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[f3]Analyse von Polo Montanez
\"QUIEN SERA\"
Rhythmusverschiebung - Claves Wechsel[/f3]
[f2]Im folgenden bedeutet \"Takt\" immer einen 4/4 Takt im musikalischen Sinne. Ein Tänzer zählt über 2 musikalische Takte seine 8 Zählzeiten, die er dann \"8 Takte\" nennt 1-2-3-4-5-6-7-8
Ich zähle 1-2-3-4 | 1-2-3-4
(In diesem Stück dauert ein Takt übrigens etwas mehr als eine Sekunde) Das Tempo ist zunächst bei Halbe=92 M.M. , steigt dann bald auf Halbe = 100 M.M. an, pendelt sich zwischen 104 und 108 ein, um gegen Ende etwa 112 zu erreichen.
Das Stück beginnt mit einer kurzen Intro (nur die beiden Bongos). Interessanterweise dauert diese Intro genau 3 Takte, statt 2 oder 4 Takte, also asymetrisch.
Dann setzen die übrigen Instrumente ein.
Die Clave bedient sich zunächst des 2-3 Schemas, also 2-3 Son Clave:
ooxo xooo | xoox ooxo | (wird ständig wiederholt)
[img]http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/2/29/Son-Clave_2-3.png/230px-Son-Clave_2-3.png[/img]
Das Stück steht in G-Moll.
Im Baß haben wir eine sekundweise absteigende Linie über 8 Takte (alle 2 Takte ein Ton tiefer).
Ein uraltes Schema aus dem Barock, das auch allgemein in die Pop Musik eingegangen ist und als Passacaglia, oder auch Ciaconna (Chaconne) bezeichnet wird:
2 Takte: G (Moll)
2 Takte: F (Dur)
2 Takte: Es (Dur)
2 Takte: D (Dur)
Danach setzt der Gesang ein, das Passacaglia Schema wiederholt sich noch einmal über die nächsten 8 Takte (ohne diese Wiederholung wäre es auch keine Passacaglia).
Diese Baßlinie ist immer auf \"eins\" zu hören. Natürlich ist der Baß dazwischen rhythmisch synkopiert und zwar immer so wie im 2. Takt der 2-3 Son Clave, so daß er also jeden 1. Takt gegen die Claves geht, jeden 2. Takt aber mit ihnen.
Und jetzt komme ich zu dem Thema, das hier als Aufhänger gedient hat, Veränderung bei den Claves!
Bei 1:49 (im mp.3 File) pausieren die Claves, Percussion und Gesang für 2 Takte und wir haben in diesen beiden Takten nur noch Gitarre und Baß, mit abriegelnden Akkorden gefolgt von einem Break (Generalpause):
xxxo ooxx | xooo oooo |
Danach geht das Stück normal weiter, ABER!
Jetzt mit der 3-2 Son Clave
xoox ooxo | ooxo xooo |
[img]http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/0/07/Son-Clave-3-2.png/230px-Son-Clave-3-2.png[/img]
Bei 2:07 der nächste Break (ganz ähnlich dem letzten).
Diesmal wird die 3-2 Clave danach aber beibehalten.
Eine weitere Auffälligkeit:
Bei 3:45 (im mp.3) erlauben sich die Claves eine kleine Freiheit/spielerei und zwar läßt er im ersten Takt den ersten und letzten Schlag im Schema weg:
also statt:
xoox ooxo | ooxo xooo |
nur noch:
ooox oooo | ooxo xooo |
und sofort darauf fehlt dann der erste Schlag:
also statt:
xoox ooxo | ooxo xooo |
nur:
also statt:
ooox ooxo | ooxo xooo |
danach ist zunächst wieder alles normal.
Jetzt kommt aber eine Stelle, die es in sich hat (bei 3:56):
Die Claves pausieren, 8 mal ein G Moll Akkord hintereinander in Achteln (quasi gehämmert):
xxxx | xxxx
ABER!
Hier passiert etwas merkwürdiges. Das ist wohl auch die Stelle, wo man das Gefühl haben kann, danach plötzlich Contratiempo zu tanzen.
Ich hab mir die Passage x-mal angehört... Auch mit Metronom.
Hier stimmt etwas nicht...
Die in 8 Achteln hineingeschlagenen G Moll Akkorde sind einfach zu schnell! Die Musiker \"rennen\" hier einfach und der Takt verschiebt sich ungewollt... (Oder hat der Tonmeister etwa schlampig geschnitten? ) Kein Wunder, wenn einen das beim Tanzen verunsichert... Der Claves Spieler hat auch seine Not, wieder hinein zu finden, denn sein erster Schlag danach sitzt nicht wirklich.
Dafür \"rächt\" er sich 2 Takte später und läßt den 2. Schlag weg, oder verschlampert ihn etwas:
also statt:
xoox ooxo | ooxo xooo |
nur:
xooo ooxo | ooxo xooo |
Reizvoll ist dagegen die Stelle bei 4:15:
Tres, Gitarre und Maracas pausieren, nur noch (dezent geschlagene) Bongos, Baß, Chorus und Claves bleiben übrig, ein schöner, aufgelockerter Klangeffekt, fast wie ein Baßsolo...
[/f2]
Zuletzt geändert von markus1984muc am Fr 23. Sep 2005, 17:55, insgesamt 5-mal geändert.
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