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Bericht Manolito y su Trabuco am
29. April 2005 im
Palacio2
Es ist ja durchaus nicht ungewöhnlich, dass der Mensch im Zuge
seines Daseins immer wieder mit seinen Fähigkeiten, Begabungen
und seinem Können konfrontiert wird. Dabei lernt er oft diese
zu erweitern, stößt aber auch häufig an seine Grenzen. Das
äußert sich in vielerlei Hinsicht. Meist handelt es sich um
eigene Erfahrungen. Unangenehmer sind oft Rückmeldungen von
Dritten. Gemein ist ihnen jedoch, dass sie nicht immer richtig
erkannt und so zum eigenen Nutzen umgesetzt werden. Schon als
Kind kommt man frühzeitig in Berührung mit Sprüchen, die zum
Beispiel lauten: „Schuster bleib bei deinen Leisten.“ Im
Berufsleben erfährt man dann in Fortbildungsveranstaltungen
unterschiedlichen Couleurs von seinen Stärken und Schwächen.
Während man an der Verbesserung letzterer mit wechselndem
Erfolg arbeiten kann, erweist es sich letztlich oft als Erfolg
versprechender bei ersteren zu bleiben. Die Konzentration nur
auf seine Stärken ist aber gar nichts Negatives und kann
genauso zum Erfolg führen. Was hat das nun mit dem Auftritt
von Manolito y su Trabuco im Palacio2 zu tun? Nun, solche
Gedanken waren durchaus nicht abwegig bei der Betrachtung des
Geschehens, das sich an diesem Abend bot. Man sollte nicht
verhehlen, dass eine gewisse Mischung aus gespannter Erwartung
und nicht zu verleugnender leichter Skepsis beim Schreiber
vorhanden war, als er sich auf den Weg ins Münchner „Latinmekka“
machte. Hatten doch die Macher des Palacio, die doch zumindest
bisher mit der kubanischen Variante der Vielfalt rhythmischer
Latinoklänge wenig am Hut hatten, einen Coup gelandet und für
Diskussionen in der hiesigen Salsaszene gesorgt. Schließlich
gehören Manolito Simonet und seine Mannen mit ihrer
Kreativität zu den Topcombos der Zuckerinsel. Dagegen ist das
Palacio nicht gerade als Tempel akustischen Hörgenusses
bekannt.
So war der Raum zwar gut gefüllt, aber nicht überfüllt, was
man vielleicht hätte erwarten dürfen angesichts der Prominenz
des angesagten Besuches. Das übliche Freitagspublikum war
spärlich vertreten, manches bekannte Gesicht fand sich
überhaupt nicht ein. Dafür hatte sich ein Reisebus unserer
unmittelbaren Nachbarn aus der Alpenregion auf den Weg
gemacht. Auch sonst schien der eine oder andere einen weiten
Weg auf sich genommen zu haben. So war mein Gesprächspartner
in der Schlange zum kubanischen Buffett extra aus Spanien
angereist. Am Essen gab es übrigens nichts auszusetzen. Es war
ziemlich authentisch und hielt gutem kubanischem Standard
statt. Leider lässt sich das vom Rest des Abends nicht so
einfach sagen. So war abzusehen, dass PA Boxen, die kaum höher
als mannshoch auf der Bühne standen, wenig Klang in den Saal
transportieren konnten. Das erinnerte doch stark an
Kellerparties zu Teenagerzeiten, als man im Freundeskreis
versuchte, eine brauchbare Anlage zusammenzubasteln. Zudem war
eine geraume Zeit aus dem, vom Publikum aus gesehen, rechten
Türmchen gar nichts zu hören. Der Mixer stand ja auch links
und schien so gebannt mit dem Geschehen auf der Bühne befasst
zu sein, dass er ohne verbalen Rempler von außen gar nichts
merken konnte. Manolito und seinen 15 Mannen konnte man nichts
anlasten. Sie mühten sich mit kräftigem Einsatz für gut
eineinhalb Stunden durch ihr Repertoire, als sie kurz vor
Mitternacht vorsichtig auf die Bühne traten. Schließlich hatte
man nicht nur mit Klangwidrigkeiten zu tun, man musste auch
aufpassen, sich auf der Bühne nicht gegenseitig auf die Füße
zu steigen.
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Für einen wirklich authentischen Kubaabend hatte man für die
Zeiten vor und nach dem Auftritt der Band Claudio Pacheco für
die Arbeit an den CD Spielern engagiert. Als DJ im Palacio ist
er eher eine Ausnahmeerscheinung. Normalerweise agiert dort ja
das allbekannte Hausquartett. Ausgerechnet an diesem Abend
schienen ihm jedoch die Tücken der Technik einen gehörigen
Streich zu spielen. Da aber nur wenige seiner Stammgäste aus
dem Buena Vista im Publikum waren, hatte er einen nicht ganz
leichten, nicht beneidenswerten Stand.
So mögen manche, die in Gruppen gekommen waren, einen ganz
vergnüglichen Abend gehabt haben. Letztlich blieb aber das
Gefühl, dass hier versucht wurde, mit wenig Aufwand einen
großen Wurf zu landen. Nachdem München ja erst kürzlich, mit
recht achtbarem Erfolg, den ersten rein kubanischen
Salsakongress erleben durfte, entstand beim Palacioteam
vielleicht der Eindruck, der kubanische Salsazug würde ohne
sie abfahren. So was geht aber meistens schief. Wer für einen
für Livekonzerte ungeeigneten Raum Bands engagiert, sollte
sich halt um eine angemessene Anlage kümmern. Was bei einer
Hauscombo vielleicht noch durchgeht, verzeiht man nicht so
leicht bei einer Spitzengruppe. Da sind die Erwartungen
einfach höher. Sonst wäre es für alle Beteiligten zufrieden
stellender, bei den bekannten Parties mit Musik aus der
Konserve zu bleiben. So kennen wir schließlich das Palacio2
und wären wieder bei den Stärken. Wir bleiben neugierig. Für
Ende Juni wurde übrigens am selben Abend Isaac Delgado
angekündigt.
Stephan
(alias
el
misionario)
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