Bericht – Bolero Flamenco – Teatro Espanol – Prinzregententheater München – 3. August 2006

Zum Bericht von Rosella

Flamenco mit Facettenreichtum – Am 3.August besuchte ich die Premierenvorstellung des Teatro Espanol – Bolero Flamenco.
Das spanische Ensemble, das aus 35 Tänzern, Musikern und Sängern besteht, zeigt derzeit im Prinzregenten Theater drei Originalchoreografien von Rafael Aguilar. Dadurch wurde ein großes Spektrum des Flamencos gezeigt.
Über die Herkunft des Begriffs „Flamenco“ gibt es kontroverse Meinungen, ob nun von den Flamen, von Zigeunerstämmen oder aber aus den Begriffen „flameante“ (strahlend, leuchtend) oder „flama“ (hell, grell, sichtbar), die typischen Elemente des Flamenco sind das Zusammenspiel aus Gesang, Tanz, der Musik und den Fuß- und Klatsch-Rhythmen.

EL RANGO ist ein Tanztheater Stück nach dem Drama „Bernarda Albas Haus“ von Garcia Lorcas. Die Handlung beschreibt die Statusbesessenheit einer Mutter zu ihren 5 Töchtern. Die jüngste Tochter rebelliert, indem sie ihre erotischen Wünsche in der Nacht tanzend auslebt, die Konfrontation mit der Mutter endet tragisch.
Sehr eindrucksvoll wurden hier mit Modernem Tanz in Verbindung mit Sprache, Bewegungskanon und der Musik des Flamenco die tragische Geschichte erzählt.

Während die Tänzer sich nun umzogen, präsentierten die Musiker ein Zwischenspiel. Mit zwei Gitarren, einer Flöte und Percussion wurde nun zum ersten mal die Lebensfreude der Truppe präsentiert.

Danach kam der wohl jedem bekannte BOLERO (Musik: Maurice Ravel). Umgesetzt wurde er mit einer Frauengruppe in elegantem Rot (und später einsetzenden Tänzern), die bald die Bühnenmitte freigaben für die zentrale Figur des Stücks, ein junger Mann mit freiem Oberkörper, der mit dem Rhythmus des Stückes spielte mit immer wieder folgenden Bewegungen. Diese sinnlich optische Umsetzung begeisterte das Publikum (und mich!) mit exzellenten Tänzern und Ausdruckskraft.

Nach der Pause folgte „SUITE FLAMENCA“. Nun zeigte die Kompanie einen tanzexplosiven Streifzug durch die Gefilde des Flamenco. In dezent attraktiven Kostümen saß die Gruppe zusammen mit den Musikern, Sängern und Tänzern in einem Kreis auf der Bühne, um die jeweiligen Solisten anzufeuern. Feuer pur zeigte die rassige Rosa Jiménez mit ihrer Alegria, bei der im wahrsten Sinn des Wortes die Fetzen flogen. Gefolgt wurde sie von einer Petenera im weißen Schleppenkleid. Dann der Höhepunkt des Stückes, Francisco Guerrero zeigte mit seiner Farruca ein Zapateado Feuerwerk, spielte differenziert mit Fußrhythmen und einem Spazierstock als zusätzlichem Taktgeber. Nach dem Finale der gesamten Truppe wurden sie von dem beifallklatschendem Publikum zu 2 Zugaben zurückgeholt.

Was mich an dem Abend besonders begeistert hat, war der Facettenreichtum zwischen Modern Dance und Flameco, Musik und Rhythmus, Leidenschaft und Ausdruckskraft, ohne sich des „bunten Kastagnetten Klischees“ zu bedienen.

Das Prinzregententheater begeistert mich immer wieder durch die Konstruktion der Sitzreihen. Jeder Platz bietet freie Sicht auf die Bühne (im Gegensatz zu so manch anderem Theater in München) und somit ein Augenschmaus für jeden, der gutes Sitzfleisch auf den Holzstühlen beweist.

Brigitte Finger