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BeitragVerfasst: Di 7. Okt 2003, 18:56 
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Registriert: Di 7. Okt 2003, 18:46
Beiträge: 2

Auf dem Dach des Hotels St. John, Havanna

Junge Leute hören in sich hinein und singen die leisen bizarren Lieder des „filinn“. Vielleicht war das meine Zeit.

Salsa, Rumba, Mambo, die Fruchtbarkeit der Landschaft und des Schosses der Städte. Wild, laut, prachtvoll. Das ist das Leben.

Aber im Nachtschatten des Sonnenuntergangs höre ich filinn. Casa de la trova: ein altes Ehepaar singt einen son. Dos Gardenias para Ti.

Ich sehe Palmen, Meer und Berge. Die bunten Würfel der Pracht-häuser, die Säulen, Emporen, Schattengänge. Ich sehe Menschen, dunkel und hell, miteinander reden, ihre Strassen gehen in Licht und Schatten. Geräusche, Gespräche.

Und an dem Morgen, an dem ich dies erinnere, höre ich Kirchen-glocken im Dämmerlicht. Sie erfüllen mein Herz wieder mit der zehrenden Sehnsucht der nördlichen Länder. Aber über ihr wölbt sich noch der dichte blaue Himmel des Südens, voll vom Stimmengewirr einer kubanischen Bushaltestelle.
-.-

Man versteht sich:
Der Schlepper: „Aleman?“
Ich: „Si“
Er: „Alles klar?“
Und manchmal auch: „ Kein Problem?“
-.-

Beobachtungen: Riesenbordsteine und Schlaglöcher
Cuba mit dem Rollstuhl unmöglich.

23774 :Inventarnummer eines Hotelzimmerregals aus 75 in beige
Eine andere Stadt. Hotel-Garderobe Nr. 9 - 322/05/0 (da lacht das Herz des Rechnungsprüfers).
Lampenschirm C 1243. Erstreckt sich die Inventarisierung auch auf eine Nummerierung des Che und des Chan Chan?

Bizarre Erfahrung
Gelbe Blüten, Früchte, Sonne und der Schweiß aus den Tiefen Deines Körpers, von deren Wänden die Zeichnungen meiner Erinnerungen glitzern. Auch die Eisenschiene, auf der die Früchte des köstlichen Pinar-del-Rio-Cognac gären, hat eine Inventar-Nummer.

Deutschland und Kuba haben eins gemeinsam.: Den Ruf hervor-ragender medizinischer Versorgung und eine zunehmende Anzahl sichtbar werdender Zahnlücken.

Für 1 Peso ( 4 Cent) gibt es Erdnüsse im Papier des Manual zur Informatik oder in einer Dissertation zur sozialen Revolte in Aust-ralien. Aber der Verkäufer kann lesen und schreiben.
-.-

Verschwinden der Buchläden nach der Revolution.

Die Bücher rufen das Volk zu den Waffen. Erziehung und Alp-habethisierung. Ernesto Cardenal. Dann verschwinden die Intel-lektuellen in die Verwaltung und in die Haftanstalten , und die Bücher in die Bibliotheken. Das freie Wort muss Reklame für die Revolution machen. Du siehst, wie es auf den Propagandatafeln schwitzt und Du fragst Dich: wozu hast Du das Volk ins Lesen eingeweiht?

Bei uns ist das Wort mehr in die Animation von Lecken und Schmecken eingespannt. Die Enttäuschung der Fühlenden ist nicht geringer. Aber sie finden noch einige –wenn auch wenige- freie Worte, und manchmal –wenn auch vereinzelt- Interesse.

Während ich dies an einem Pool in Santiago de Kuba schrieb, begann der übliche das Kleinhirn massierende Salsa-Müll des Globalismus mir mit Schmackes die Ohren zuzudonnern.

Das Denken zieht sich erschrocken in die Badehose zurück. Man nennt das Genuss. Zwischen Erlebnis und Sehnsucht nach dem inneren Leben hat sich wohl auch Hemingway zu Tod gesoffen.
-.-

Das Ökoprojekt

Schwalben und Schmetterlinge, die so schön schimmern wie das spanische Wort dafür: mariposas, in der „Research-Station“. Der Führer erklärt eindringlich die Leistungen des Projekts. Hier wird alles Leben bis hinab zum Insekt inventarisiert. In der Auflösung des Spannungsverhältnisses zwischen Unabhängigkeit der Einzel-nen und Kontrollwunsch der Gemeinschaft werden 1971 verstreut vor sich hin lebende Kleinbauern zusammengefasst und mit dem Aufbau eines Ökoprojekts beschäftigt. Als 89 die Arbeit getan ist, bekommen sie eine neue Aufgabe im Tourismus. Von der Reini-gung eines Hotels, der Bewirtschaftung eines privaten? Kaffee-Ausschanks bis zur Touri-Betreuung als Son-Truppe ist ein breit-gefächertes Angebot vorhanden. Es gibt auch gemalte Bilder und Geschnitztes. Der Beweis, dass doch allerhand im Menschen steckt, was eine geschickte Verwaltung wecken kann.

Imponierender als die 6 Millionen Bäume, die jetzt auf ehemali-gem Weideland stehen, und ordentlich Artenvielfalt finde ich die Vielseitigkeit der menschlichen Verwendungsfähigkeit. Über Kapitalismus braucht man nicht zu reden. Den spürt man. Aber ist es nicht auch grässlich, wenn das Leben vom Betriebsrat ausgeht?
-.-

Der Sonnenuntergang versöhnt mit allem und allen. Die Palmen atmen in einen blau saugenden Himmel mit weißen, weichen Wolkenballen. Ich ziehe die Schuhe aus. Ein Reicher legte hier in „Aquas claras“ ein herrliches Gelände mit Schwimmbad und Teich und chinesischer Brücke an. Dunkelrote! Teichrosen. Lass es atmen! Der Kolibri ist zurück in seinem Nest. Ein Frosch knarrt wie Kühe rülpsen; Licht über dem Wasser.

Freundlichkeit erhöht die Produktion von Solidarität. Das gibt es doch auch: Vertrauen, gute Hoffnung. Gracias a la vida, welches Lied –warum auch immer- kein Kubano spielt.
-.-

Besucher

Italienische Jungs am Pool necken, ein Alter leckt mehr, die schwarzen Schönheiten mit den minderjährigen Körpern. Ein nicht zu übersehender Anteil an Glatzen. Wie viele dieser Genie-ßer wissen etwas vom Sozialismus? Wie viele wählten bei den letzten Wahlen die Mafia?
-.-

Gibt es ein Rassenproblem?

Weiße empfinden Touristen als Einmischung, Mulatten versuchen Dich anzumachen, Schwarze sind arm. So war es in Havanna .Es gibt eine Arbeitsteilung nach der Hautfarbe; die Apartheid ist erst 50 Jahre her. In den Hotels von Varadero und an den Autobahn-raststätten hauptsächlich Weiße und Mulatten. Überall gilt: je weißer, desto höher, wobei Mulatten regelmäßig Mittelklasse-Jobs besetzen und die Weißen die Führungsschicht, das bäuerliche Leben und den langweiligeren Teil der Musik. Zur weißen Trova gibt es den schwarzen Son. Ist Salsa die Auflösung?

Die Schwarzen besinnen sich. In der Hafenstadt Santiago gibt es Reggae-Ecken und in Havanna die weißen Kleider der Santeria.

Wo sind die Nachkommen der rund 100.000 ausgesaugten chine-sischen Vertragsarbeiter von 1860? Nun: auf 35 000 Arbeiter in Havanna kamen 57 Frauen.- Geblieben sind die chinesischen Trompeten zum Carneval und manchmal ein gemixter Second-Manager in einem Hotel.

Auf die Frage, ob es hier denn auch Rassendiskriminierung gebe antwortet ein netter Schnorrer: „In Santiago? Nein: hier ist alles gemischt! Aber in Holguin, da gucken sie dich an.“

Und auf der Arbeit? „Nein, kein Problem. Und die Chefs sind mal schwarz, mal weiß. Aber fett sind sie alle. Sie bekommen Dollars und Pesos, wir nur Pesos...“

Alle fahren Auto. Die Schwarzen LKW und Stadtbus oder die rollenden Ungetüme von Containern, die in Großstädten die U-Bahn ersetzen: Im Führerhaus und auf der Ladefläche. Mulatten fahren die besseren Transportmittel, Weiße überwiegend –eigene?- PKW.

Raumpflegerinnen und Parkwächter: je Manager, desto heller. Klassenunterschied und paradiesische Natur locken dunkle Schönheit und hellen Reichtum zu weiterer Vermischung und Veredelung.
-.-

Botanischer Garten

In Vinales der Garten zweier alter schwarzer Frauen, Priesterinnen eines Vermächtnisses. Früchte, Plastikspielzeug in den Zweigen, Christus und ein Hochzeitsfoto. Sie war Sophia Loren. Die Schwester führt uns durch den Traum-Garten ihres Vaters. Mit der krächzenden Stimme eines hoch kreisenden Vogels erklärt sie die Namen der Früchte, Kostbarkeit um Kostbarkeit. Die Erinnerung eines Sklaven an Afrika und die Visitenkarte eines Frankfurter Handelsvertreters.- In einem Paradies von Früchten –so muss es gewesen sein - laben sich wirkliche Hühner.
-.-

Dollar-gap

Nach Fidel werden die Kubaner sich wohl ins Nationalistische wenden. Jose Marti ist stabiler und häufiger verehrt als Che. Alles singt und sagt:“soy cubano“. Am Strand von Varadero schickt der Wachmann ihn –„Hey, Cubano!“-weg.

Fidel, Marti und Tourismus. Das könnte eine brisante Mischung Milosevic werden. Einer zischt mich auf dem Bürgersteig an, weil ich im Weg stehe: Tierra Cubana! Eine Zigarette, schon wieder ganz A l Capone, ruft: „ >hollywood< es aventura, adrenalina, conquista.“ Eine andere antwortet: „ soy >sabor<, soy cubano, soy“...
-.-

Palacio de Valle

Maurische Muster von Licht durchbrochener Schatten. Eine fremd im 3.Jahrtausend stehende Illustriertenschönheit. Ja: Dieser Archi-tekt war wohl auch ein Steißtrommler der Mafia. Was prostituiert sich mehr als Kunst? Ob er sich den Gebrauch seines Spielzeugs in den Händen des Volks vorstellen konnte?

Kurzer Blick aus dem Fenster: Auch hier die gleiche Blindheit des Bauverliebten wie in allen Städten der Welt: Von den zum Be-trachten hingestellten Bänken blickt man direkt in den Hintern des Alltags.
-.-

Stromausfall
(Hotel bei Cienfuegos)

Die Leute reden
und die Nacht kommt;
die Leute reden
und es senkt sich die Nacht.
Und die Leute reden.

Und das Licht geht an
und der Ventilator
und sie lachen
und räumen auf
und gehen.

Buenas Noches!
Buenas Noches, Gringo!

Und der Mond steigt
und von der Insel die Wellen.
Und ich schließe die Tür.

Und in mir
das Reden und Lachen der Leute.
-.-

Beobachtungen

Woran man die „staatlichen“ Rikschas erkennt?
Er lacht: Die Fahrer zahlen an die Polizei.

Überwachungskameras
modernste Technik für die Autobahnraststätten.

Che in 3-D- Postkarte. Wie blind doch Verehrung machen kann: sieht aus wie aus dem Film Planet der Affen. Da ist es kein Trost, dass es auch dort um einen Aufstand ging.

Die Parole ersetzt die Lust:
En cada barrio revolucion Überall
revolucion es construir bau auf, bau auf
siempre es 26 immer, immer wieder

und wohl weil die Intellektuellen ironisch werden:
la obra cultural mas grandiose es la revolucion misma,
nur, dass eben solche Parolen das Gegenteil bewirken.- von bei-dem

So ist’s schon ehrlicher: prohibido entrar el banjo.
In D las ich witziger: Bitte verlassen Sie die Toilette in sauberem Zustand
-.-

Che’

Der Heroismus ist zu dick aufgetragen. Die Anzahl der angebote-nen Che’ - Foto-Karten zu denen von Fidel ist 20:1. Okay: Fidel ist die Erstarrung, Che’ die Hoffnung auf Änderung.
Aber auch Heroismus im Guten will mehr bedeuten als Du und ich, drückt sich vor das Leben. So darf etwa nicht gewusst wer-den, dass Che der Verantwortliche für Liquidierungen war.
Plan und Welt-Bild: ich glaube inzwischen, dass dies die beiden schlimmsten Dinge sind, die die Intellektuellen in die politische Sphäre eingebracht haben. Sie haben eben nicht beobachtet, ana-lysiert und diskutiert, sondern beobachtet, analysiert und schöne Bilder produziert, die Töten, Morden, Massenauftrieb und KZ erfordern und vergessen lassen.

Opium für das Volk? Als sei Heroin besser!- Schöne Bilder für die Vertrauensvollen, Schreckensbilder für die Misstrauischen. Und immer ist es auch der Wille: Angst, Hoffnung, nie die Ver-nunft, was die Ideologen wollen. Gerade das, was Intellektuellen fern liegen sollte, wenn sie als Intellektuelle zu Hilfe kommen wollen .

Che’ hat gezeigt, dass auch die auf das Gewehr gestützte Macht ohne Zustimmung verletzlich ist. Viva! - Aber jetzt lasst die Toten ihre Toten begraben und beginnt miteinander zu reden!

Funktionäre siehst Du ohnehin nicht. Entweder sie schwimmen wirklich im Volk, oder –was ich schätze- in den esoterischen Kreisen des Privilegs an der eigens reservierten Playa Ciboney, ,wo Überleben und Übergang und wohl auch Bindung der Eliten beschworen wird. Es müsste mit Marx zugehen, wenn sie nicht als erste Garde in Aufsichts- und Betriebsrat der neuen AG Cuba wieder auftauchen würden. Zu deutlich ist das Heldentum der Arbeit auf den Plakaten für das Volk reserviert.

-.-

Besichtigung der Zigarrenfabrik in Cienfuegos

Stereo auf 12. Die Frauen singen laut und lachend und die Männer mit geschwollenem Kamm schmachtende Romanzen. Freundlich-keit. Lächeln bricht aus wie ein Sonnenstrahl aus den Regenwol-ken (so vergleicht Arthur Schopenhauer). So, und nicht brüllend, beginnt Solidarität. Ein ganz Alter, der mir spontan aus Gefallen ein Blatt Tabak gibt. Kuba, Deine Menschen!-In Deutschland habe ich über Jahre so etwas nicht erlebt.

-.-

In Santa Clara steigen wir aus, die Revolutions-Gedenkstätte zu besuchen. Viel ist da nicht: die eroberten Munitionswaggons, die Caterpillar-Raupe, mit der die Revolutionäre die Gleise beschädigten, spanische Erklärungen. Als wir aufgefordert werden, den üblichen Eintrittsdollar für Kapitalisten zu zahlen, verlasse ich schnell den Präsentationswaggon. Eine Hüterin in einer der zahlreichen Uniformen Kubas kommt hinter uns her, fordert Bezahlung, auch für den Fall, dass wir nicht in die Waggons gingen. Schließlich hätten wir das Grundstück betreten, die Waggons gesehen. Um nicht weitere $ zahlen zu müssen, setze ich mich in den Bus und ziehe den Vorhang vor den kostenintensiven Blick. In Wirklichkeit bin ich stocksauer.

Nirgends auf der Welt dürfte das Gedenken an eine mutige Be-freiungstat, auf den Stolz eines Verfassung gründenden Ereignis-ses mit den $$ herbeigekarrter Ausländer bezahlt werden .

Wie nah ist eine Verwaltung der Korruption, wenn sie sich den Stolz ihrer Gründung mit Dollars entgelten lässt? – Im politischen Rest Deutschlands ist inzwischen auch das Geldmachen wichtiger als die Würde des GG. Aber man wahrt noch den Schein. –

Ein anderes Erlebnis war eine geführte Wanderung durch das Tal von Vinales und dessen Frucht duftende warme und feuchte Luft. Plötzlich taucht mitten aus dem Feld ein alter Vaquero auf, der eine begeisterte Rede hält - und dann den Hut hin. Oder in einer Stadt, wo ein alt gewordener Veteran in zerrissener Uniform mit seinem Pensionsschein um Geld bittet. Schlimm.

Nun: sie müssen leben. Aber ein Revolutionsgedenken, eine Wür-de, die sich auszahlen lassen? Wer kann da hinsehn?

Meine Wut versucht ein Begleiter zu beschwichtigen, indem er auf Eintrittspreise für etwa das Tadsch Mahal hinweist . Nein, mein Freund: Ein Denkmal einer Befreiung, einer Revolution, einer Verfassungsgründung kostet nur dann etwas, wenn das alles unter einem Apparat begraben, aus dem Herzen gestorben ist. Wo steht -wie in Kirchen zum Gedenken an Jesus- die Spendenbüch-se, etwa für Veteranen? Ich hätte gezahlt!

Ich kam aus Solidarität mit Kuba, wurde als Imperialist ausgezo-gen, gehe in Solidarität mit den Kubanern.

-.-

Das Blau der See von Varadero. Ortszeit 9 Uhr (früher am Mor-gen ist es normales Salzwasser). So tiefblau als gäbe es keine Not, kein Leid von Mensch und Tier. Als habe es nie die Schreie gefol-terter und verbrannter Sklaven aus rauchenden Zuckerrohrfeldern gegeben . Diese unglaubliche Klarheit der wechselnden grün und blau trägt mich, Flut der Gefühle, weg.

Dieses Paradies, einst Privatparadies der Mafia, zu einer An-sichtskarte gemacht zu haben, die zum Verschönern der Wohn-zimmer unwissender, wie Vieh sensibel gehaltener und gemolke-ner Pauschaltouristen aufgedollart wird, ist das traurige Verdienst der in die Schattenwelt der Propaganda geflüchteten Revolutions-nachlassverwaltung. Kein privater Kubaner unterwegs.

Verrat, schreit es in mir. Auch wenn ich weiß, dass ich keine Lösung für einen unschädlichen Übergang habe. Ich weiß nur: das Recht geht vom Einzelnen aus. Hier erkennt man aber nicht ein-mal seinen Ursprung. Wie oft zeigen die Reklametafeln der Un-sichtbaren den Begriff „dignidad“. Ich frage mich: wo bleibt der Begriff Würde .

Hinzu kommt die säuberliche Trennung zwischen Touri und Cubano. Die Einen dürfen die Fahrzeuge der blauen Nummern-schilder benutzen, die anderen die gelben. Keiner die der anderen Gruppe. Eine Verbindung zwischen Cubana und Imperialista unmöglich wie eine Ehe von Dollar und Peso. Ideologisches Reinheitsgebot. Prost!
-.-

Jetzt denke ich an die grüne Amitasche, die ich auf einem Gelände vor der Uni Havanna im Schmutz liegen sah und die verteufelt an so etwas von 68 erinnerte. Ein Schüler- oder Studentenkugel-schreiber hatte trotzig LSD und Peace und Reggae und f*** uä darauf geschrieben. Die Uni war -wegen Ferien- verlassen und von Sicherheitsbeamten bewacht. Assoziationen von Gewalt.
-.-

In der Kirche der Musik

Casa de la Trova, Santiago de Cuba, spielen heute Musiker wie ich dichte, wenn ich dichte. Und die Gemeinde der Musik ver-sammelt sich, Priesterinnen und Priester und Laien, und alle beten und singen zu diesem inneren Gott. Und singen schlecht und gut. Gut und schlecht singen und klingen sie.

Es fährt mir in die eckigen Intellektuellenknochen, der Mensch will heraus. Und wenn sich auch meine beiden getäuschten Tänze-rinnen peinlich berührt über meine knarrenden Bewegungen auf die Lippen beißen: Sie heiligt uns, diese Musik. Der Rhythmus trägt, trägt uns davon.

„Nena, ich möchte nie von Deiner Seite weichen“, schrieb 1989 Einer an die Wand des son und bolero. Die Klang-Hölzer klingen, die Stereoanlage brüllt in die Pause und der Gitarrist versinkt hinter der Bühne in einem Nervenzusammenbruch.

Die „große alte Dame“ der casa de la trova in ihrem Kleid aus den 30ern oder 50ern, voll Achtung begrüßt von jungen und alten Musikern auf den 50 Stühlen; der alte Tänzer des Mambo (?) aus den 50ern, die schwarze Haut in leuchtendem Kontrast zu weißem Haar und weiß-in weißem Anzug, tanzt noch geschmeidig wie ein Jaguar, gern begleitet von einer Prinzessin von Saaba des Salsa; sie blicken in die Fernen, die uns der Rhythmus öffnet, in alle Träume des Ursprungs .

Vergiss mir nicht den 82jährigen Bassisten, der noch wirklich voll Lust dazwischenjauchzt, wenn der Rhythmus des blutjungen Conga-Spielers nahe am Überschnappen zur Decke zuckt, den Trompeter mit der Silbertrompete, vom Stuhl aus das hellste an Klang erzeugend, was sich in einem dunklen Meer spiegeln kann. Der plötzlich hereinspringende Besucher aus Malaga, Amigo, Amigo, Sinti, der die Trompete in einem Jazz versucht. Die Wel-len schlagen höher und höher.

So etwas kommt alle hundert Jahre vor. In der casa de la trova von Santiago, Trinidad, Ciego de Avila und vielleicht öfter. In Kuba durfte ich es erleben. Buena Vista Social Club, Havanna, hat nicht gelogen.

-.-

Santiago de Cuba 13.8.03 (Fidel wird 77)
Auf der Terrasse von St. Johns
singt Dalia den Filinn.
Verdammt, heut ist Geburtstag
und aus dem banjo des poeta
ruft es verzweifelt nach der Bürste.

Dalia,
Deine Haut glitzert
wie die Sehnsucht unterm Vollmond.
Und aus den Haaren die Bänder
schwirren blaue Kolibris.

Aber verdammt,
heut ist Geburtstag
und im banjo Überschwemmung.

Doch von der Dachterrasse des St. John
singt lächelnd Dalia den Filinn.

-.-




Jose Marti

am Fahnenmast des Aussichtspunkts über dem Tal von vinales. Ein Blick wie von dem berühmten Tuschebild der Berge von Guilin, China. Blickt von der Aussicht weg auf den Stand mit Ansichtskarten des holländischen(?) Fotografen van der Leeden, der offensichtlich den Auftrag für ganz Kuba an Land gezogen hat. Überall begegnen uns seine kubanischen Sonnuntergänge, Autos, Häuser, Fabriken, Menschen mit Domino. Auch wir kaufen den Kalender 2004 für 15 $ bei der Ausreise ( mehr als ein halbes kubanisches Monatseinkommen). Ein Könner der Motive und Auftragsbeschaffung. Kuba ist so gesehen auch eine schöne Illust-rierte. Ob Jose Marti deshalb die Aussicht verschmäht, um die Ansicht zu bewundern?
-.-

Noch ein Denkmal. Che als Lenin. Denkmal und schal, das habe ich immer gleichzeitig gespürt.
-.-

Aus einen Che’,- einem „Kumpel“-, wird ein Jesus auslöschend das Freie am Denken. Meine reformierte Seele ruft: räumt die Kirchen!-
-.-

In einem edlen aber günstigen Staatshotel mit Filinn-Ausblick von der Dachterrasse in Camague sehe ich die auf dem Schminktisch angeschraubte Barockvase aus der vorrevolutionären Urzeit. Die alte Beschriftung in englischer Sprache des Ami-Elevators, die Beschriftung: deutsche Handelsvertretung über dünn sortierten Läden, die rosarote Bettdecke aus den 70er oder DDR-Jahren. Nach herrlichem Blick von der Terrasse ein Mojito in Gedanken an Hemingway (es gibt mehr als alles), von dem ich nichts gelesen habe. Die Farbe der Stühle an den Oberschenkeln sagt: Hej, impe-rialista, lass mal n Scheinchen rüberwachsen.
-.-

Gibt es eine versteckte Kritik in der Partei?

Am Geburtstag Fidels erklärt Celima Bernal in der Granma unter der Sparte „del lenguage “ den Unterschied zwischen „Fama“ und „Popularidad“. Danach kann ein Gerücht gut oder schlecht sein, Popularität sei aber immer gut angesehen. Das heißt wohl, dass die Popularität des Jefe also kein Gerücht sein kann.
-.-

In Houston, lese ich, gibt es den George Bush- Airport.
Was hat denn der für die Menschen getan?
Oder eine riesig geschwollene Reagan- Biographie in einer Biblio-thek!. Ja worüber denn?!
-.-

Zuerst der Chan Chan, dann Commandante Che Guevara.

Diese Lieder spielen sie Dir an allen Tischen in Havanna vor, während draußen der zahnlose Alte Parteizeitungen verkauft, eine geparkte Schönheit Dich mit dem globalen Blick cooler Bereit-schaft fixiert und ganz Durchlöcherte um eine Zigarette bzw. gleich um einen $ bitten. Die Sicherheitsmänner reden noch mit ihnen, wenn sie sie wegschicken, während auf der anderen Seite eine andere Hand sich bittend öffnet. Ein alter Tourist leckt in einem Hotelpool in Santiago de Cuba das sich abwendende Ge-sicht einer jungen Schönheit ab. Kuba prostituiert sich.

Ich weiß keine Lösung. Auch ich fühle mich entwürdigt, wenn man in mir nur den Dollar sieht. Aber klar: für Solidarität kann man sich nichts kaufen. Nach dem Umschwung, Sturz oder Über-gang wird sich der Umgang in Geschäftsbeziehungen neu regeln. Damit kommt etwas mehr gegenseitige Achtung auf. Nur: wor-über wollen Touristen und Kubaner in einer Welt des Geschäfts reden?
-.-

Abschweifende politische Betrachtung

Die Mittelschicht, hier die Mulatten, ist offenbar überall Trägerin von Staat. Wer sonst als sie hat ein Interesse an Stabilität und Gesetzlichkeit für alle?

Wenn die Versorgung der Mittelschicht aber problematisch wird oder Aufstieg lockt, verlässt sie den Staat. Dann wird die Verfüh-rung durch Ideologien erst gefährlich. Bei uns lecken die aus der Mittelschicht aufgestiegenen am Hintern des Goldesels, eilen seine Fürze zur frohen Botschaft zu erklären , treten die Unteren. In anderen Zeiten und Regionen setzen sich die vom Abstieg bedrohten an die Spitze der Umwälzung oder des Mob, um einen Zwangsfrieden zugunsten der Elenden herzustellen. Leichen, Unterwerfung des freien Willens sind in Kauf zu nehmen.

Mit der Entscheidung gegen das Recht des Staates, das verhandel-tes Recht der Einzelnen ist, entscheiden sich beide Richtungen des Ideologisierens gegen die Autonomie des Bürgers, pressen ihn mit allen anderen zusammen zur Masse des applaudierenden oder rasenden Zuschauers „Volk“. Die Neoimperialisten des Westens, die Fundamentalisten des Unmenschentums und Castro haben eins gemeinsam:

Das Motiv, auf dem Rücken einer als Masse verstandenen Ge-meinschaft sitzen zu bleiben und wenn schon nicht die Richtung, so doch zumindest das Tempo selbst zu bestimmen. Schwenkt das Ganze bleibt man oben und tut peitschenknallend weiter das Seine zur neuen Stampede.

-.-

Geburtstag

Fidel hält eine politische Rede. Der TV läuft. Niemand guckt. 2 Mittelstandsbürger sagen mir in unterschiedlichen Städten: „Lie-ber würde ich den ersten Gedenktag feiern.“ Ohne Hass, ohne Zustimmung.

Ein Schlafraum mit zum Schlafen gelegten rosa gekleideten Kin-dergartenkindern erinnert mich an die schreckliche Zeit der Wehr-losigkeit im damaligen evangelischen Kindergarten Edenkoben. Niemand drohte Prügel an. Aber niemand wagte, vorzeitig aufzu-stehen.

-.-

Filinn

Zerbrich mich nicht
singt der Wind
aus der Schale einer Krabbe;
Fass mich nicht an,
da ist nichts mehr
und nichts.

Ja, meine Augen brennen wie Sehnsucht,
doch diese Sehnsucht sucht nichts als die Nacht

Und die Sterne versinken
und das Mondlicht in mir:
umarme mich nicht,
ich bin kalt,
kalt.

Unter dem Schuh
eines Tänzers des Mambo
zerbricht die Schale einer Krabbe.
Und die Asche eines Dollar
verglüht vor der Tür des St. John.

-.-

Wochenende
Fahren sie ans Meer oder in den Dollar?

Ein Propagandaschild wie Honecker:
Der Jefe kümmert sich um die Jugend. Alter Knacker!
Ein Alter des Mambo braucht das nicht. Er tanzt/ist!

-.-

Verehrung!, offizielle Verehrung!! des Che’. Mir fällt Brecht über die großen Heerführer ein: War da nicht mindestens auch ein kleiner schmieriger Wächter in der Batista-Verwaltung, der eine wichtige Beobachtung nicht weitergegeben, sein Leben ebenso riskiert hat? Oder die Ehefrau, die den revolutionären Säufer, Prügler und Fremdgänger trotz allem und allen versteckte?

-.-

Hellblaues Hemd und blaue Hose

Die Uniform der sich gegen den Untergang wehrenden Armut (Pilota)
Mit dem Stolz einer sinkenden Autonomie. Aber auch mit dem neuen Stolz des privilegierten Hauspersonals der Macht. Zur Zeit noch ein bizarrer Tango von Biegen, Aufbäumen, Zerbrechen. Hoffentlich wird dieser Übergang nicht in den Tarnfarben der neuen Brutalität oder im Schwarz der Mafia erfolgen!

-.-

Die Anmache von Vermittlern, die sich aus der Lenkung von Touristenströmen in die Dollarfallen etwas abzweigen. Es ist entwürdigend zu sehen, wie sich an manchen Orten die Hände heben und senken, wenn ein Touri vorübergeht. Für die Würde der Hoffenden aber auch für die meine, der ich mit dem Interesse der Sympathie kam und als blöder Dollarsack, lächeln und zahlen soll.

-.-

Mangelwirtschaft
Es gibt nicht einmal mürrische Gesichter!

-.-

Wie die Wessies im Kosovo

wie die imperialistas in der 3.Welt, so sitzen heute wir, die wir den Kampf ums Überleben zu verlieren erst beginnen in den Hotel-Cafes, vor denen sich die täglichen Niederlagen abspielen in der Musik einer besseren Zeit.

Auch Fidel hat schon verloren. Und wie die Uceka letztlich die Rettung des Kosovo vor dem Verfaulen war und ist, wird sich die neue Diktatur in Kuba wohl leider aus der Polizei der Städte erhe-ben, die den Gestank aus dem sich plötzlich in den Seitenstrassen anhäufenden Abfall und das Aufflackern der Not als Beleidigung empfindet.

Dichter und Philosophen! Verschont das Volk diesmal mit Sprü-chen und lasst es den Weg mit drei ausgebauten Kugellagern, einer selbst gestohlenen Karosserie und einer polizeilichen Aus-nahmegenehmigung selbst erkunden.

-.-

Im Restaurant
Die das Wort erschlagende Parole abgelöst durch die es ersäufen-de Musikanlage. Das Beste klingt schließlich doch nur noch wie: Klingelingeling, jetzt kommt der Eiermann. Propaganda und Animation. Gibt es nichts, das dazwischenpasst?

-. -

Hotel les Vitrales am Prado, Havanna

Über die manchmal seltsam günstigen Preise in den prachtvollen Hotelvillen muss ich mich wundern. Pracht und Prunk der 50er, 30er Jahre, des Jugendstil. Ein Essen zu 10 $ für zwei Personen. Immerhin ein halbes kubanisches Monatseinkommen zur Ballade des Commandante Che. In Deutschland muss ich suchen, bis ich ein Essen für 700€ pro Person bekomme. Später in Santiago zahle ich das gleiche im Wohnzimmer eines zugelassenen Privatrestau-rants. Der Preis des Lebens beginnt ins Unbezahlbare zu wachsen. Kuba vergisst seinen Wert.

-.-

Ein Unterschied:

Aufdrucke von T-Shirts
Texas.Slim Che Guevara F.B.I.

Immerhin: in der DDR war so etwas nicht möglich

-.-

Holguin

Mitten im Sozialismus eine kleinbürgerliche stolze Kleinstadt ohne das Sauertöpfische der DDR.

Varadero „all inclusive“

ist wie Mallorca mit B 6 nichts als das vorgezogene ideal ani-mierte Wohlgefühl eines Altersheims. Fehlt nur ein Wickel- und Windeldienst.

Ist da ein Meer, wenn Hunderte am Strand sind? Ist da ein Berg zwischen Hotels? Ist da etwas zwischen Menschen, wenn sich die Bustüren öffnen?

Diese Land hat eine große, korsische Zukunft.

Die auf weißen Säulen torkelnden Körper der Touristen
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De Ambos Mundos

Hier soff Hemingway. Hast Du nen Dollar für mich?
-.-
Büro der Revolution?

Alle paar Häuser in Havanna diese Benennung. Betriebsrat oder Blockwart?
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Die alten amerikanischen Straßenkreuzer, in der Verwaltung der Revolution gerinnt die Zeit.
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Das vom Schurken Batista nachgebaute Capitol diente seit 1929 als Sitz des Senats und des Repräsentantenhauses. Ist es wirklich ein Grund zum Stolz, wenn es heute die Akademie der Wissen-schaften und ein geologisches Museum beherbergt? Nicht eher ein mahnendes Symbol dafür, was Ideologien zuerst wichtig ist? Management statt Freiheit?

-.-

Gottesdienst in der Kathedrale von Trinidad

Ich fühle als Fremder und atheistischer Evangele das tiefe Ver-trauen, das Kirche -gerade in der Fremde- geben kann, das wohl auch durch keine andere Begeisterung übertroffen wird an Frieden gebender Wirkung.
Nach der Predigt umarmen sich Priester und Gottesdienstbesu-chende. Man redet, lacht miteinander. Ein großes Ausrufezeichen für Revolutionäre.

-.-

Streit mit einem stillen Ideologen
Gläubige ertragen Ungläubige leichter als Ideologen Unbegeister-te. Grässliches Fähnchenschwenken ehrwürdiger älterer Herren zu Fidels Geburtstag vor der Propagandakamera.

-.-

Es dollarschnorren

die wehrfähigen Jahrgänge zwischen 20 und 30 und die Alten häufiger als Kinder, Jugendliche und Hausväter.
Männer häufiger als Frauen.
In Havanna und Santiago, den großen Städten dunklere Junge und hellere Alte.
Niemand in Holguin
Sie bewegen sich und singen in den tausend afrikanischen Dialek-ten. Deutsch? Italiano? Francais? Ein Jean-Paulscher Blumengar-ten von Leid und Leidenschaften. Ein ganz Armer sieht sich um, bevor er rasch und beschämt in sein dunkles Loch geht - und schließt es mit einer Kette zu! Welchen Schatz hütet die Not?
Fidel, Zeit zu gehen.

-.-

In stolzem Flug kreisen die Geier. Sie warten darauf, dass ihnen der Reichtum eines Landes wieder vor die Füße fällt. Die Dichter schweigen und sie tun gut daran. Die Alten auf den Bänken der Prachtstrasse des Batista fallen in den Schlaf eines Alptraums von Chaos.

Ist es schon Handeln des Volkes, wenn es auseinanderläuft, den $ zu suchen oder Afrika zu beten? Dies ist das Ende einer revolutio-nären Vorstellung. Vielleicht aber ist dieser Akt der Auflösung und die damit verbundene Selbsterkenntnis auf die gleiche Weise befreiend wie der Zusammenschluss zur Erhebung von 59. Schade um die Genossen, willkommen Bürgerin und Bürger.

-.-

Guantanamo

Das Experimentierfeld der Unbarmherzigkeit gegen die Unbarm-herzigkeit. Ist das Dein Gott, Amerika?.

-.-



















El mar
el cielo
en azul.
Los labios
una historia de amor
en rojo y negro.

Una vela
y una vela
blanca en mi reflexiones.
Marea baja y alta
vacilandas,
vacilandas en mi corazon.

En que piensas?
Como te sientes? - Cuba?
Tus colores, se reflejan
en mi corazon.
8/03

-.-

Zur Reise:

Nach 8 Tagen wird der härteste Bildungstourist Tourist.
Vom Nebentisch einer mit Che-Mütze. Er redet über das An-spruchsdenken der deutschen Arbeitslosen. Im all-inclusive - Hotel. Großer Wunsch, spanisch zu reden.

Mehrere Neubürger aus dem Osten verbreiten sich lautstark und hochnäsig über die Qualität des für kubanische Verhältnisse üppi-gen Hotelessens

Manchmal stinkt es aus den Kanälen wie zu Hause.

-.-

Rückkehr
Schlüssel und Handy wieder am Mann. Wie schwer! Gibt es so etwas wie Palmen wirklich?

Deutschland bellt.

Die plötzliche, fast zum Erbrechen reizende, Vielfalt der Genuss-mittel, ja der Literatur. Der Schulbeginn der Erstklässler als Start-schuss zum Abi-Marathon. Mit Benimmkontrolle.

-.-

Wir sind -noch- glücklich und reich, vor Kuba nur reich. Verges-sen wir nicht, woher wir gekommen sind, wenn uns unser Glück lieb ist.

-.-

Wer auf dem Fels sitzt, betrachtet gern die Wellen des Meeres. Und wir schreiben schöne Betrachtungen wie: „Der Son ist die Schaumkrone auf einer steigenden Not“.

Ihr aber müsst schwimmen. Hört nicht! Es ist nur ein Wind. Schwimmt!


Das Gras ist verdorrt. Aber aus den Stoppeln schimmern blass-gelbe Blüten hervor und in einer dünneren Reihe Blüten in lila und blau. Die Alleebäume grün wie in einem Kinderbuch. Der Berg in der Ferne von duftigen Wolken umregnet. Dazwischen das durchsichtige Himmelsblau des ersten Herbsttags. Ich komme zurück zu mir. Die prachtvollen Landschaften Kubas treten zurück vor der ebenso schönen Gestalt der Weinrebe vor dem Kompost. Und dieses dünne, Sorgen bereitende gelbliche Gras im Topf am WC-Fenster in seinem dünnen Trauerlied ist lauter geworden als die Erinnerung an den Jubel der Königspalme. Die Menschenge-sichter gehen über in Menschengesichter, scheinen darin auf.

Ich lese das Buch des Schwärmers Cardenal, für den wir schwärmten, über Kuba. Er sah die Revolution und begeisterte sich. Aber er sah auch die Diktatur und schwieg berichtend. Wie wir es diskutierend taten.

Merkwürdig, dass ich als erstes den Bericht von „Frank“ auf-schlage, der aus den USA angereist war, der Revolution zu Hilfe zu kommen. Ein Intellektueller, der erst einmal im Hotel St. John (!) festgehalten, in ein Lager mit Verdächtigen gebracht wurde und dann gnädig mit Arbeiten versorgt. In Pinar del Rio pflanzte er mit anderen Millionen von Eukalyptusbäumen an (Öko-Projekt?). Er bot an, Bibliotheken einzurichten und gab auf, als er sah, wie wenig Wert den Gedanken anderer beigemessen wurde. Ich lese von KZs für Homosexuelle und Christen, wobei Katho-liken sich wendeten, Evangelen sich abwendeten von der Revolu-tion. Zeugen Jehovas wurden –wie so oft als Spione verdächtigt und – fertig gemacht. Ich lese vom immerwährenden 26. Juli, der Dichter so aufregt wie die verblödenden Parolen der Politreklame und auf den nun Weihnachten verlegt werden soll (Nebensaison?). Und ich lese von der Rede des Jefe, der auf das rhetorische Ange-bot, das Volk könne ihn jederzeit, so auch jetzt, absetzen, natur-gemäß frenetischen Beifall erntet. Heuer hat außer Europa nie-mand zugehört. Er bleibt trotzdem.

Wie Cardenal sahen auch wir damals nicht, dass eben nicht das Recht zum Sturz einer Regierung Merkmal von Souveränität ist , sondern das Recht zur eigenständigen Auswahl von Regierung.

Jetzt aber möchte ich in mein kleinbürgerliches romantisches Leben vom Herzen zurückkehren, das fern ist von dem Leben und Kämpfen um Selbstbestimmung, ohne das aber eben dieses leben und kämpfen nichts wäre. Wie es nichts wäre als eine schöne langweilige Ansichtskarte des Lebens ohne eben Leben und Frei-heit. Auch diese Revolutionsverwaltung hat nicht begriffen, dass das Politische nur die eine Seite des Lebens fassen, bedenken und werten kann. Die andere Sphäre der Musik, der Poesie, der Künste und der Religion hat ihren davon völlig abgesonderten Wert. Das Ich kann nicht gleichzeitig das Gesehene und das Sehen bemer-ken. Ich tauche wieder ein in meine andere Sphäre.

Ein finnisches Gedicht
Hell aus der verk******ten Kiefer,
Eine japanische Trauer
Und die bizarren Berichte des Herodot.
Ich kehre heim in meine inneren Zimmer.
In das kleinere Fenster stelle ich eine Erinnerung
In allen Farben einer kubanischen Reise.

Alzey, 7.9.2003 Klaus Wachowski















Der Don Quichotte der Revolution.

Während der Rede 1959 sitzt einer auf einem Lichtermast und sieht sich die Sache von fern an und wird von Alberto Korda fotografiert. Man lacht noch heute. Ein häufig verkauftes Plakat.

Es ist die Rolle des Intellektuellen, der sich nach einer Revolution nicht aufgeben will. Die Rolle des Volkes, soweit es aus Einzel-nen besteht. Dem kann man nur das Beste wünschen.
:dance2: :dance2:


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BeitragVerfasst: Do 9. Okt 2003, 11:22 
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ganz schön lang. Aber interessant :)
Wie oft warst Du schon auf Kuba?

Berni


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BeitragVerfasst: Do 9. Okt 2003, 19:32 
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Registriert: Di 7. Okt 2003, 18:46
Beiträge: 2
[quote]
[i]Original von Berni:[/i]
ganz schön lang. Aber interessant :)
Wie oft warst Du schon auf Kuba?

Berni
[/quote]

Ein mal

KLaus

darauf einen mojito:
:drink:


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BeitragVerfasst: Sa 11. Okt 2003, 17:13 
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Wow!


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