Salif Keita Ampere München 2017

Wer sich an diesem Mittwochabend in das Ampere aufmachte, war vielleicht etwas skeptisch was ihn dort erwarten würde. War die Tournee, auf der Salif Keita in München Station machte, doch als Akustiktour angekündigt worden. Begleitet werden sollte er von Gitarre, Kora, Ngoni, Perkussion und zwei Backgroundsängerinnen. Nachdem auf der Bühne ein Schlagzeug stand, war klar, dass die Besetzung eher dem entsprechen sollte, was man von Keita gewohnt war. Die Gitarre war elektrisch  und statt Ngoni war ein Keyboard aufgebaut. Positiv überrascht dürfte zudem gewesen sein, wer sich über den Gesundheitszustand des Meisters Gedanken gemacht haben sollte. Bestritt er doch vor zwei Jahren seinen Auftritt bei den Afrikatagen auf der Theresienwiese fast ausschließlich im Sitzen. Dieses Mal wurde der sich auf der Bühne befindende Stuhl einzig vom Koraspieler benutzt, was ob der Handhabbarkeit des Instrumentes niemand überrascht haben dürfte. So stand einem angenehmen Abend, bei dem das Publikum die Hüften kontinuierlich kreisen lassen konnte, nichts mehr im Wege. Salif Keita zeigte Präsenz durch seine unverkennbare Stimme, wobei er seinen Musikern genug Raum ließ, den passenden Klangteppich um ihn herumzuweben.

Wie kaum anders zu erwarten, hatte er ein hervorragendes Ensemble mitgebracht, in das sich auch der Koraspieler Mamadou Diabaté einreihte, der zu den herausragenden Vertretern seiner Zunft gezählt wird. Keita war ja noch nie ein Vertreter ausdrucksstarker Gestik auf der Bühne. Mit der bloßen Kombination von Anwesenheit und Gesang zog er bei weitgehend in gedämpften Ocker-, Rot- und Blautönen gehaltener Bühnenbeleuchtung die meiste Aufmerksamkeit auf sich. Als sich gegen Ende dann Besucher auf der Bühne zum Tanz bei den Musikern einreihen durften, nutzte Keita die Szenerie um sich unauffällig und geräuschlos von der Bühne zu entfernen. Statt einer erhofften weiteren Zugabe,  machten die DJs der anschließenden Refugee Welcome Jam Party unüberhörbar klar, dass der Auftritt nach knapp eineinhalb Stunden zu Ende war und nur von ihrer Anlage weiter afrikanische Klänge zu hören sein würden.

Stephan Deisler

Zu den Fotos