INTI RAYMI – südamerikanisches Sonnwendfest – Truderin München

Vergangenen Sonntag, 25.06.2011, fand in Trudering das 2. Sonnwendfest „INTI-RAYMI“ statt. Inti Raymi ist das Fest der Sonne. Es ist das bekannteste Fest der Anden. Zu Zeiten der Inkas war es das wichtigste Fest im Jahr – die Feier der Wintersonnenwende, der Beginn des neuen Erntejahres zu Ehren des Sonnengottes (Inti = Sonne) und der Mutter Erde (= Pachamama).
In der andinen Welt ist die Mutter Erde heilig. Sie birgt das Leben und steht für die Präsenz des Schöpfers der Welt. Um diese Einheit aufrecht und im Gleichgewicht zu erhalten, zelebrieren die Urvölker gewisse Rituale und Zeremonien. Die Zeremonie wird in Quechua, der Sprache der Inkas, abgehalten.
An jedem 24. Juni wird das Init Raymi Fest neu belebt und mit einem prachtvollen Fest zelebriert.

Jahrhundertealte Tänze, farbenfrohe Trachten und andine Folkloremusik zeigen den unübertrefflichen Reichtum der andinen Kultur, mit der die Einwohner bis heute tief verwurzelt sind und welche sie in ihren Herzen weitertragen.
Die Veranstalter von Chasqui e.V. (= Deutsch-Lateinamerikanischer Kulturverein, s. www.elchasqui.de) hatten ein buntes, beeindruckendes Programm für die zahlreichen Besucher – einer bunten Mischung aus Latinos verschiedenster Nationen und interessierten, neugierigen Deutschen – vorbereitet. Das Fest begann um 13:00 Uhr und endete nach 22:00 Uhr. Die stolzen 28 Programmpunkte beinhalteten Auftritte von Musik- und Tanzgruppen aus Bolivien, Ecuador, Chile und Peru. Viele der Künstler waren aus ganz Deutschland und sogar extra aus verschiedenen Ländern speziell für das Fest der Sonne, Inti Raymi, nach Trudering angereist. Die engagierten Moderatoren Christoph Götz und Vivien Fernandez führten auf eine sehr lockere, ansprechende und integrierende Art und Weise durch das bunte Programm.
Mich persönlich faszinierte die Anfangszeremonie zu Ehren der Mutter Erde, incl. Opfergaben der Gruppen verschiedener südamerikanischer Länder in ihren traditionellen Trachten, sehr und ich wollte diese eigentlich andächtig und konzentriert mit verfolgen. Ich befand mich jedoch an einem Platz umgeben von eifrig schnatternden und lachenden Südamerikanerinnen und da war es mit meiner Andacht nicht mehr ganz so weit her. So ließ ich mich mehr und mehr zu einem zwar begeisterten, jedoch weniger andächtigen, Beobachten sowohl der Zeremonie als auch der Zuschauer, verleiten. Das war jedoch auch völlig okay. Denn auf diese Art und Weise ließ ich mich von der ganz eigenen, südamerikanisch gelebten Begeisterung der ZuschauerInnen um mich herum anstecken.
Die vielen Darsteller und Besucher, die permanente Farbenpracht der traditionellen Kostüme und die verschiedenen spanischen Dialekte formierten den ganzen Tag über ein Fest für meine Sinne, meine Ohren und meine Augen. Das leckere Essen der reichen südamerikanischen Küche an den verschiedenen Ständen tat sein Übriges. Durch die tolle Qualität und den Hochgenuss der Delikatessen wurde das „typische“ (und doch einigermaßen im Rahmen bleibende) Chaos beim Kauf der notwendigen Essensmarken vorab sowie das turbulente Anstehen in einer der vielen Menschenschlangen, die jeweils an einem einzigen Essensstand mehr oder weniger geduldig warteten, entschuldigt.
Die Besucher trotzten dem teilweise schlechten Wetter unter dem regensicheren Pavillon. Die Gäste an unserem Tisch – zwei Ecuadorianer – waren sogar extra aus Saarbrücken angereist, um das Event live miterleben zu können.
Meine Freude wurde jedoch leider etwas getrübt als mich ein äußerst arroganter, unhöflicher Chilene, der am selben Tisch saß wie wir, sehr uncharmant und unverfroren auf Spanisch aufforderte, nun zu gehen, da hier nun Künstler sitzen wollten. Hätte er höflich gefragt, wäre es für mich völlig in Ordnung gewesen, einen anderen Sitzplatz für uns zu suchen. Seine Unhöflichkeit ging mir jedoch entschieden zu weit und ich ließ ihn dies klar und deutlich auf Spanisch wissen. Ich signalisierte ihm, dass seine schlechten Umgangsformen überhaupt nicht angebracht seien und er sich eigentlich dafür schämen solle. Zum ersten Mal in meinem Leben wurde ich von einem Latino so behandelt und fühlte mich ziemlich diskriminiert. Das fühlte sich wirklich nicht toll an und ich lernte daraus, dass man in puncto Diskriminierung wohl tatsächlich keinen Bezug zu bestimmten Nationen herstellen kann.
Zu guter letzt zogen wir dann doch um an einen anderen Tisch, saßen bei anderen, total netten, Latinos und genossen weiterhin das tolle Fest.
Ich freue mich jetzt schon auf Inti Raymi 2012.
Vielen Dank an alle Künstler, Helfer, die Veranstalter und Moderatoren für dieses schöne und ganz besondere Fest.

Marie-Luise Glaser für www.LatinGroove.de

Zu den Fotos der Fiesta