Alfredo de la Fe – Jazz Sommer im Bayerischen Hof am 19. Juli 2012

Schon immer hat es eine Rolle gespielt, in welcher Lokalität ein Latinkonzert stattfindet und welches Publikum sich folglich dort einfindet. Das hat oft entscheidenden Einfluss auf die Stimmung und eine gelungene oder weniger gelungene Veranstaltung. Selten hat man allerdings so wenig Latinos gesehen, wie an diesem Abend im Festsaal des Bayerischen Hofs. Bevor Alfredo de la Fé mit seinem Auftritt begann, betonte er die Bedeutung von München für seine Musikkarriere und fragte ins Publikum, wer Spanisch spräche. Die Anzahl der Meldungen, die zu sehen waren, konnte man fast an einer Hand abzählen. Es lässt sich nur mutmaßen, woran es gelegen hat. Kann sein, dass der von der Klassik kommende Kubaner de la Fé über verschiedene musikalische Stationen wie Warschau, New York, San Francisco, Kolumbien und schließlich wieder New York einfach zu viel herumgekommen ist, sodass sich ihm keine „Hausmacht“ mehr zuordnen lassen kann. Vielleicht lässt er sich auch musikalisch nicht so leicht einordnen. Sagte doch einer der Herren am Einlass einer fragenden Dame, dass das hier ein Jazzkonzert sei. Was de la Fé mit seiner gut gelaunten Truppe dann spielte, waren aber sehr traditionell am Salsa orientierte Rhythmen, denen er mit der Violine seinen Stempel aufdrückte. So schaffte er es im Verlauf des ersten Teils bemerkenswerterweise das Saalpublikum in Schwung und Bewegung zu bringen, obwohl doch sonst anwesende Stimmungsmacher in den vorderen Reihen praktisch fehlten.

Auch klassische Tänzer konnten Gefallen finden, waren neben Salsa auch Weisen, wie Cha-Cha-Cha, Bolero und selbst ein Danzon im Programm. Die kurze Pause nutzte eine geraume Anzahl von Besuchern, sich abzusetzen. Ein paar mögen auch in den Night Club in das dort um 22.00 Uhr begonnene Konzert gegangen sein. So musste die Band im zweiten Set fast noch einmal von vorne anfangen und erstaunlicherweise gelang es ihr wieder, die noch Verbliebenen mit einem flotten Auftritt in Schwung zu bringen. Gegen Ende durfte dann eine etwas improvisierte Version von „Chan-Chan“ nicht fehlen, was beim Publikum gut ankam. Als dazu dann noch die lokalen Größen Mauricio Diaz und Diony Varìas auf die Bühne kamen, sich nahtlos in die Gruppe einreihten und ihr Können aufblitzen lassen durften, wurde der Kreis mit „Latino-München“ doch noch versöhnlich geschlossen.  

 

Stephan Deisler für www.Latino-Groove.de