Bericht und Fotos vom Salsafestival Bulgarien 2006 in Sofia 12. – 14- Mai 2006

Zum Bericht von Steffi

Zum zweiten Mal fand am vergangenen Wochenende das „Fanta BGSalsafestival“ in Sofia statt. Mehr als 4000 Salseros folgten dem Aufruf von Hauptorganisator Stefan Elenkov und seinem Team und kamen an diesem strahlend schönen Wochenende in die bulgarische Hauptstadt. Als Workshoplocation und Kongresshotel fungierte das Hotel „Princess Sofia“, in dem ein Großteil der Teilnehmer auch übernachtete. Die Parties dagegen fanden allesamt im Military Club knappe 10 Minuten per Shuttelbus entfernt statt. Das eingerichtete Shuttlebus-System zwischen Hotel und Partylocations funktionierte bis auf kleinere Zeitverschiebungen sehr gut. Aber der Reihe nach.

Nachdem ich bereits am Frankfurter Flughafen zwei bekannten Salseros in die Arme gelaufen war, die ebenfalls beide mit mir nach Sofia fliegen würden, konnte das Wochenende richtig losgehen. Bei strahlend schönem Sonnenschein verließen wir Frankfurt planmäßig und erreichten bei ebenso schönem Sonnenschein +1 Stunde Zeitverschiebung die bulgarische Hauptstadt. Ankunft Sofia-Airport, Freitagnachmittag. Erster positiver Eindruck: mit der richtigen (offiziellen!) Taxi-Gesellschaft bezahlt man für die knapp 15km lange Strecke zum Hotel nur 5€. Nach Registrierung und Check-In im Hotel wurde erst einmal das Programmheftchen in die Hand genommen, um zu sehen, was uns dieses Wochenende alles erwarten würde. Nationale und internationale Shows, eine große Auswahl an interessanten Workshops, die bulgarischen Salsameisterschaften sowie die Vorausscheidungen standen ebenso auf dem Programm wie Party bis 7 Uhr morgens.

Die Freitag-Abend-Shows fanden alle im Bulgarian Army Theater statt. Das sehr schöne Theater (allerdings war es heillos überfüllt) zauberte ein unbeschreibliches Feeling in den Saal. Alle Zuschauer hatten einen guten Blick auf die sehr gut ausgewählten Shows. Neben nationalen Tänzern wie Los Pambos und Salsa Caliente waren bereits heute schon große Namen wie Alex Lima, Leo Rose, Salsa Dance Squad und Tropical Gem vertreten. Den Höhepunkt machte aber sicherlich die Performance der Swing Guys aus Italien mit ihrer einfallsreichen und komischen Comedy-Show ganz im Zeichen von Stars and Stripes. Das Publikum war von Anfang bis Ende begeistert. Standing Ovations und ein nicht endender Applaus empfing alle Artists nach allen Shows zurück auf die Bühne wo alle gemeinsam nochmals für das tobende Publikum tanzten.

Direkt im Anschluss ging es weiter zur Welcome-Party zum Military Club der nur schräg gegenüber des Theaters lag und in seinen verschiedenen Räumlichkeiten alle Parties des Wochenendes beherbergen würde. Die Welcome-Party war geprägt von chronischem Platzmangel und schlechter Luft in den Räumen, obwohl ein etwas versteckter riesiger Raum im Eingangsbereich fast leer war. Der vorhandene Balkon diente als gerngesehene Abkühlmöglichkeit und auch als stilleres Plätzchen um die ein oder andere Bekanntschaft zu schließen. Und da die Getränkepreise bei einem durchaus akzeptablen Durchschnittspreis von 1€ lagen, konnte auch die Hitze durchaus ausgehalten werden. Als um 3 Uhr morgens das letzte Lied gespielt wurde, teilte sich die Masse. Die einen nahmen den Shuttlebus zurück zum Hotel, die Tanzwütigen gingen in die Bar at the end of universe um bis 7 Uhr morgens weiterzufeiern.

Für alle im Hotel „Princess Sofia“ untergebrachten Nachtschwärmer wurde der Samstag bereits um kurz vor 10 Uhr schon zum Tag, wenn man noch etwas vom Frühstücksbüffet bekommen wollte. Dies hatte den Vorteil, dass die um 11 Uhr beginnenden Workshops bereits sehnsüchtig erwartet wurden. Auf Grund kleinerer technischer Probleme startete das ganze jedoch erst gegen 11:30 Uhr, was der Laune der Teilnehmer aber keinen Abbruch tat und die einzige Ungereimtheit des ganzen Wochenendes bleiben sollte. Ein bunt gemischtes Workshopprogramm von Rueda über Rumba, Bachata, ChaChaCha hin zu den Klassikern LA/NY und den verschiedenen Styling-Klassen für Männlein und Weiblein erwartete uns. Besonders interessant war der Zouk-Kurs, den es nur sehr selten auf einem Kongress zu finden gibt.

In der Mittagspause fand die erste Ausscheidungsrunder der BG Fanta Salsa Competition statt. Neben sehr vielen bulgarischen Amateur- und Profitänzern hatten sich auch ein paar ausländische Paare aus Deutschland, Italien und der Türkei an den Contest gewagt. Jedoch stellte man sehr schnell fest, dass zumindest das Herz des Publikums national schlug. Nichtsdestotrotz schafften es die beiden deutschen Paare bis ins Finale am Sonntagabend!

Der Samstag verging wie im Flug und schon machte man sich bereit für die große Galanight im Military Club. Diesmal wurde der Raum gewechselt, das gesamte Abendprogramm fand in einem großen und herrschaftlich anmutenden Saal mit Kronleuchtern und Stuck-bearbeiteter Decke statt. Einzig die Bühne, mit knapp 2 m Höhe war etwas gewöhnungsbedürftig sowohl für Tänzer als auch für die Zuschauer, aber so konnte auch der in der letzten Reihe stehende Salsero noch gut sehen. Die Shows boten ein sehr abwechslungsreiches Programm, alle Stars gaben sich die Ehre, nur Luis&Melissa von Mas Salsa Brava mussten auf Grund einer Verletzung ihren Showauftritt absagen. Auch heute war das Showfinale wieder in italienischer Hand, doch diesmal in umgekehrter Reihenfolge: erst die Swing Guys, dann Tropical Gem. Und wieder war das Publikum begeistert! Wie bereits am Vorabend kamen die hartgesottenen Tänzer erst wieder gegen 7 Uhr direkt zum Frühstück nach Haus, was niemanden davon abhielt, vier Stunden später wieder an den 11 Uhr Workshops teilzunehmen. Hier noch ein Lob an den Veranstalter, dass in allen Workshopräumen kostenlos Wasserspender zur Verfügung standen!

In der Mittagspause fand die zweite Qualifikationsrunde für die am Abend statt findende BG Fanta Salsa Competition mit Qualifikation zur World Salsa Championship Las Vegas 2006 statt. Und auch heute war die Ausscheidung in bulgarischer Hand. Die Jury mit insgesamt 9 Mitgliedern, darunter Susanna Montero, Luis Vazquez, Maria von Los Pambos, Paul Young von SalsaUK und noch viele mehr, hatten keine leichte Entscheidung, die 10 Finalisten bekannt zu geben, die am Sonntagabend noch einmal gegeneinander antreten würden.

Und an diesem Abend geschah, was die Salsawelt bis dato noch nicht gesehen hatte. Bereits im Vorfeld war klar, dass die Gewinner entweder Kiki&Eli von Los Pambos oder Alfredo&Maria von Alfredo Style/Vamos-Salsa sein würden. Beide Paare stammen aus Sofia, gehören den beiden größten Tanzschulen der Stadt an und hatten jeweils die Hälfte des Publikums auf ihrer Seite. Dementsprechend laut wurde es, als beide Paare gemeinsam auf der Bühne den Social-Dance-Teil des Wettbewerbs tanzten. Als Anmerkung hierzu: Die Reihenfolge wer mit wem auf der Bühne steht, wurde per Los entschieden! Also schon der erste Zufall, dass die Lokalmatadore gemeinsam antraten. Noch größer aber die Überraschung, dass die 9 Jury-Mitglieder in den 6 zu bewertenden Kategorien beiden Paaren unabhängig voneinander die gleiche Punktzahl gaben! Das hatte die Salsawelt noch nicht gesehen. Zwei Gewinner und es ging sicher alles mit rechten Dingen zu, musste doch fast zwei Stunden auf das Ergebnis gewartet werden. Umso größer die Freude auf der Bühne bei den Teilnehmern und auch im Publikum! Alle lagen sich in den Armen und feierten den Erfolg, nun zwei Paare zur Weltmeisterschaft nach Las Vegas schicken zu können! Bei soviel positiver Stimmung wurde auch die Abschiedsparty zu einem megamäßigen Erfolg. Jeder tanzte mit jedem, es gab so gut wie keine Körbe, Freudentränen soweit das Auge reichte und als plötzlich bulgarische Nationaltänze aus den Boxen klangen, gab es für die Sofianer und bulgarischen Tänzer kein Halten mehr. Und die Nicht-Bulgaren? Die wurden einfach mitgerissen in dieses Meer an positiver Energie und purer Lebensfreude. Dass auch diese Party nicht vor 7 Uhr morgens endete, brauche ich hier nicht zu erwähnen.

Und schon ging es zurück nach Frankfurt und kein geringerer als Albert Torres, Organisator eines der weltgrößten Salsaevents in LA mit erwarteten 25000 Teilnehmern leistete uns bei diesem Flug Gesellschaft. Schon ein faszinierendes Gefühl mit jemandem zu diskutieren, der Salsagrößen wie Tito Puente, Celai Cruz und Ray Baretto seine persönlichen Freunde nennen konnte und einen Großteil der heutigen Stars noch in den Anfängerschuhen kennen gelernt hatte. Thank you to Albert for this wonderful time

 

Ein kurzes Resumé zum Schluss: Dieser Kongress war einer der sympatischten, bestorganisierten und schönsten Kongresse, die ich je erlebt habe. Ich bin sehr froh, dass ich dabei sein konnte, gratuliere den Veranstaltern nochmals zu diesem phänomenalen Erfolg und freue mich bereits aufs nächste Jahr!

 

von Steffi

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