Los Van Van in der Muffathalle München – Freitag 16. März 2012

Los Van Van in München Salsa Kubana Songo liveSeit dem Jahr 1969 existiert Los Van Van. Sie haben viel für die Geschichte des kubanischen Salsa und deren Entwicklung getan. Die Kultur ihres Landes haben sie in die Welt hinausgetragen. Selbst beim Erzfeind wenige Meilen nördlich durften sie auftreten. Die Musik, die sie in den Anfangszeiten spielten, würde für heutige Ohren eher befremdlich klingen. Viel Anklang würden sie damit nicht mehr finden. Es ist unvermeidbar, dass es in einem Zeitraum von über 40 Jahren Veränderungen gibt. Bandmitglieder gehen und kommen. Oft bringt das neue Frische und bewirkt Schritte nach vorn. Manchmal bedeutet es auch Stagnation oder gar Rückschritt. Bei Los Van Van ist nicht zu übersehen, dass im Lauf der Jahre prägende Personen die Gruppe verlassen haben und schwer, zumindest gleichwertig ersetzt werden konnten. Zu nennen sind insbesondere der charismatische Sänger Pedrito Calvo, der Keyboarder und maßgebliche Songschreiber Pupi. Der letzte bemerkenswerte Abgang war nun der Sänger Mayito. In den letzten Jahren stagnierte die Qualität des Songmaterials. Nun ist es eine schwere Bürde, auf gleich bleibend hohem Niveau das Schild der bekanntesten Salsaband Kubas und damit auch eines bedeutenden Kulturgutes vor sich her zu tragen.

Die Musiker insgesamt sind immer noch von hoher Qualität. Die Auftritte garantieren damit solide Vorstellungen. Wer nun viel Neues oder Überraschungen erwartet hatte, wurde enttäuscht an diesem Abend. Zu kubanisch früher, deutscher, mittlerweile üblicher Zeit mit wenig Verspätung begann die Band gegen 21.30 in der doch etwas überraschend gut gefüllten Muffathalle. Die Menge der Anwesenden spricht für den bekannten Namen und einer gewissen Erwartung auf die Performance der Band. Ist ein bedeutender Teil der hiesigen Salsagemeinde Livekonzerten doch eher wenig zugänglich. Wer einen späteren Beginn erwartet und sich dementsprechend orientiert hatte, versäumte nicht viel, denn das erste Drittel schleppte sich so dahin. Auch blieb so genug Zeit sich zu orientieren und das unter den Anwesenden sich in der Mehrheit befindende Salsa-Cubana Volk der Landeshauptstadt und Umgebung zu sichten.
Zur Mitte des Konzerts war eine Steigerung zu verzeichnen. Der große Anteil neueren Songmaterials trug wohl auch dazu bei, dass die Stimmung nicht so recht zum Kochen kommen wollte. Erfrischend war der neue Sänger Mandy Cantero. Er trat allerdings noch wenig in den Vordergrund und beschränkte sich meist auf Backgroundgesang.
Nach gut zwei Stunden inklusive einer Zugabe durfte man das Fazit ziehen, einen soliden routinierten Auftritt gesehen zu haben. Vielleicht war es aber auch das, was den Erwartungen der meisten entsprochen hat. Schließlich sind Solidität und Verlässlichkeit heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr.
 

Stephan Deisler für www.Latino-Groove.de

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