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Erlebnisbericht - 1st Bachata-Festival München 5.-7. November 2010
Da ich „Einheimischer“ bin und auch im Vorfeld teilweise in die Organisation eingebunden war, kann so ein Bericht natürlich nicht ganz objektiv sein. Aber da ich mittlerweile schon bei 5 Bachata-Festivals (und auch bei einigen Salsa-Festivals) war, habe ich schon einige Vergleichsmöglichkeiten.
Vorab muss gesagt werden, dass für die Organisation durch den Salsaclub Munich (Hakan) nur sehr wenig Zeit zur Verfügung stand. Das Festival war mit 2 Workshop-Schienen geplant und der Full-Pass war bis Ende September für sage und schreibe 40 EUR zu haben. Da München bzw. Süddeutschland nicht gerade als Bachata-Hochburg gilt, war nur schwer abzuschätzen wie so ein Festival ankommt. Ich war sehr skeptisch als ich (über facebook) vom Festival erfahren habe und konnte ehrlichgesagt nicht so recht an den Erfolg glauben. Aber Hakan hatte den Mut das Risiko einzugehen und wurde dafür mit einem Besucheransturm belohnt.
Aber nun zu den Punkten im Einzelnen:
Parties: Die Parties fanden - jeweils mit zwei Dancefloors - im DT.01 statt. Im großen Saal Salsa/Bachata/Merengue/ChaChaCha mit wechselnden DJs und im Nebenraum 100% Bachata all night long (Playlist). So viele Leute habe ich im DT.01 bisher nur einmal gesehen (bei der Winter Salsa-Gala von Marion). Der Platz zum Tanzen war zwar zeitweise recht beschränkt – aber stets akzeptabel. Da internationales Publikum anwesend war, so auch viele Gäste aus Italien, konnte ich so viele Bachata-on2-Tänzer beobachten wie nie zuvor.
Shows: Aus Kosten- und Termingründen wurde auf die ganz großen internationalen Stars der Bachata-Szene verzichtet. Die zum Großteil für mich unbekannten Lehrer kamen vorwiegend aus Europa (Deutschland, Italien, Polen). Trotzdem waren sehr anspruchsvolle Bachata- und Bachatango-Shows dabei. Das ganze aufgelockert durch Salsa-Shows und die Solo-Shows von Chris Winiarski – der schon im Sommer in München zu Gast war.
Sehr angenehm war hier, dass die Shows in 3-4 Blöcken dargeboten wurden. Es gab zwar keine Bühne, aber für jeweils nur 2-3 Shows am Stück konnte man auch auf den Boden sitzen bzw. sich strecken ohne dass es allzu unbequem wurde. Workshops:
Da der Ansturm größer war als erwartet, musste das Festival um eine dritte Workshop-Schiene erweitert werden. Die Advanced-Kurse fanden somit in der Reithalle statt. Die Beginner- und Intermediate-Level wurden im DT.01 unterrichtet. Da ich mich für die Advanced-Schiene entschieden hatte war ein Wechsel zwischen den Workshops natürlich nicht möglich. Zum einen wegen der Entfernung, zum andern weil das DT.01 voll war. Das war etwas schade, da im DT.01 auch Workshops für alle Level wie z.B. Reggaeton oder Bachata-Rueda angeboten wurden.
In der Reithalle waren zwar sehr viele Leute (so viele habe ich bisher noch nie in einem Workshop bei einem Festival gesehen), aber durch die Größe dieser tollen Halle war das Klima fast immer angenehm. Und durch die hohe Bühne in der Mitte der Halle konnte man die Lehrer auch meist gut sehen. Natürlich wäre es immer schön genau die Füße der Instruktoren zu sehen, aber das ist praktisch bei keinem Festival perfekt gelöst. Das ist ja nichtmal bei regulären Kursen in Tanzschulen immer gewährleistet. Sehr positiv ist mir hier auch noch aufgefallen, dass für Essen und Getränke gesorgt war. In der Mittagspause wurde eine Sammelbestellung beim Pizza-Service organisiert. Soweit ich das mitbekommen habe hat alles sehr gut geklappt und alle wurden satt.
Bei den Workshops selbst haben mir die Kurse von Riccardo Recanati (Sensual Bachata und Bachata Fusion) und die Bachatango-Kurse von Angel Rodriguez (leider etwas gehandicapt durch eine Bein-Verletzung) besonders gut gefallen. Die Kurse waren anspruchsvoll und wurden didaktisch gut und mit Witz unterrichtet. Das stand den ganz großen Lehrern der Szene in nichts nach.
Auch die Kurse von Chris Winiarski (Warmup, Body Isolations und Musicality) sind immer einen Besuch wert.
Leider war in der Advanced-Schiene die Aufteilung nicht optimal. Am Samstag 3x Chris Winiarski + 2x Partnerwork und am Freitag 4x Partnerwork + 1x Salsa on2 Shines (für den die Cubanisch-Tänzer ja keine Alternative hatten).
Aber meiner Erfahrung nach gab es bisher bei keinem Festival zwei Tage lang am Stück nur Top-Workshops. Und nach jedem Top-Instructor hat es der darauffolgende Lehrer natürlich umso schwerer.
Generell fiel auf, dass im Gegensatz zu anderen Festivals Bachata Dominicana unterdurchschnittlich vertreten war.
Die bei Bachata unterrichteten Figuren waren aber alle schön und auch alltagstauglich.
Organisation: Bei den Workshops in der Reithalle waren alle Lehrer sehr pünktlich, so dass es zu keiner größeren Verzögerung kam und man so die volle Mittagspause hatte und auch pünktlich um 18 Uhr nach Hause gehen konnte. Auch die Shows waren frühzeitig zu Ende.
Was mir hier negativ aufgefallen ist war das Vorgehen am Einlass (bei der Passausgabe bzw. bei den Parties. Unmut darüber konnte man auch bei zahlreichen Gesprächen von Gästen belauschen. Es gab teilweise längere Diskussionen über bezahlte bzw. nicht bezahlte Tickets – was dann den ganzen Betrieb lahmlegte - und daraus resultierende Schlangen am Eingang. Hier sollte in Zukunft das Personal verstärkt werden.
Weiterhin wurde mir berichtet, dass Gäste am Eingang teilweise 30 Minuten warten mussten bis sie ein Ticket an der Abendkasse bekamen. Das lag aber scheinbar an der maximal zulässigen Personenzahl im DT.01. Vielleicht sollte für nächstes Jahr über eine größere Location nachgedacht werden.
Die Ticket-Ausgabe ist aber immer ein kritischer Punkt eines Festivals und nach meiner Erfahrung klappt das beim zweiten Festival immer viel besser als beim ersten. So auch in London dieses Jahr. Da gab es Bestätigungen mit einem Bar-Code, so dass das mühsame Buchstabieren von Namen und die Suche in großen Listen an der Registrierung überflüssig wurde.
Nach der Veranstaltung hätte ich mir mehr und schneller Fotos und Videos vom Festival gewünscht. Hier wäre die Verpflichtung eines professionellen Fotografen sicher eine gute Investition gewesen.
Sehr positiv war noch, dass Flyer auslagen mit einem aktuellen Workshopplan, dem Partyprogramm, den Adressen der Locations, Anfahrts-Hinweisen sowie einer Kontakt-Handynummer. So wünscht man sich das in einer fremden Stadt. Wobei die Infos besser komplett in Englischer Sprache sein sollten. Oder evtl. sogar zusätzlich auf Italienisch. Immerhin kamen ab Samstagabend die Ansagen bei der Party und am Sonntag bei den Workshops in der Reithalle vom Mitorganisator DJ Bappa in perfektem Englisch. Aber auch diese Kritik muss ich relativieren: Ich habe auch schon in Warschau eine Freitagsparty in polnischer Sprache erlebt und einen Bachata-Workshop auf Französisch in Brüssel.
Alles in allem war das ein sehr schönes Bachata-Festival. Ganz sicher das erste in München und nach meinen Informationen sogar das erste in Deutschland. Endlich gab es in München einmal ein Event abseits der reinen Salsa-Veranstaltungen. Ich würde mir wünschen, dass so etwas öfter stattfindet. Die große Zahl der Teilnehmer hat deutlich gezeigt, dass es einen Markt für solche Veranstaltungen gibt.
Frank Glaser
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