Bericht vom Festival Son Cuba
in der Muffathalle am 05.10.04

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Festival Son cubano
in der Muffathalle München

am Dienstag, 5. Oktober 2004

von el misionario


Bericht Festival Son Cuba in der Muffathalle am 05.10.04





Was haben der Brunnenhof, ein Spezialreiseveranstalter und eine imaginäre Wand gemeinsam? Richtig, gar nichts. Oder ist da doch was? Am Abend des Festival Son Cuba kamen sie ausnahmsweise in der Muffathalle zusammen. Wie kam das?

Zum vierten Mal schon machte sich ein Troß kubanischer Musiker auf den Weg durch deutsche Lande. Bei der ersten Runde vor drei Jahren war wohl die here Absicht vorhanden, eine gute Mischung traditioneller kubanischer Musik auch einem breiteren Publikum vorzustellen. Der Erfolg verlockte zur Fortsetzung. Bei dieser Auflage nun war alles nicht mehr so leicht nachvollziehbar. Zumindest war jetzt der Zweck nicht mehr klar, wenn man vom kommerziellen mal absieht. Bekannt ist das ja vor allem aus der Filmindustrie. Selten erreicht Teil 2 die Klasse des Vorgängers, von Teil 4 ganz zu schweigen. Vergleichbares drängte sich bei diesem Festival Son Cuba auf. Da werden ein paar Künstler zusammengepackt. Vielleicht ist noch ein klangvoller Name dabei und schon verkauft sich das Ganze als Essenz kubanischen Ursprungs. Nicht umsonst wird der Son, nicht ganz unrichtig, als Vorläufer des Salsa bezeichnet. Die Erwartung war also entsprechend. Wer denn meinte, Gelerntes auf dem Tanzparkett umsetzen zu können, mußte enttäuscht bis zum Ende warten. Es kamen Gruppen und Interpreten auf die Bühne, die einzeln für sich vielleicht eher ihr Publikum mit der passenden Anerkennung gefunden hätten, als im Paket. Freilich hätte es dann nur zu einem Clubabend gereicht, da die Namen einer breiteren Masse nicht bekannt waren. So war es durchaus spritzig, was das Sax Magic Quartett mit vier Saxophonen machte. Carlos Cespedes könnte auch als lateinamerikanischer Liedermacher durchgehen. Und Trova Camagüeyana nötigt nicht nur wegen ihres Alters Respekt ab. Letztere sind aber in Abwandlungen fast in jeder Casa de la Trova mittelgroßer kubanischer Städte zu finden. Dann war da noch Manolito Simonet, die Zugnummer, angekündigt als Salsa Star. Diese Bezeichnung alleine wird ihm nicht gerecht. Er ist einer der ganz großen Musiker Kubas und fällt vor allem durch seine Flexibilität in der pointenreichen Verarbeitung unterschiedlicher Stile auf. Was machte er eigentlich bei diesem Haufen? Wollte er einfach mal wieder auf Tournee gehen, obwohl er doch letztes Jahr erst hier war? Er kam gegen Ende und machte sich gleich durch sein dezentes Tastenspiel bei den Camagüeyanern bemerkbar. Wie man „Guantanamera“ mit ein paar älteren Herren interessant arrangieren kann, fiel ihm nicht schwer zu beweisen. Wie fast zu erwarten kamen zum Abschluß des Abends zusätzlich die magischen Saxophonisten und Carlos Cespedes auf die Bühne: „Que lastima“ hieß das Motto. Das dachten sich die ausharrenden Tänzer wohl auch. Jetzt hätte man endlich zum Tanzen anfangen können, aber es war schon das Ende.

 

 

 

 


 Was hatte es nun mit dem eigenartigen Aufeinandertreffen von Brunnenhof, Reiseveranstalter und imaginärer Wand auf sich? Nun der Saal war spürbar in zwei Hälften geteilt. Auf der vorderen, bestuhlten saß eine Welt für sich, im Schnitt älteren Semesters. Da konnte man durchaus Oma Trude und Onkel Herbert ausfindig machen. Das hatte ja auch sein Gutes, da man die sonst stehend nicht angetroffen hätte. Laut Veranstalter war das notwendig, da es sonst Beschwerden gegeben und man solches Publikum gar nicht erreicht hätte. Da mochte er sogar Recht haben. Aber wie verhält sich das in Sälen anderer Städte? Etwas eingepfercht im hinteren Teil sah man dann schon etwas vertrauteres, wenn auch nicht „typisches“ Publikum. Aufgrund der wenig tanzbaren Musik, der Stimmung eher selten einträglich, der Bestuhlung und der fehlenden Latinoelemente im vorderen Bereich fand dort so gut wie keine Kommunikation zwischen Bühne und Publikum statt. Die hinten Stehenden waren dafür zu weit weg. Auch der Trick über die im vorderen Bereich gelegene Toilette nach vorne zu gelangen, war zum Scheitern verurteilt. Die postierten Wächter verwiesen sanft aber eindringlich zur Geschäftsverrichtung auf das Cafe. Damit konnte man sich auch elegant lästiger Fotografen entledigen. Tja, den vorderen Teil hätte man auch gut und gerne mit bei ähnlichen Veranstaltungen im Brunnenhof verweilendem Publikum austauschen können. Keiner hätte es gemerkt. Aus dem Gesagten erklärt sich die unsichtbare Wand hinter der letzten Stuhlreihe. Schließlich konnte man am Verkaufsstand des Veranstalters neben CDs der aufgetretenen und anderer vom Veranstalter repräsentierter Gruppen auch eine Tanzreise nach Kuba mit dem Spezialveranstalter gewinnen. So kam es an diesem Abend zu diesem einzigartigen Aufeinandertreffen.

Was blieb, war ein zwiespältiger, indifferenter Geschmack. Erwartungsvolle Tänzer mußten unverrichteter Dinge von dannen ziehen. Einem Publikum, das zum Großteil in einer anderen Aufmachung und ohne Bestuhlung wohl nicht gekommen wäre, wurde kubanische Musik in einer etwas irritierenden Form präsentiert. So kann man eigentlich nur hoffen, dass der Gewinner der Reise ein breiteres Spektrum an Musik kennenlernt. Die frohe Botschaft könnte er dann unter der bestuhlten Abteilung verbreiten. Vielleicht wäre dann das nächste Mal, wenn es denn dazu kommen sollte, auch die Mauer nicht mehr spürbar.

 

Stephan
(alias el misionario)

 

 

Bericht vom Festival Son Cuba
in der Muffathalle am 05.10.04
 
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