Toto la Momposina – Cumbia live aus Kolumbien im Ampere München am 17.07.2012

120717 Toto La Momposina Ampere MunichEine Kollegin aus Kolumbien, der ich am Tag von dem am selben Abend stattfindenden Konzert – nicht ohne einen gewissen Stolz – erzählte, erwiderte sichtlich erfreut ob meiner unerwarteten Musikkenntnisse: „Ah, Toto la Momposina, es una leyenda.“ Ins Ampere kam sie am Abend dann aber nicht, was ihr nachzusehen war. Wer entscheidet sich schon für das, was er zuhause häufig haben kann, wenn er einmal von weither nach München kommt. Obwohl, dort wäre sie auf eine stattliche Gruppe von Landsleuten getroffen, die durch teilweise landestypische Kleidung und Sombreros nicht zu übersehen waren. Sie wollten sich das Ereignis nicht entgehen lassen. Schließlich war schon eine geraume Anzahl von Jahren vergangen, seit Sonia Bazanta Vides, wie Toto mit bürgerlichem Namen heißt, nicht mehr hier war. Nun verbindet man Legenden, so sie denn noch unter den Lebenden weilen, meist mehr mit Vergangenheit als mit Gegenwart und schon gar nicht mit Zukunft. Da die Cantadora mittlerweile in einem Alter ist, in dem man sich mit dem Ende des Berufslebens zumindest beschäftigen könnte, um damit den Status einer lebenden Legende zu pflegen, durfte man auf den Auftritt gespannt sein. Schnell wurde klar, dass sie mit einem Rentnerdasein gar nichts am Hut hat. So wie sie mit ihrer achtköpfigen Truppe kommunizierte, hatte man fast den Eindruck, die Königin der Tambores, wie sie auch genannt wird, hatte einen Teil ihrer männlichen Großfamilie mitgebracht.

Während die Trommel- und Bläserfraktion zu Brüdern, Schwager und Söhnen gezählt hätten werden können, hätten der Gitarrist und Bassist fast Enkel sein können. Fast ein wenig stolz erklärte Toto, dass sie neben der „klassischen“ Instrumentierung auch E-Gitarre und E-Bass dabei hätten. Bei ihren Tänzen zeigte sie, dass sie noch leicht mit Jüngeren mithalten kann. Toto entpuppte sich auch als Geschichtenerzählerin. So erfuhr man zu vielen ihrer Lieder etwas über Herkunft und Entstehung. Wer weiß schon, dass deutsche Instrumente einen Teil zur Entwicklung kolumbianischer Volksmusik beigetragen haben? Es ging aber nicht nur klassisch traditionell zu an diesem Abend. Dazu trug vor allem die „Jungenfraktion“ an Gitarre und sechsseitigen Bass bei. Da blitzte schon mal kurz ein santanaähnlicher Klang auf. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die beiden Vertreter der Saiteninstrumente auch mal gerne losgerockt oder gerappt hätten, wenn man sie denn gelassen hätte. Daraus entstand ein Spannungsbogen, der sich über den Abend hinzog. Da muss einem nicht bange werden, dass Toto sich in Kürze dem Rentnerdasein widmen könnte. Wer Tradition pflegt, aber so aufgeschlossen anderen Rhythmen und für den Musikstil vergleichsweise „neuen“ Instrumenten gegenüber steht, bleibt uns wohl noch lange auf der Bühne erhalten. Dass sie nach wie vor den Kontakt zum Publikum nicht scheut, demonstrierte sie nach dem Konzert, als sie wahre Fotoorgien mit Fans geduldig über sich ergehen ließ. Selten bekommt bei einem Konzert eine sich der 100% Marke nähernde Zahl von Besuchern ihr Foto mit dem Star des Abends.       

Stephan Deisler für www.Latino-Groove.de

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