Bericht über Salsa in Colombia – Nov. – Dez. 2007

Von Catwiesl

Ich war im November / Dezember 2007 für 1 Monat in Kolumbien und möchte Euch ein bisschen was über meine Tanz- und Musikerfahrungen in diesem Land erzählen.

Dazu im Vorfeld etwas über die Geographie: Kolumbien besteht neben den 3 Anden-Kordilleren aus Pazifikküste, Karibikküste, Amazonastiefland, den Llanos (Riesiges Tiefland nördlich des Amazonasgebiets bis zur venezuelanischen Grenze). Genauso vielfältig wie Landschaften und Klimazonen, ist die Musik, sind die Tänze und Rhytmen, die ich gehört und gesehen habe. Musikalische Einflüsse kommen aus Afrika (Afrocolombia, hauptsächlich in den Küstenregionen), aus Europa (hauptsächlich Spanien), aus der Karibik und den Anden.

In Kolumbien gibt es enorm viele verschiedene Rhytmen, neben den uns bekannten wie Salsa, Son, Cumbia und Merengue gibt es sehr viel Vallenato, mir bislang teilweise völlig unbekanntes wie Porro, Fandango, Bullerengue, Danzon, Joropo, Mapalé, aber auch Tango, Pasodoble und Música Andina habe ich gehört. Jeder Kolumbianer kann diese Liste bestimmt noch beliebig erweitern.

Die Ausgehszene habe ich so erlebt, dass der „gemeine Kolumbianer“ hauptsächlich von Donnerstag bis Sonntag auf der Piste ist. Montag bis Mittwoch ist eher zuhause angesagt. Bis auf wenige Ausnahmen (z.B. in Cali so eine Art Kunstpark-Ost-Gegend, einige Diskotheken und natürlich Dorffeste), ist in Kolumbien um 2 Uhr morgens alles geschlossen. Das habe ich als Nachteule als ziemlich störend empfunden, denn da fängt’s ja bei uns manchmal erst an. Dies liegt wohl daran, dass die Leute bis vor ein paar Jahren nach Anbruch der Dunkelheit gar nicht mehr aus dem Haus sind und dass auch heute die Sicherheitslage nur solange ungefähr gewährleistet ist, als auch Polizei und Militär in den Strassen unterwegs sind. Wenn die dann Feierabend machen, sollte man insbesondere in den Städten schauen, dass man nach Hause kommt. Die Leute gehen aber am Wochenende teilweise schon mittags weg zum tanzen (und trinken), daher relativiert sich das dann wieder.

Das Weggehen wird allgemein „rumbear“ genannt. Das ist im kolumbianischen Wortschatz ein eigenes Verb und bedeutet soviel wie Weggehen, Freunde treffen, ein paar cervecitas oder tragos aguardiente trinken, tanzen, feiern.
Rumbear ist für die Kolumbianer die ich getroffen habe, das größte.

Natürlich wollte ich unbedingt erst mal wissen, wie denn nun die Kolumbianer Salsa tanzen und bin daher als erstes mal in „die“ Salsametropole Cali gefahren. Es gibt ja zahlreiche auch uns bekannte gute Kolumbianische Salsabands wie Grupo Niche, Grupo Gale, Orquesta Guyacán, La 33, Yuri Buenaventura etc. Viele davon kommen aus der Cali-Ecke, aber auch aus Bogotá, dem Raum Medellin und aus Barranquilla an der Karibikküste.

Nun, in Cali ist tatsächlich Salsa die Nummer 1. Es gibt 2 Hauptausgehgebiete und da hört man wirklich überwiegend Salsa. Den Tanzstil den sie dort tanzen, wurde mir von den Kolumbianern als Salsa Colombiana beschrieben, von den dort lebenden Ausländern aber als Salsa sencilla bezeichnet (einfaches Salsa). Und das trifft es auch ganz gut. Es gibt wenig bis fast keine Figuren, höchstens mal eine langsame Drehung, aber dafür viel viel Beinarbeit und viiiiiel Rhythmus. Man kann Salsa Colombiana mit jeden Schuhen und auf jedem Boden tanzen. Sehr hüft- und knieschonend. Natürlich gibt’s auch Ausnahmen, z.B. so was ähnliches wie Salsa Cubana und wohl das, was die in Puerto Rico tanzen. Also mir hat das alles ganz gut gefallen.
In anderen Landesteilen läuft dann nicht mehr so viel Salsa. An der Karibikküste hören die Leute eher Vallenato, Porro und afrikanische Rhymen. Im Raum Medellin habe ich viel Cumbia gehört. In Bogotá viel „Crossover“, was das ganze Spektrum der música latina abdeckt.

In der Region Medellin, wo ich mich neben Cali relativ lange aufgehalten habe, lief neben Música Paisa (im Prinzip Cumbia) auch viel Reggaeton (klar, das macht nirgends halt!). Allerdings werden uns bekannte Reggaetonstücke mit anderen witzigen Texten gesungen und mit Cumbiarhytmen vermischt oder landesweit bekannte Vallenatos und Cumbias als Reggaeton abgeändert, so dass mir auch das gefallen hat. Ich kam einmal in den Genuss eines „Reggéton-Paisa“-Life Konzerts und das war echt klasse!
Ein wichtiges Instrument beim Vallenato ist übrigens das deutsche Akkordeon. Der Legende nach entdeckten vor rund 100 Jahren Fischer an der Karibikküste im Nordosten Kolumbiens einen skurrilen Schatz. Aus dem Bauch eines manövrierunfähigen deutschen Frachters bargen sie Hohner-Akkordeons, die eigentlich für Argentinien bestimmt waren, das Land des Tangos. So aber wurde das Akkordeon für Kolumbien entdeckt. Von der Karibikküste gelangten die Quetschkommoden ins Hinterland. Dort entstand schließlich eine ganz eigene Musik.

Fazit meiner Reise ist: Kolumbien ist ein absolutes Tanz- und Musikland. Wer aber Salsa tanzen möchte, wie wir es hier kennen, der ist in Cuba, Puerto Rico oder New York sowie natürlich Europa etc. vermutlich besser aufgehoben. Cuba bleibt für mich das Land zum tanzen Numero 1, als Reise- und Musikland ist Kolumbien aber eine Alternative (wenn man die diversen Nachteile wie hohe Kriminalität, Sicherheitslage im Land, Politik- und insbesondere Drogenpolitik in Kauf nehmen möchte).