Salsa in München
Von DJ Chuck Herrmann für:
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Die Geschichte der Salsa in München von Von DJ Chuck Herrmann

Die Geschichte der afro-kubanischen bzw. afro-hispanischen Tanzmusik in München aus meiner, natürlich subjektiven, Sicht. Sicher haben andere dies anders erlebt oder sehen es anders, außerdem bitte ich um Entschuldigung, wenn der eine oder andere Protagonist übersehen oder zu wenig ausführlich erwähnt wurde.

Kritik, Änderungen und Ergänzungen jederzeit willkommen an:
chuck-herrmann-music@online.de

Lateinamerikanische Musik, lassen wir mal Tango und Samba beiseite, wird in München spätestens seit den 50er Jahren gespielt und getanzt. Mitte der 50er Jahre als das Mambo-Feuer, angefacht durch die internationalen Erfolge des Mambo-Kings Perez Prado, auch in Europa brannte, waren es Tanzorchester wie Max Greger, Hugo Strasser oder Ernst Jäger, die selbstverständlich auch Mambos, die noch früheren Rumbas und dann auch den Modetanz Cha Cha Cha im Clave-Takt hauptsächlich instrumental, denn spanisch-sprachige Sänger gab es hier kaum, in die Tanzsäle, auf die Faschingsbälle etc. brachten.

Ich selbst kann mich erinnern, daß ich schon 1957, als ich Platten im Holzkirchner „Rock’n’Roll-Club“ auflegte, auch Perez Prado, Xavier Cugat, Edmundo Ros und Tito Puente zwischen Elvis, Haley & Co. mixte und dies bei den Tänzern auch ankam, nicht zu vergessen die Calypsos von Harry Belafonte, welche ja auch oft im Clave-Beat arrangiert waren. Übrigens waren diese Scheiben damals schon auf deutschen Pressungen zu haben.

Der Modetanz Pachanga um 1960 ging an Europa, außer Paris, spurlos vorüber und dann kam die Zeit der Beatles und Rolling Stones, als lateinamerikanischer Einfluß in der Tanzmusik ziemlich in den Hintergrund gedrängt wurde. Ähnlich ging es dem Boogaloo der späten 60er Jahre, der allenfalls bei den Latino-Soldaten der US-Army in deren zahlreichen Clubs gehört wurde.

Meine Liebe zur afrokubanischen Musik, zum Latin-Jazz aber auch zu südamerikanischer und mexikanischer Musik geht weit in die 50er Jahre zurück und wurde hauptsächlich unterstützt durch die regelmäßigen Sendungen auf AFN (American Forces Network), dem damaligen Lieblingssender aller hippen Jugendlichen , der für die mexikanisch-stämmigen Soldaten Trio Los Panchos, Pedro Vargas, Jorge Negrete etc. spielte und für die Boricuas (Puerto-Ricaner) Noro Morales, Puente, Tito Rodriguez etc.

Ab 1969 betrieb ich neben meiner Country- u. Rock’n’Roll-Band und der Tätigkeit als Manager in einer Musikagentur für US-Clubs auch eine mobile Disco, die überall in Soldatenclubs der Army in Süddeutschland gastierte und da wurde ich mit Wünschen für Pete Rodriguez, Joe Cuba, Richie Ray & Bobby Cruz, die damaligen Ikonen der Boogaloo-Aera, die aber auch satte Descargas und Guaguancós spielten, konfrontiert und ich spielte neben James Brown, Tempatations, Janis Joplin und Jimmy Hendrix auch diese Musik um die Latino-Soldaten happy zu machen und mehr und mehr bekam ich die Sammellust und dieser Bereich wurde größer und größer.
Obwohl der Begriff „Salsa“ für alle diese afro-kubanischen und afro-karibischen Rhythmen in spanischer Sprache schon Mitte der 60er Jahre geprägt wurde, sprach damals niemand von „Salsa“, das waren eben Cha Cha Chas, Guarachas, Boleros, Mambos, Boogaloos, Son Montunos, Rumbas usw.

Den größten Schub für die afro-kubanischen Rhythmen gab es um 1970 als der Mexikaner Carlos Santana aus Kalifornien alte Tito Puente-Stücke im Latin-Rock Gewand präsentierte und damit eine ganz neue Generation für die mit Conga, Timbales und Bongó gespielte Musik begeisterte, zudem wurden Mongo Santamaria, Pucho und Willie Bobo mit ihrem Latin-Soul und Latin-Jazz, die bald alle Soul-Bands dazu inspirierten, Latin –Percussion zu besetzen, in der ganzen Welt und damit auch in München bekannt.

Anfang der 70er Jahre gab es in der Münchner McGraw Kaserne einen samstäglichen „Club Latino“ wo ich die Platten auflegte, immer wohl dosiert 50/50 % Mexiko und Puerto Rico, gleichzeitig gab es in der „Carácas-Bar, Nähe Hofbräuhaus“ Latino-Abende mit dem peruanischen DJ Alberto Sagastegui, den ich aber damals noch nicht kannte. Schon seit 1968 konnte man im „La Cumbia“ in der Taubenstraße lateinamerikanische Live-Musik, hauptsächlich Folklore, hören, aber bei den dortigen Faschingsfesten auch Cumbias, Merengues und das was man heute als „Salsa“ kennt.

Schon um 1973 gab es in München ein Salsa-Live-Orchester, die „Latin-Band“ mit den leider verstorbenen Musikern Charlie Campbell und Mike Tatcher, mit Heimo Haider und Hermann Breuer und dem Sänger Guillermo Marchena und den Louis-Brüdern aus Curacao. Dieses Orchester spielte immer donnerstags in der „Jazz-Stube“ in der Herzogstraße und das Reportoire bestand hauptsächlich aus dem der Fania Allstars. Zu dieser Zeit setzte sich statt „Latin Music“ allmählich auch bei uns der Begriff „Salsa“ durch und durch einen gemeinsamen Freund aus Ecuadór lernte ich Alberto kennen und ab dieser Zeit, d.h. etwa ab 1976 traten wir gemeinsam als „Salsa-DJs“ auf.
Alberto legte zunächst im „Evergreen“ in Schwabing auf und ich im „Popclub“ in der Lilienstraße und wir beide dann gemeinsam abwechselnd im Soul-Club „Cadillac“ in der Theklastraße am Donnerstag.

Als Salsa-Publikum gab es damals neben den hier stationierten Puertorikanern der US Army auch eine Anzahl von Südamerikanern, die meist als Studenten nach München gekommen waren und daneben einen harten Kern deutscher Salsa-Fans, welche sich hauptsächlich fürs Plattensammeln, für die Live-Konzerte und für die Latin-Perkussion interessierten. Es wurde natürlich getanzt, aber nicht nach sturen Regeln, wie das heute die Tanzschulen lehren, sondern jeder tanzte frei, so gut er das konnte und allgemein stand die Musik und nicht der Tanz im Vordergrund. Die Münchner Salseros der ersten Stunde interessierten sich für lateinamerikanische Kultur, für Reisen dorthin, für die spanische Sprache, für Politik die Lateinamerika betraf und vor allem für die Musik und deren Interpreten und das Tanzen war eher ein gesellschaftliches Ereignis als dass es wie heute als eine Art „Sport“ oder als Freizeitbewältigung betrieben wurde.

Ende der 70er Jahre gründete dann der Posaunist Rudi Fuesers die „Conexion Latina“, ein Salsa-Orchester, das lange als das beste Europas gehandelt wurde; mit von der Partie damals auch schon der Perkussionist Cesar Granados, der heute noch seine „Latin Perkussion School“ betreibt. Alberto und ich verwöhnten die Leute mit immer mehr und mehr heißen Platten in Lokalen wie „Evergreen“, „Bluegrass“, im „Ralph’s“ in der Leonrodstraße, 1982 und etwas später dann 1983 im „Kilomandcharo“ in Schwabing. Die Fans wurden mehr und mehr und die Puertorikaner waren die Stars auf der Tanzfläche, weil sie die Schritte und Drehungen zur Salsa zwar perfekt aber trotzdem lässig und cool beherrschten, eben nicht wie deutsche Tanzschule. Zu erwähnen wäre natürlich noch Salsa-Pionier Cristóbal Sappel, der seine „Rumba Buena“ in Unterföhring von 1982 bis 1995 betrieb.

Ein besonderes Ereignis waren die Gastspiele des legendären „Machito“ aus New York im „Domicile“ 1982 und 1983 mit dem Star-Trompeter „Chocolate Armenteros“. Einige Münchner Salseros machten sich 1982 auch nach Berlin auf, wo beim Horizonte-Festival Machito, Tito Puente, Mongo Santamaria, Celia Cruz, Willie Colón und Ruben Blades vor 12.ooo Leuten auftraten.

1984-1985 legten dann Alberto und ich regelmäßig am Sonntagnachmittag Salsa im bekanntesten Jazzclub der Stadt, dem Schwabinger „Domicile“ auf; dort gab es öfters auch Live-Auftritte der „Conexiòn“ und von US-Topstars, wie Ismael Miranda, Ray Barretto, Tito Puente und Santos Colón. Als diese Location für den Andrang zu klein wurde, zogen wir mit LPs, Gästen und unserer Salsa 1985 um ins „Wilhelm’s“ in der Georgenstraße und blieben dort bis 1986. Wieder wurde die Location zu klein und Alberto und ich zogen im März 1986 um in die größere Max-Emanuel-Brauerei und bald gab es dort neben dem Salsa-Mittwoch auch einen Salsa-Freitag und an beiden Tagen gab es jahrelang „Full House“ bis das natürlich Konkurrenz auf den Plan rief und so gab es neben der samstäglichen „Rumba Buena“ von Cristóbal Sappel in Unterföhring ab etwa 1988 die Donnerstag-Salsa im „Moonlight“ in der Ainmillerstraße, wo Emilio Palencia der DJ war, sowie das KHG in der Leopoldstraße 1991-1992. Cristobal legte zusätzlich zu seiner „Rumba Buena“ dann ab ’93 noch im „Fortuna“ auf; dies ging nach Unterbrechungen später noch mit anderen DJs weiter. Sporadische Salsa-Veranstaltungen gab es außerdem in der „Margareta-Halle“ 1991, der „Station West“ in Pasing 1992, im „Metropolis“ 1993 und im „Schlachthof" dann regelmäßig von 1991 – 1992.

Weil die Mittwoch- und Freitag- Salsa in der Max-Emanuel-Brauerei so gut lief, daß immer bei 320 Leuten wegen Überfüllung geschlossen werden mußte, gab es dann im Max E. noch zusätzlich den Samstag und als die Betreiber der Max E. dazu noch die Bewirtung des „Metropolis“, dem ehemaligen Mathäser-Festsaal übernahmen zogen Alberto und ich im März 1993 an den Samstagen ins „Metropolis“ um wo viel mehr Leute Platz hatten und es eine viel größere Tanzfläche gab. Bald wurde der Samstag dort zur festen Institution und es waren mindestens 800 Leute, oft bis zu 1.200 die dort samstags Salsa tanzten und ich wage zu behaupten, daß dies die erfolgreichste Salsa-Veranstaltung war, die es in München je gab. Bis zum Umbau des Mathäser-Geländes im Februar 1997 hatten wir vier Jahre lang volles Haus und es gab dort auch viele Live-Highlights, wie die Auftritte etwa von Oscar D’Leon, Orqu. Puerto Rican Power, Conexión Latina, außerdem gab es dort zweimal, erstmals 1993, Münchener Salsa-Tanzmeisterschaften.

Durch Filme wie „Dirty Dancing“ (`87), „Havana“ (`90), „Mambo Kings“ (`92) und den großen Trend daß Deutsche in Florida Urlaub machten, kamen immer mehr Nicht-Latinos auf den Geschmack und während der Zeit des „Metropolis“ verschob sich das Verhältnis Latinos/Deutsche oder andere Länder in der Salsa-Szene von früher 75/25 % auf 25/75 % und da wir Deutsche gerne alles perfekt machen wollen, traten auch bald diverse Tanzlehrer, wie Hakan, Hectór Tramón, Raphael Muñoz, Kathrin Riediger, Elisabeth Duque und etwas später Marion Reittinger und Alexio Schulze, der seit 1992 seinen Club „Salseros Con Chispa“ betreibt, auf den Plan um den vielen Tanzbegeisterten die Grundschritte und Drehungen beizubringen. Hakan veranstaltete auch als erster die Salsa-Schiff-Fahrten am Starnberger See ab 1993. Immer mehr jedoch trat dabei die Musik in den Hintergrund und gerade die hiesigen Live Salsa-Bands, wie die "Conexión Latina", Raul Gutierrez' "Grupo Irazú", zu welchen später noch Alfred Hartmanns "Wawancó", Mauricio Diaz' "Se Formó", Brüning v. Althen's "Sunrise Orchestra" und Zambo Molinas "Los Zambos" und Orquesta La Pandilla des kolumbianischen Sängers David Lenis dazu kamen, taten sich immer schwerer Auftritte zu bekommen, weil die Tänzer lieber zu Schallplatten (ab ca. 1990 CDs) tanzen wollten. Platten und CDs waren inzwischen auch bei uns leichter zu bekommen und bald hatten alle großen Tonträger-Geschäfte auch eine mehr oder weniger gut sortierte Latin-Abteilung. Nicht zu vergessen die Latin-Spezial-Händler Konrad Bengler mit „Contacto Latino“ und Beto Perez.

Der von Hans Ruhland privat betriebene Sender „ Jazzwelle Plus“ auf der 92.4 gab mir die Gelegenheit ab 1986 zunächst einmal monatlich und dann bald wöchentlich ein Zwei-Stunden-Latin-Programm zu moderieren und in den 12 Jahren bis die „Jazzwelle“ 1998 eingestellt wurde habe ich in den etwa 600 Sendungen versucht, den Hörern nicht nur die gängige Tanz-Salsa sondern auch die Folklore, den Jazz und das Umfeld dieser Musik näher zu bringen und bin auf großes Interesse gestoßen. Umfrage-Ergebnisse haben für die Latin-Sendungen auf der JWP bis zu 20.000 Hörer gemeldet. Bei Wunschkonzerten oder Verlosungen konnte ich mich vor Anrufen kaum retten. Kein Vergleich dazu, wenn ich heute bei „Radio Lora“ einmal im Monat moderiere, da gibt es kaum Resonanz und manchmal frage ich mich, ob denn die Leute überhaupt noch an der Musik interessiert sind oder nur der reine Tanzsport zählt.

Auch die Musik, welche in den Salsatecas gespielt wird hat sich im Laufe der Jahre immer wieder verändert: Während in den 70er Jahren natürlich die heiße Salsa-Brava á la FANIA bevorzugt wurde und dazu auch viele andere Rhythmen, wie Cumbia, Merengue, ChaChaCha, Bomba, Plena, Bolero gespielt wurden, trat die heiße jazzige Salsa in den 80ern immer mehr in den Hintergrund und machte Platz für die „Salsa Romantica“ á la Frankie Ruiz, Eddie Santiago, Lalo Rodriguez und auch der dominikanische Merengue hatte in den 80er Jahren mit Wilfrido Vargas, Johnny Ventura, später Juan Luis Guerra seinen großen Höhepunkt. Damals wurden oft genauso viele Merengues als Salsas gespielt, wobei jedoch Bachata noch vollkommen unbekannt war. Die romantische Salsa-Welle dauerte noch lange bis in die späten 90er mit den neuen hübschen, jungen Boys wie Jerry Rivera. Erst um die Jahrtausendwende scheint der Trend wieder zurück zur heißen Musik mit Mambo, Descarga und Salsa-Brava zu gehen, wobei inzwischen die Bachata den Merengue fast verdrängt hat, nicht zu reden vom Reggaeton, welcher nun dabei ist in Lateinamerika die Salsa zu verdrängen.

Als das „Metropolis“ 1997 schließen mußte, wollten sich alle Matadores ein Stück vom Kuchen abschneiden und die Münchner Salsa-Szene in der bis dahin jeder jeden kannte, fiel irgendwie auseinander. Alberto und ich blieben dem Max-Emanuel treu und da die Betreiber des „Metropolis“ sich im Streit trennten, wurden wir beide ausgebootet, indem eine Teilhaberin im „Incognito“ mit wesentlich billigeren DJs einen neuen Samstag-Salsa-Abend aufzog. Wir versuchten es dann im „Hai“ in der Rosenheimer Str., konnten aber gegen die nahe Konkurrenz im gerade angesagten „Kunstpark Ost“ nicht ankommen.

Nun wird es so unübersichtlich, daß es schwierig ist, nichts auszulassen, was Ende der 90er Jahre an Münchner Salsa-Clubs auf- und wieder zumachte. Hakan’s „Beach-Club“ an Freitagen, Raphael’s „Tankstelle“, Ab 1997 Sonntag und Donnerstag im „Skyline“ m. DJ Claudio, Pacho und anderen bis heute noch erfolgreich. Den Montag, zunächst „Descarga“ genannt, im Hotel „Bayerischer Hof“ mit verschiedenen DJs gibt es von 1998 bis heute und ab 1999 in der Nähe des Kunstparks Ost das „Circulo“ zunächst m. DJ Beto und später mit Alberto, Hector Tramón und Chuck. Das Circulo veranstaltet auch seit 2001 die erfolgreiche Praterinsel-Salsa-Open-Airs, wo erfreulicherweise auch Live-Gruppen ein Podium gegeben wird. Nicht zu vergessen die Salsa-Parties beim jährlichen „Tollwood-Festival“ ab 1996. In der „Wunderbar“ gab es von `96-`97 montags „El Barrio“ mit Schwerpunkt auf Boogaloo und Mambos der 60er Jahre; diese Richtung gibt es heute hin und wieder im „Atomic Café“.

Und nun noch ein Wort zu Kuba: In den 60er, 70er, 80er Jahren wußten natürlich die Eingeweihten, daß Kuba die wichtigste Quelle für die meisten Salsa-Rhythmen gewesen ist, doch waren damals, weil Kuba aus politischen Gründen fast unerreichbar war, für uns New York und Puerto Rico der Nabel der Salsa-Welt. Man kannte schon Gruppen wie Irakere oder Los Van Van, aber deren Tonträger waren sehr schwer zu kriegen, oft in schlechter Qualität gepresst und wegen den Trap-Drums beim damals populären Songo bei unseren Tänzern nicht so sehr beliebt wie die aus N.Y., Puerto Rico oder auch Venezuela oder Kolumbien. Mit Glasnost und der Öffnung Kubasfür den internationalen Tourismus um 1990 und auch durch den Zuzug mancher Kubaner via EX-DDR nach München, spielte plötzlich Kuba auch bei uns die Rolle die es eigentlich immer schon verdient hatte. Ende der 90er kam dann durch „Buena Vista Social“ Club die kommerzielle Cuba-Welle ins Rollen und plötzlich füllte archaischer Son im Stil der 20er bis 50er Jahre bei uns Riesen-Hallen, während die Konzerte von Salsa-Stars wie Eddie Palmieri nur noch 100 Leute in Bewegung setzten. Andererseits wollten die hiesigen Kubaner nicht gerade alten Son und auch nicht die puertoricanische Salsa hören, sondern das was heute in Kuba populär ist: die Timba Cubana welche nun ihrerseits auf der Insel wieder große Konkurrenz durch Rap Cubano und Reggaeton bekommen hat.

 

International war zweifelsohne das größte Aushängeschild für die Salsa in München die Ende der 70er Jahre vom Jazz-Posaunisten Rudi Fuesers gegründete Conexion Latina. Deren Tonträger wurden auch in Amerika im Radio gespielt. Die älteren Salseros erinnern sich sicher noch an die vielen Konzerte dieses Orchesters z.B. im „Domicile“. Mit dabei oft international bekannte und herausragende Musiker die fest oder als Gäste mitgemischt haben: Luis Garcia (bekannter Arrangeur, Tesero und Posaunist aus Puerto Rico), Joe Gallardo (international gefragter Latin-Jazz-Posaunist aus USA), Hector Martignón (Pianist aus Kolumbien der später in New York mit Ray Barretto spielte und unter seinem eigenen Namen erfolgreich wurde), Luis Monge,( Pianist und Sohn des damaligen Präsidenten von Panamá), Benny Bailey (sehr bekannter Jazz-Trompeter aus USA), Freddy Santiago,( Perkussionist und Perk.-Lehrer aus Puerto Rico), Cesar Granados,( Perk. u. Perk.-Lehrer, Panamá), Guillermo Marchena (Sänger aus Curacao), Wito Rodriguez (Sänger aus Puerto Rico), Anthony Martinez (Ex-Orqu.Solución-Sänger, P.R.), Nicky Marrero (einer der bedeutendsten Timbaleros der Salsa-Geschichte, N.Y.), Ramón Plaza, Peter Tuscher, Bobby Stern...... und noch viele bekannte Musiker, welche ich hier nicht alle erwähnen kann.

Abschließend möchte ich behaupten: München war und ist die wichtigste Salsa-Stadt in Deutschland. Sicher gibt es schon lange auch Salsa in Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt oder Stuttgart, jedoch hat München die älteste Szene, die meisten bekannten Musiker und Orchester die meisten Salsotecas und auch die meisten Veranstaltungen.

Ich hoffe, daß dies noch lange so bleibt und daß die „Nur-Tänzer“ auch entdecken, wie schön und abwechslungsreich diese Musik ist und daß man sie in erster Linie hören und genießen sollte und sich von Live-Auftritten in Stimmung bringen sollte. Salsa ist nicht „ein“ Modetanz, sondern hinter diesem Wort verstecken sich Dutzende von verschiedenen Rhythmen und dahinter steckt die afro-karibische Kultur spanischer Sprache! Salsa ist ein Spiegel der Gesellschaft der urbanen Zentren Lateinamerikas! Salsa ist kein Sport sondern in erster Linie Musik und ich hoffe, daß es auch in Zukunft noch Veranstalter gibt, die das Risiko nicht scheuen, Live-Bands zu engagieren und die genannten „Nur-Tänzer“ nicht nur auf ihre Schritte und Drehungen achten, sondern auch Live-Konzerte besuchen, Salsa-Tonträger kaufen um die Musik zu unterstützen und nicht zuletzt auch uns DJs treu bleiben.

Januar 2006
Chuck Herrmann


Live-Konzerte in München

Salsa live konnte man in München im Laufe der Jahre immer wieder erleben, wenn auch leider die Salsa-Tänzer der neueren Generation bei Salsa-Konzerten eher durch Abwesenheit glänzen. Hier nur eine kleine Auswahl von Konzerten an welche ich mich erinnere:

1982 Machito Y Su Orquesta – Domicile
1982 Ismael Miranda con Conexión Latina – Domicile
1983 Machito Y Su Orquesta – Domicile
1983 Ray Barreto con Cali Alemán - Domicile
ca. 1983 Tito Puente – Domicile
ca. 1984 Richie Ray & Bobby Cruz –US- Kirche im Perlacher Forst
ca. 1985 Wilfrido Vargas – Schwabingerbräu
ca. 1985 Los Van Van - Theaterfabrik
1985 Ruben Blades - Theaterfabrik
1986 Willie Colon – Theaterfabrik
1987 Larry Harlow con Nicky Marrero – Max-Emanuel-Brauerei
1987 Luis Perico Ortiz – Theaterfabrik
ca. 1988 Mezcla (Cuba) – Nachtwerk
1986 Celia Cruz – Circus Krone
1986 Eddie Palmieri – Circus Krone
1986 Las Chicas Del Can - Theaterfabrik
1986 Ray Barretto – Alabamahalle
1986 Adalberto Alvarez y su Son – Alabamahalle
1987 Ray Barretto – Theaterfabrik
1990 Irakere – Max-Emanuel-Brauerei
1990 Arturo Sandoval – Schlachthof
ca. 1990 Orqu. Tumbatá - Hofbräukeller
1991 Gloria Estéfan – Olympia-Halle
ca. 1990 Tata Güines – Max-Emanuel-Brauerei
ca. 1992 Orquesta De La Luz (Japan) – Alabamahalle
1992 Tata Güines – Bayerischer Hof
1993 Oscar D’León – Metropolis
1993 Gilberto Santa Rosa – Sheraton-Hotel
1993 Sierra Maestra – Muffathalle
1994 Grupo Raison (Cuba) - Metropolis
1994 Carlos „Patato“ Valdez – Muffathalle
1994 Hilton Ruiz – Bayerischer Hof
1994 Vocal Sampling u. Arturo Sandoval – Bayerischer Hof
1994 Oscar D’León – Muffathalle
1994 Sierra Maestra - Muffathalle
1994 Ray Barretto – Bayerischer Hof
1994 Grupo Turqueno(Cuba) – Muffathalle
1994 Francisco Ulloa (Merengue) – Muffathalle
1994 Tito Nieves - Muffathalle
1995 Oscar D’León – Metropolis
1995 Hermanos Moreno – Muffathalle
1995 José Alberto, El Canario - Muffathalle
1995 Orqu. Puerto Rican Power – Metropolis
ca. 1996 Eddie Palmieri – Philharmonie
1996 Tito Puente – Bayerischer Hof
1996 José Alberto, El Canario – Muffathalle
1996 Poncho Sanchez – Bayerischer Hof
1996 Orqu. Elio Revé – Bayerischer Hof
1997 Eddie Palmieri – Bayerischer Hof
1997 Alfredo De La Fé – Bayerischer Hof
1997 Las Canela (Cuba) – Muffathalle
1997 José Alberto u. Celia Cruz – Metropolis
1997 Jesús Alemany Y Cubanismo – Bayerischer Hof
1997 Willie Colón – Bayerischer Hof
1997 Grupo Niche - Colloseum
1998 Jesús Alemany Y Cubanismo – Bayerischer Hof
1998 Oscar D’León – Muffathalle
1998 Ruben Gonzalez / Ibrahim Ferrer – Muffathalle
1998 Issac Delgado – Bayerischer Hof
1998 Afro-Cuban Allstars – Muffathalle
1998 Orquésta Aragón – Muffathalle
1998 Jimmy Bosch – Bayerischer Hof
1998 Arturo Sandoval – Bayerischer Hof
1999 Chico Freeman m. Hilton Ruiz u. Giovanni Hidalgo – Bayerischer Hof
1999 Ruben Blades – Tollwood
1999 La Charanga Habanera – Bayerischer Hof
1999 Celia Cruz / José Alberto – Colloseum
1999 Sierra Maestra – Muffathalle
1999 Eddie Palmieri – Bayerischer Hof
1999 Afro-Cuban Allstars – Muffathalle
1999 Jesús Alemany Y Cubanismo – Bayerischer Hof
1999 Compay Segundo – Circus Krone
2000 John Santos / Omar Sosa – Bayerischer Hof
2000 Manolito Y Su Trabuco – Muffathalle
2000 Caridad Hierrezuelo – Muffathalle
2000 Ricard Lemvo Y La Makina – Bayerischer Hof
2000 Toto La Momposina (Col.) – Bayerischer Hof
2001 Alfredo De La Fe – Bayerischer Hof
2001 Sonora Carruseles – Muffathalle
2001 Azúcar Negra – Skyline
2001 Paris Salsa Allstars m. Alfredo Rodriguez – Bayerischer Hof
2001 Africando – Muffathalle
ca. 2001 Orlando „Maraca“ Valle – Bayerischer Hof
2002 José Alberto, El Canario – Bayerischer Hof
2002 Eddie Palmieri – Bayerischer Hof
2002 Azuquita Y Su Melao – Bayerischer Hof
2002 Los Van Van – Bayerischer Hof
2002 Conjunto Guitaras Y Trovadores – Bayerischer Hof
2002 Aramis Galindo – Muffathalle
2003 Africando- Bayerischer Hof
2003 Manolito Y Su Trabuco – Muffathalle
2003 Caridad Hierrezuelo – Muffathalle
2004 Grupo Niche – Zenith-Halle
2004 Adalberto Alvarez Y Su Son – Bayerischer Hof
2004 Ricardo Lemvo Y La Makina – Muffathalle
2004 Maraca’s Otra Visión – Bayerischer Hof
2004 Aventura – Musikpalast
2004 Pio Leyva – Muffathalle
2004 Raul Paz – Bayerischer Hof
2005 Aventura - Elserhalle
2005 Issac Delgado - Palacio
2005 Mercado Negro – Bayerischer Hof
2005 Maraca Y La Otra Vision – Bayerischer Hof
2005 La Charanga Habanera – Bayerischer Hof
2005 La Sonora Universál – Brunnenhof der Residenz
2005 Spanish Harlem Orchestra – Muffathalle

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