Bericht und Fotos zum Salsaball Wien + Interview mit Henry Herrera im Mai 2006

Zum Bericht von Luna und Carlos

1. Internationaler Latino Ball
am 13. Mai 2006

Die fünfstündige Anreise mit dem Zug verlief vollkommen stressfrei, wenn wir auch wegen der frühen Abfahrt (07.30 Uhr) etwas unausgeschlafen, was aber keinesfalls die Vorfreude schmälerte, die Reise antraten. Eine schön gestaltete und übersichtliche Homepage mit einem eigenen Bereich (sowie einem Chat) für die zahlreichen Teilnehmer und insgesamt fünf Newsletter informierten im Vorfeld über alles Wissenswerte, was diese Veranstaltung betraf: Wir konnten auf ein bemerkenswertes Wochenende gespannt sein.

In Wien angekommen fanden wir uns recht schnell mit den U-Bahn-Linien und später auch mit den Nachtbussen zurecht. Das Accor Suitehotel, mit dem der Veranstalter einen Sonderpreis ausgehandelt hatte und das nur 40 m von der U-Bahn-Station „Vorgartenstraße“ entfernt lag, bot uns ein großzügiges Zimmer, welches mit Kühlschrank, Mikrowelle und Wasserkocher ausgestattet war. Um das leibliche Wohl mussten wir uns also, auch dank des Spar-Supermarktes um die Ecke, keine Sorgen machen.

Bereits am Freitag um 17 Uhr begannen die ersten Workshops, wo auch die Abschlussparty stattfinden sollte, nämlich im stadtbekannten Latino Club „Floridita“. Henry & Edie hielten ihre drei Unterrichtsstunden professionell, jedoch mit nur mäßigem Enthusiasmus ab. Wie erwartet fanden sich hier trotz dem eine Menge Leute ein, so dass extremer Platzmangel in den eh schon nicht besonders großen Räumen herrschte. Aber Henry machte uns auch unter diesen Umständen Dampf unterm Hintern und entließ, nach zwei Partnerwork- (Cuban und L.A.) und einer Rueda de Casino Stunde, seine Schützlinge schwitzend zur wohlverdienten Pause. Denn schon bald ging’s weiter:
Alle bereits anwesenden Teilnehmer waren zur abendlichen Eröffnungsparty in den „Kursalon“ geladen. „Der 1865 im Stil italienischer Renaissance erbaute Kursalon zählt zu den exklusivsten und prachtvollsten Gebäuden Wiens. Besonders die wunderbare Solitärlage im Wiener Stadtpark, die großartige Terrasse, von der man direkt in diesen großen innerstädtischen Landschaftspark gelangt, zeichnen den Kursalon aus,“ nach den Worten des Veranstalters, denen wir uneingeschränkt beipflichten können. Eine solche Salsa-Location hätten wir in München auch gerne… Leider verlief der erste Abend, bis auf die Vorstellung der Instructors, welche kleine Kostproben des an diesem Wochenende zu Erlernenden gaben, musikalisch in jedem Fall „fad“. Während der ganzen Veranstaltung fiel uns auf, dass in Wien, wie auch in Linz und Innsbruck, vorwiegend Salsa Cubana getanzt wird… Austria, ein kubanischer Ableger?

Die Workshops am Samstag und Sonntag wurden in den zwei Sälen mit den wohlklingenden Namen „Strauss“ und „Schubert“ des Kursalons sowie im Floridita abgehalten. Besonders neugierig waren wir auf Lee & Shelley aus London, die fünf Stunden des Wochenendes abhalten sollten, deren Namen wir aber noch nie gehört hatten. Gleich in ihrem ersten Workshop verstanden sie es in den von Manuel Mascarell zurückgelassenen Haufen Salseros, welche wohl von „seduction on the dancefloor“ noch ganz verwirrt waren, Ordnung zu bringen, denn plötzlich hieß es „Line up!“ und Lee erklärte, dass wir zu Gunsten des Lernerfolges häufig Partner wechseln würden. Die sich harmonisch ergänzenden, gleichberechtigten Partner lieferten uns zahlreiche, anspruchsvolle und astreine N.Y.-Style Folgen on 2 mit vielen essentiellen Technikerklärungen. Easy peasy, wie Lee, der zwei Fische sein eigen nennt, zu sagen pflegt.
Thank you very much! Gorgous!

Der groß angekündigte Latino Ball – „Er ist ein feierlicher Höhepunkt im Rahmen des Lateinamerikanischen und Karibischen Kulturfestivals ONDA LATINA und steht unter dem Ehrenschutz von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer“ – am Samstagabend erfüllte die Erwartungen der Salseros nur teilweise. Das kubanische Ensemble „Pancho Amat y su Cabildo del Son“ ebenso wie eine Latino Quadrille und eine Samba Show konnte nur von einem Teil der Anwesenden genossen werden, da der Strauss Saal restlos überfüllt war und man sich nur unter Einsatz der Ellbogen Zutritt verschaffen konnte. Die restlichen Ballbesucher (derer einige an der Zahl; Wiens high society lässt grüßen!) amüsierten sich aber scheinbar prächtig und hatten auch kein Problem mit der Enge und dem verzögerten Beginn der „internationalen Tanz Shows“. Für ihre extra für den Ball kreierte Show von Manuel Mascarell und Barbara Cano trug er ein Renaissance Kostüm und sie eine kleine aufreizende (durchsichtige) Schleppe, sowie einen Zylinder. Gil & Anke (Austria, Mexico) hatten ebenso wie Rafael Ruiz und Betty das Motto „Wilder Westen“ gewählt; während aber Rafael und Betty sich eher klassisch und unauffällig kleideten, glänzten erstere in pink und weiß. Die Show von Edie „The Salsa Freak“ und Henry Herrera entwickelte sich aus „Der Zauberer von Oz“: Henry trug wie immer ein besonders ausgefallenes Kostüm, er stellte die Vogelscheuche dar, während Edie natürlich Dorothy verkörperte. Aber nicht nur die außergewöhnlichen Kostüme, auch die präzise Choreographie zur abwechslungsreichen Musik und zu Guter letzt das Espinoza-Rad lösten regelrecht Begeisterungsstürme aus. Das sympathische Pärchen aus London, Lee & Shelley, erntete für ihren Auftritt ebenfalls eine Menge Applaus, da auch sie zeigten, was es bedeutet, mit der und zur Musik zu tanzen. Es hatte sich doch gelohnt, dass wir uns davor die Füße in den Bauch gestanden hatten.

Für die Salseros wurde es, besonders in dem für sie eigens eingerichteten Schubert Saal, erst gegen 2 Uhr richtig lustig, als bereits viele Besucher den Ball verlassen hatten. Gegen 5 Uhr drehte man ihnen allerdings die Musik ab und forderte sie zum heimgehen auf.

Im Laufe des Sonntags lichteten sich die Reihen der Workshop-Teilnehmer zusehends. Wir aber nahmen bis zum bitteren Ende teil und hatten sogar noch die Energie zur Abschiedsparty ins Floridita zu gehen. Die Musik dort übertraf alles am Wochenende gehörte, so dass die Teilnehmer noch jede Menge Energie freisetzten und die Stimmung bis in den frühen Morgen genial war. In dieser heiteren Atmosphäre wagte Carlos dann auch ein kleines Tänzchen mit Lee, welcher sich unglaublich gut führen ließ. Allerdings endete diese Tanzrunde zu Los Van Van’s „Tim-Pop con Birdland“ in einem wilden Afro-Sandwich…

Ein Kompliment an Vincent und Susi vom salsaAustria.com Club, die die Organisation ihres ersten großen Events bravourös meisterten. Vielen Dank für diese tolle Veranstaltung!

Servus Wien – vielleicht bis zum nächsten Jahr…

von Carlos und Luna
(Bericht und Fotos)

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