freikarten ab
und so sparten wir 16 Euro. Es war wieder ziemlich leer und
wurde auch am späteren Abend nicht wirklich voll. - Schau an,
die tanzen doch tatsächlich Rueda! Wir sahen eine Weile zu und
fragten dann nach, ob wir mitmachen durften. Es klappte ganz
gut, auch wenn sich die Kommandos doch ein wenig sehr
unterschieden. Bis zur Liveband hielten wir es leider nicht
aus, mittlerweile war es fast 2.00 Uhr – die Kontaktlinsen
mussten raus!
Am Dienstag verschliefen wir das Frühstück, was nicht wirklich
schlimm war. Den Kaffee und das Croissant konnten wir uns auch
woanders holen. Wir schlenderten noch ein wenig durch die
Stadt und besuchten den wunderschönen, verwinkelten Parque de
Buen Retiro, bevor wir uns auf den Weg zum Flughafen machten.
Das waren vier Tage Madrid – ay, que lindo!
Luna und Carlos
(Bericht und Fotos)
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