Bericht: Orquesta Buena Vista Social Club feat. Omara Portuondo Muffathalle 2012

Orquesta Buena Vista Social Club mit Omara Portuondo in der Muffathalle München am Freitag den 16.11.2012Wer hätte gedacht, dass der Name Buena Vista Social Club nach so vielen Jahren noch so eine große Anzahl von Leuten mobilisieren würde. Nicht ausverkauft, aber richtig voll war die erst kürzlich nach mehreren Wochen Schließung wieder offene, „überholte“ und mit neuer und luftigerer Decke versehene Muffathalle. 16 Jahre sind mittlerweile vergangen, seit Ry Cooder dieses mittlerweile legendäre Projekt auf den Weg gebracht hat. Ein großer Teil der Frontfiguren ist in der Zwischenzeit gestorben. Neben ein paar Instrumentalisten sind von der vorderen Reihe eigentlich nur Eliades Ochoa und Omara Portuondo übrig geblieben. Ersterer ist mit seiner eigenen Gruppe unterwegs. Um letztere hat man von der „Originalgarde“ Barbarito Torres, Guajiro Mirabal und Jesus Ramos gruppiert. Auch der Tresspieler und von Omara später als ihr Ehemann vorgestellte Papi Oviedo, obschon nicht Mitglied von Buena Vista der ersten Stunde, aber als Musiker legendär, war dabei. Torres und Oviedo absolvierten den Großteil des Abends sitzend. Aufgefüllt und damit personell aufgefrischt wurde das verbliebene Vakuum mit jüngeren Musikern aus der reichhaltigen Talentschmiede Kubas.

Das Konzert begann zunächst ohne Portuondo. Die meiste Aufmerksamkeit zog deshalb die Sängerin Idania Valdés auf sich, die mit beeindruckender Stimme und Bühnenpräsenz zu überzeugen wusste. Nach einer knappen Dreiviertelstunde gesellte sie sich schließlich zur zwischenzeitlich warmgespielten Truppe und es war klar, dass sie die Chefin war, auf die alle gewartet hatten, die Grande Dame des Son und Bolero. Wer sich einige ruhigere Stücke aus ihren letzten Einspielungen erwartet hatte, wurde vielleicht eher enttäuscht. Das Ensemble drückte nämlich rhythmisch ordentlich aufs Tempo und Omara war stimmlich, aber auch sonst recht fit und flott auf der Bühne unterwegs. Dabei wurden erfreulicherweise im ersten Teil des Konzerts der breiten Öffentlichkeit auch nicht so bekannte Weisen angestimmt. Im weiteren Verlauf wurden dann doch noch einige Kracher ausgepackt. Anders wäre es kaum vorstellbar gewesen und so begeisterte es sichtlich auch das Publikum. Letztlich blieb ein schöner, routiniert vorgetragener Auftritt hängen, womit die traditionelle Musik Kubas, die im eigenen Land kaum noch jemand hört, wenigstens außerhalb den Zuspruch erfährt, den sie verdient. Jedoch bleibt offen, wie die Akzeptanz in einigen Jahren aussieht, wenn kaum noch Originalprotagonisten auf der Bühne stehen werden.   

Stephan Deisler für www.Latino-Groove.de

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