Bericht: Konzert Los Van Van und Havana d’Primera in der Muffathalle München am 31.10.2013

Muffat_Van-Van_20131031_221657_HavanadePrimera_DSC_7521Gut eineinhalb Jahre ist es hier, seit sie das letzte Mal hier waren. Los Van Van ist wahrscheinlich der einzige und beste kubanische Garant für einigermaßen gefüllte Hallen. So ist es schwerer geworden, andere interessante Gruppen häufiger zu sehen. Eine Möglichkeit diesem Dilemma zu begegnen,  ist die Hinzunahme einer Vorgruppe oder positiver ausgedrückt, ein Doppelprogramm auf die Reise zu schicken. Nun, in diesen Genuss durften die Anhänger kubanischer Musik dieses Mal kommen. Havana d’Primera, eine der neueren und angesagten Bands durfte den  Auftakt machen. Einige waren sogar hauptsächlich wegen ihnen gekommen. Und sie wurden nicht enttäuscht. Mit Muffat_Van-Van_20131101_000518_HavanadePrimera_DSC_7601feiner abgestimmter Timba, die nicht aufdringlich und schrill wirkte, wussten sie zu gefallen. Dass dieser Stil auch in angemessenem und rhythmisch abwechslungsreichem Tempo gespielt werden kann, verkörperte die Truppe mit Leichtigkeit. Alexander Abreu mag nicht der begnadetste Sänger sein, aber er ist unverwechselbar präsent mit einer ihm eigenen, mächtigen Ausstrahlung. Zwischendrin wusste der Bassist, als einer von vielen hervorragenden Musikern der Band, mit Cachao ähnlicher Descarga zu begeistern, die Abreu  unter Zuhilfenahme seiner eigentlichen Herkunft, der Trompete, mit prägnanter Intonation ergänzte.

 

Nach einer nicht allzu langen Pause drapierte sich die 16 Mann starke Truppe von Los Van Van über die Bühne. Die personelle Präsenz erinnerte in beeindruckender Form fast ein wenig an ein Schlachtschiff. Die langjährige Existenz und prägende Wirkung auf die kubanische Musik verleiht ihnen allein schon eine Art Platzhirschstatus. So lieferte Van Van an diesem Abend auch, was man von ihnen erwartete: Tanzbare und vielfach wuchtige Nummern hauptsächlich aus der jüngeren Vergangenheit. Ältere Kracher kamen kaum vor. Vielleicht war das auch ganz gut so. Gehen die Protagonisten jener Zeit, auch auf den einprägsamen Gesangs- und wichtigen Kompositionspositionen mittlerweile doch weitgehend eigene Wege und sind nicht mehr Teil der Band. Gelten sie zwar nicht als die allerwendigsten, erfüllen Schlachtschiffe jedoch einen wichtigen Teil in einem Verbund von verschiedenen Richtungen, wie man die kubanische Musik auch sehen kann. Oft sind sie aufgrund ihrer Stärke letztlich entscheidend. So hat Los Van Van seinen gehörigen Anteil an der Entwicklung der ganzen Szene. Was bleibt ist ein langer Musikabend mit einer für uns erfreulichen Premiere. Gerne sehen wir wieder einen Doppelpack.    

Stephan Deisler für www.Latino-Groove.de

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