Bericht Lady Salsa Premiere im Gasteig am 28.06.05
Eigentlich ist es ja erstaunlich, dass man sich nun sogar dem
Genre des Klassenfeindes bedient um die Botschaft des besseren
Systems hinauszutragen und gleichzeitig die Werbetrommel für
den Tourismus weiter zu drehen. Wer hätte gedacht, dass uns
die Mannigfaltigkeit akustischer wie optischer kubanischer
Reize in Form eines Musicals nahe gebracht würde? Oder war ein
solches Produkt in Zeiten, in denen wir uns bereits mit zwei
Versionen von Ludwig II. beschäftigen dürfen, längst
überfällig?
Nachdem die Truppe von Lady Salsa schon mehrere Monate um die
Welt gezogen war, machte sie nun auch bei uns Station für
immerhin sechs Tage. Die im erfahrenen Alter sich bewegende
Lady Salsa sollte uns, beginnend in den 50er Jahren, an die
Hand nehmen und in einem Streifzug durch die wunderbare Welt
kubanischer Musik bis ins Heute führen. Als unterprivilegierte
schwarze Kellnerin zu Zeiten des Batistaregimes schafft sie
durch die Weihen der Revolution den Sprung auf die
Schauspielschule und gelangt damit zu Ruhm. Eine Art
Tellerwäscherstory auf kubanisch, wenn man so möchte. Ob
gewollt oder nicht, irgendwie musste der schottische Autor
Toby Gough einen Schlenker machen, um die offiziellen Weihen
der kubanischen Regierung zu bekommen. So wurde der Aufhänger,
an dem sich die Vorstellung entlang hangelte, auf
leichtverdaulich getrimmt. Folglich war der Faden dünn, an dem
sich die Show entlang zog. Mag man eine solche Story noch
verzeihen, so wurden Erwartungen an eine ernsthaftere
Auseinandersetzung mit Stilen und Nuancen der Musik zugunsten
eines Potpourris leider ebenso enttäuscht. Da wurden
Versatzstücke unterschiedlicher Epochen und Stilrichtungen oft
unstrukturiert aneinandergesetzt. |
Ihr Vergnügen hatten sicher die Gäste, die sich erstmalig von
kubanischer Bewegungs- und Spielfreude inspirieren lassen
wollten und solche, die sich mit einer gut ausgebildeten, mit
entsprechendem Körperbau und bunten Kostümen ausgestatteten
Tanzgruppe zufrieden gaben. Ein Spektakel war es allemal.
So blieb am Ende das unspezifizierte Gefühl, dass hier mehr
drin gewesen wäre. Das hätte aber einer größeren Sorgfalt in
der Umsetzung von Musik zu Musical bedurft. Den schnellen und
leichten Erfolg im Blickfeld, ging man den einfacheren Weg. So
bleibt nur die Hoffnung, dass vielleicht einige der
Erstbesucher, die Mühe nicht scheuen, selbst den
reichhaltigen, wenn auch zu Anfang vielleicht etwas mühsamen
Pfad zu beschreiten. Die Meisterung dieser Aufgabe könnte sich
auch darin zeigen, dass sie zunächst in einer Tanzschule
landen, die den Stil des großen, nördlich gelegenen Nachbarn
unterrichtet.
Stephan
(alias
el
misionario)
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