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Bericht vom Aventura Konzert in
der Elserhalle München
am Donnerstag den 17.03.05
Eigentlich schon erstaunlich, dass sie sich noch mal trauten
hier aufzutreten, nach den doch erheblichen Irritationen, die
sie letztes Jahr hinterlassen hatten. Da waren seinerzeit eine
Menge Fans von teilweise weit her angereist, um die neuen „Bachatashootingstars“
zu sehen. Nach einer äußersten Strapazierung ihrer Geduld und
mit ein paar wenigen Liedern als Erinnerung mussten sie wieder
die Heimreise antreten.
Ein anderer Veranstalter, dem dafür Respekt gebührt, wollte es
noch mal probieren. Dafür zog man vom Musikpalast in die doch
etwas größere Elserhalle. Nun war ja auch einiges passiert in
der Zwischenzeit. Die Aventuras waren nicht nur in der
Latinoszene in aller Munde, sondern hatten bis zum Sommer
neben den hiesigen auch noch in einigen anderen Ländern die
Nummer 1 in den Popcharts erklommen. Auch ausführliches Touren
war die Folge. Ist auf der einen Seite zu vermuten, dass ihnen
das nicht unangenehm war, hatten sie sich auf der anderen
ungewollt unweigerlich zwischen alle Stühle und damit in eine
etwas missliche Situation manövriert. So hatten sie an diesem
Abend mit einem mehrfachen Spagat zu kämpfen, der kaum zu
überbrücken war. Haben es Gruppen generell schwer, die von
einem absoluten Superhit leben, so gilt das noch umso mehr,
wenn damit auch noch ein ganz unterschiedliches Publikum
bedient werden muss, nämlich Latinos und Popchartshörer.
Darüber hinaus zeigte sich, dass Bachata durchaus seine Reize
hat, wenn bei einem Tanzabend immer mal wieder ein oder zwei
Nummern aufgelegt werden. Das Bestreiten eines Livekonzertes
mit einer an Rhythmus und Instrumentierung doch begrenzten
Vorgabe erschien jedoch als ein kaum zu bewältigendes Manöver.
So war der Abend zwar organisatorisch fest im Griff des
Veranstalters. Inhaltlich waren aber durchaus Mängel
angezeigt.
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Das Vorprogramm ging so gut wie komplett unter, was aber keine
Seltenheit bei einer solchen Konstellation ist. Das Publikum
war weder auf Salsa von Rafael Pareja y su Orchestra noch auf
die drei tanzenden Girlies von Monserat Suarez mit
Retortensound eingestellt. Erstere leisteten eine ordentliche
Vorstellung bei schlechtem Vorgruppensound ab, mussten aber
letztlich viel zu früh ran. Letztere mögen auf einem Videoclip
gut herauskommen. Für einen Liveauftritt waren sie trotz
redlichen Mühens, bei dem sie einem schon fast Leid tun
konnten, nun gänzlich ungeeignet.
In der gut gefüllten, aber sicher nicht ausverkauften Halle
begann der Auftritt von Aventura mit überlautem und schlecht
ausgesteuertem Geplänkel der Begleitmusiker. Der Schreiber
fühlte sich an Auftritte von Kollegen der
Schwermetallabteilung an gleicher Stelle erinnert. Mit denen
wollte man sich doch wohl nicht messen? Das sah dann wohl auch
der Mixer ein und besann sich eines etwas Besseren. Mit der
Garnierung einiger Reggaetonelemente spulten die Aventuras ihr
Programm ab. Trotz anhaltender Animation ans Publikum wollte
dennoch keine, einer Nummer 1 Truppe angemessene, Stimmung
aufkommen. Alles wartete auf „Obsesión“ – mit Erfolg. Damit
war der Abend gelaufen, das Soll erfüllt.
So bleibt im Nachklang eine Spannung insoweit erhalten, ob die
Superbachateros in der Lage sein werden, ihre Liveauftritte
mit mehr Kreativität zu füllen. Vielleicht sollte die Truppe
die Sangeskünste anderer Bandmitglieder mal etwas näher unter
die Lupe nehmen. Zu sehr ist alles auf Sänger Anthony Santos
zugeschnitten. Auch böte ihre Herkunft New York eigentlich
genug Aufhänger für mehr Inspiration als ein paar
Reggaetonstreusel. Sonst ist in Zukunft zu befürchten, dass
auch ohne negative Begleitumstände die Hallen wieder kleiner
werden.
Stephan
(alias
el
misionario)
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