Bericht: Tony Allen Band – Jazz Sommer im Bayerischen Hof – 22.07.2015

20150722_Tony-Allen-Band_Jazz-Sommer-Bayerischer-Hof_MunichIMG_7686Tony Allen Band – Jazz Sommer im Bayerischen Hof – 22.07.2015

Mit großem Interesse erwarten Musikfans in München jeden Sommer das Programm des etablierten Jazz Sommers im Bayerischen Hof. Interessant wird es immer auch deshalb, da der Begriff Jazz weit ausgelegt wird und damit eine breite Zuhörerschicht anspricht. Den Auftakt durfte dieses Mal Tony Allen mit seiner Band machen. Viel wurde vorab über ihn berichtet. Bekannterweise war er mal der Schlagzeuger in der Band von Fela Kuti. Wobei man fairerweise anmerken muss, dass Allen die Band eigentlich musikalisch zusammengehalten hat. Ohne ihn hätte es keinen Fela Kuti gegeben, wie er uns in Erinnerung geblieben ist und den Begriff Afrobeat, der viele, auch nichtafrikanische Musiker inspiriert und beeinflusst hat, würde es ohne Allen wahrscheinlich nicht geben. Im gutbesuchten Festsaal erwarteten die Besucher einen entspannten Tony Allen. Im mittlerweile reifen Alter, in dem man sich üblicherweise und ohne schlechtes Gewissen seiner Rente widmen dürfte, muss er niemandem mehr etwas beweisen.

Allen pflegt keinen optisch spektakulären Schlagzeugstil. Es sind die kleinen Nuancen in der Polyrhythmik, die sein Können ausmachen. Eigentlich singt er auch, was aber eher einer Art Sprechgesang ähnelt. So drehte er den Mikrofonständer nach einiger Zeit zur Seite und widmete sich fast nur noch dem Schlagzeugspiel. Die Länge der Stücke könnte theoretisch unendlich sein, was einem signifikanten Teil afrikanischer Musik im Allgemeinen und dem nigerianischen Afrobeat im Speziellen gemein ist. Die Musiker der Band sorgten für einen dichten Klangteppich und setzten ihre instrumentalen und solistischen Akzente. Cesar Anot am Bass war hier akustisch wohl am bemerkenswertesten. Allen ließ es sich nicht nehmen, den Zuhörern zwischendrin kleine, aber auch ausführlichere, nicht immer leicht verständliche Portionen seiner Lebensweisheiten zukommen zu lassen. Es war ein Abend der subtileren Spannungsmomente. Gute zwei Stunden durfte man sich durch die Rhythmen in Schwingung und für den restlichen Jazz Sommer in Stimmung bringen lassen.

Von Rechtsanwalt Stephan Deisler

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