Reisebericht und Fotos zur Salsa-Szene
in Madrid vom 30.09 - 04.10.05

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"Von Madrid zum Himmel ..."... so pflegen die Bewohner Madrids zu sagen.

Ein Reisebericht zur Salsa-Szene in Madrid von Carlos und Luna

30. September - 4. Oktober 2004

 

Ein Reisebericht zur Salsa-Szene in Madrid, von Luna und Carlos.



Hauptanlass für unsere Reise war die Sonnenfinsternis am 03.10.2005, auf deren Zentrallinie Madrid lag, jedoch fanden wir in unseren Recherchen heraus, dass die Hauptstadt Spaniens mit knapp 3 Mio. Einwohner auch ein riesiges kulturelles Angebot zu bieten hat. Eine der Hauptattraktionen ist sicherlich das Museo del Prado: Dort kann man eine der größten Gemäldesammlungen der Welt bewundern. Eine Reise wert ist die Sammlung spanischer Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts, dies ist nämlich die Zeit der unvergleichlichen Maler Velázquez und Goya, deren Werke umfassend in einem eigenen Trakt ausgestellt sind. Natürlich haben wir es uns aber auch nicht nehmen lassen, das madrilenische Nachtleben ausgiebig zu erkunden, welches im Grunde bis in die frühen Morgenstunden andauert.

Unser Hotel (Victoria 4) lag sehr zentral zur Plaza Puerta del Sol, d.h. mitten in Huertas, dem Vergnügungsviertel in Madrid. Und siehe da, welch ein Zufall, gleich nebenan war das „El Son“, DER Salsa-Club für cubanische Salsa in der Stadt. Also beschlossen wir, unseren ersten Abend gleich dort zu verbringen. Dass uns allerdings um 22.30 Uhr gähnende Leere erwartete, hätten wir nicht gedacht. Nach und nach tröpfelten die Leute dann doch noch ein. Unter den ganzen SpanierInnen, einigen SüdamerikanerInnen und ein paar CubanerInnen fanden sich aber kaum herausragende Tänzer - unterwegs waren zwar einige, die den Eindruck erweckten, als ob sie eine Tanzschule besucht hätten, da sie hin-und-wieder bestimmte Abfolgen von Figuren runterspulten, jedoch waren die meisten Leute eher Salsa-Anfänger: Basic-Schritt im heimatlichen Flamenco-Stil mit den dazugehörigen, leichten Figuren. Dadurch entstand, zum Vorteil des Lokals, eine lockere Partystimmung, welche man in Münchner Clubs heutzutage leider fast gar nicht mehr antrifft. Der DJ trug sicher auch noch seinen Teil zu der angenehmen Atmosphäre bei, da er eine gute Mischung aus Salsa-Clasica-Hits und unbekannten Salsa-Cubana-Liedern auflegte. Bis Mitternacht füllte sich das Lokal zusehends und in uns stiegen heimatliche Gefühle hoch: ca. vier Salsas, drei Merengues, drei Bachatas, Salsa – MaxE lässt grüßen! (Nur mit dem kleinen Unterschied, dass wir uns wie in einem Kühlschrank vorkamen, weil die Lüftung so blies, und die Ecke suchten, an der uns der eiskalte Wind nicht allzusehr erwischte.) Zu spät durfte es bei uns aber nicht werden, wir mussten früh raus, um Madrid zu erkunden. Bevor wir gingen, wollten wir allerdings noch Salsateca-Alternativen für den Samstag Abend erkunden und so nahmen wir Kontakt zu einem Madrilenen auf. Dessen Tipp: Das Randall in der Ferraz 38, welches der derzeit angesagteste Salsa-Club in Madrid sei.

Am Samstag machten wir uns, nun schon etwas akklimatisiert hinsichtlich des nach hinten verschobenen Lebensrhythmus der Spanier, ein wenig später auf den Weg: Diesmal war es halb zwölf, als wir vor dem Randall (nähe Plaza de la Espana) eintrafen. Die 3 (drei!) Türsteher schüchterten uns irgendwie ein und ein kurzer Blick ins Lokal zeigte uns, dass (wieder mal) gähnende Leere herrschte. Wir bekamen die Auskunft, dass am Samstag niemand vor Mitternacht tanzen gehe und auf Carlos wirkt das Ganze nicht besonders einladend, so dass wir ein paar Schritte ins Tropical House in der Martín de los Heros 14 weiterzogen. Anderer Ort, dasselbe Bild: Mehrere Türsteher musterten uns, als wir uns näherten, bis ins Lokal konnten wir nicht sehen. Aber Luna hatte keine Lust weiter durch die Stadt zu laufen, und so entschlossen wir uns zu bleiben – trotz der 12 Euro Eintritt (1 Getränk inbegriffen).
 Drinnen erwartete uns eine große Tanzfläche, ein paar Tischchen mit Sitzecken, zwei große Bars und jede Menge freier Platz. Wir wurden von einem der unzähligen Ober zu einer Couch gebracht und akklimatisierten uns ein wenig weiter.

 

 

 

 Dann beschlossen wir den Boden zu testen, allzu lange blieben wir aber nicht alleine auf der Tanzfläche, denn fast zeitgleich gesellten sich zwei, drei Paare zu uns. Ab Mitternacht füllte sich das Lokal innerhalb kürzester Zeit. Bis 2 Uhr wurde ausschließlich Salsa vom Feinsten gespielt (fast nur Hits, neu und alt), dann hörten wir den ersten Merengue (auf den eine Bachata folgte). Obwohl wir schweißgebadet waren (insgeheim wünschten wir uns ein bisschen von der Kühle des El Son) konnten wir nicht sitzen bleiben und stürzten uns weiter ins Getümmel. Zu später Stunde drehten wir noch eine Runde im Lokal, guckten uns die Leute an (hier sind auch noch 60-jährige Omis um 3.00 Uhr morgens unterwegs) und identifizierten die Latino-Ecke. Luna kam es ein bisschen vor, wie auf einer Kongressparty: Überall standen Leute rum und mittendrin konnte man immer wieder ein paar Cracks beim Tanzen bewundern – geniale Tänzer gab es da! Allerdings konnten wir auch feststellen, dass nicht allen Latinos der Takt im Blut liegt... Gegen 4.00 Uhr machten wir uns zu Fuß auf den Heimweg, der etwa 20 Minuten dauerte. Ein kalter Wind kam von den Bergen herunter und wehte uns durch die Fußgängerzone zurück nach Huertas.

Am Sonntag entschieden wir uns, nicht tanzen zu gehen, denn am Montag mussten wir früh aufstehen, uns erwartete eine ringförmige Sonnenfinsternis (im Gegensatz zu der 1999 in Deutschland zu sehenden totalen Sonnenfinsternis, wird es bei einer ringförmigen Sonnenfinsternis nicht dunkel, denn etwa 9% der Sonne werden vom Mond nicht verdeckt). Trotz einiger Hindernisse gelang es uns, auf dem Templo de Debod einen schönen Platz zu finden, wo wir uns niederlassen konnten, um dem Naturschauspiel zu folgen. Wer mehr über die Sonnenfinsternis wissen will, kann hier nachlesen: http://eclipse.astronomie.info.

Den Nachmittag verbrachten wir mit Sightseeing und landeten schließlich auf dem Platz vor dem Centro del Arte Reina Sofia, einem auch von außen sehenswerten Gebäude. Wir setzen uns ein wenig in die Sonne und ruhten uns aus, als das passierte, was Luna die Reise nach Madrid dann doch ein wenig verdarb. Nur einen Moment ließ sie ihre Handtasche aus den Augen und ... weg war sie. Selber schuld, mögt ihr euch nun denken (Luna übrigens auch), gemein ist es trotzdem. Nachdem wir einige Zeit bei der Polizei verbracht hatten, liefen wir in gedrückter Stimmung zurück zum Hotel.

Am Abend gingen wir trotzdem nochmal ins El Son. Luna war mit Kontaktlinsen unterwegs, die nicht ihre Stärke hatten und die, weil sie sie nicht gewohnt war, in den Augen kratzten. Die armen Männer, denen sie ständig zublinzelte, was die wohl gedacht haben... Es sollte Livemusik geben, allerdings erst um 1.00 Uhr. Carlos schwatzte dem Türsteher zwei Freikarten ab und so sparten wir 16 Euro. Es war wieder ziemlich leer und wurde auch am späteren Abend nicht wirklich voll. - Schau an, die tanzen doch tatsächlich Rueda! Wir sahen eine Weile zu und fragten dann nach, ob wir mitmachen durften. Es klappte ganz gut, auch wenn sich die Kommandos doch ein wenig sehr unterschieden. Bis zur Liveband hielten wir es leider nicht aus, mittlerweile war es fast 2.00 Uhr – die Kontaktlinsen mussten raus!

Am Dienstag verschliefen wir das Frühstück, was nicht wirklich schlimm war. Den Kaffee und das Croissant konnten wir uns auch woanders holen. Wir schlenderten noch ein wenig durch die Stadt und besuchten den wunderschönen, verwinkelten Parque de Buen Retiro, bevor wir uns auf den Weg zum Flughafen machten. Das waren vier Tage Madrid – ay, que lindo!

 

Luna und Carlos
(Bericht und Fotos)

 

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