Bericht und Fotos zur Salsa-Szene in Prag im April 2006

Zum Bericht von Luna und Carlos

Für die Städtereise nach Prag schlossen wir uns einer organisierten Bustour an. Dies schonte sowohl das eigene Auto, als auch den Geldbeutel und wir kamen in den Genuss eines hoch gepriesenen, günstigen Hotels, das unsere Erwartungen leider nicht ganz erfüllte (der Frühstückstraum hatte das Flair einer Kantine und es schmeckte leider auch so…), aber es lag günstig zur U-Bahn, die uns in 7 Minuten in die Altstadt von Prag brachte.

Am ersten Tag kauften wir eine Führung in die Altstadt hinzu, welche uns am Ende des Rundgangs in die Nähe des „Muzeum“ brachte, so dass wir vorab schon mal die Lage der für diesen Abend angepeilten Salsatheka checken konnten.

Das Jam-Cafe (dienstags, Narodni 25, 110 00 Praha 1, ab 21 Uhr) machte tagsüber einen angenehmen Eindruck und wir beschlossen, auch mangels Alternativen, später wieder zu kommen. Als wir gegen 21 Uhr dort eintrafen (kein Eintritt!), lief gerade noch der Einführungskurs mit Honsa (zu Deutsch: Hans ;D ). Der Abend entpuppte sich mehr als Übungsabend seiner Tanzschule, denn der Tanzstil der anwesenden TänzerInnen ließ sich unschwer als Honsa’s erkennen. Die Stimmung war aber dennoch gut und ausgelassen, nur die Musik eher mäßig, da der DJ wohl sehr auf unbekannten Miami soft-sound stand. Wir bekamen allerdings fast durchgehend Salsa zu hören, bis auf zwei Bachata’s (die aber erst gegen Mitternacht). Als dann das gewünschte erste Timba-Lied von Los Van Van (Tim-Pop con birland) kam ließen wir uns nicht lange bitten und legten zu viert eine von Honsa angesagte Rueda auf's Parkett, welche uns an manche Grenzen brachte, sowohl was das Tempo anging, als auch die getanzten Figuren (…noch nie gehört, noch nie getanzt…). Auch ein Tänzchen mit dem Meister selbst war für Renate eine Herausforderung – sowohl Cuban- als auch L.A-Style gehört zu seinem Repertoire – und scheinbar führen alle Tschechen eher etwas spät, was unser Münchner Mädel ziemlich verunsicherte. Auf der anderen Seite hatten die von Honsa ziemlich gut unterrichteten chicas einen sehr fortgeschrittenen, ausgeprägten und mit zahlreichen Spielerein versehenen L.A.-Style drauf. Im Verlaufe der Nacht wurde es trotz Ventilatoren mächtig heiß im Jam-Cafe, doch durch die moderaten Getränkepreise konnten wir dem Körper das verlorene Wasser (der Caipi kostet durchschnittlich 100 Kronen = 3,50 € !) wieder in ausreichender Menge zuführen.

Der Reiseveranstalter ließ uns am zweiten Tag in den Genuss einer Führung durch den „Hradschin“ kommen und so waren wir bis zum späten Nachmittag mit Sightseeing beschäftigt. Zu unserem Erstaunen hörten wir in fast jedem dritten Laden Latinomusik aus den Boxen (sowohl Salsa, als auch Merengue und Bachata), Lateinamerika-Boom in Tschechien??? Bevor wir zum "Tanzenden Haus" kamen, schlürften wir schnell noch jeweils einen Latte Macchiato (45 Kronen = 1,60 € !) im VLTAVA Cafe Restaurant, und was lief für Musik? Natürlich Celia Cruz mit "La vide es un carneval"…, irgendwie aber auch passend zu den vielen Bildern professioneller Tänzer, die schön ausgestellt an der Wand hingen. Das Mánes (freitags, Masarykovo nábeží 250, 110 00 Praha 1) machten wir auch noch von außen aus: Ein quadratischer einstöckiger Betonbau ganz in der Nähe von der modernen "Tanz-Architektur".
Nachdem wir uns am Abend mit einer superleckeren Tomatensuppe und Pizza bzw. Lasagne gestärkt hatten, brachen wir zum Tropison (täglich, Namesti Republik 8, 110 00 Praha 1, ab 21 Uhr) auf. Obwohl uns der Platz bereits vom Vortag bekannt war, konnten wir das Lokal einfach nicht finden. Wir irrten umher und fragten eine Menge Leute, die zwar sehr nett waren, uns aber nicht helfen konnten. Entmutigt wollten wir schon fast aufgeben, da beschlossen wir, das Einkauszentrum KOTVA doch noch mal zu umrunden…. und siehe da, ein bisher übersehenes Schild wies uns den Weg: Ein kleiner Aufzug beförderte uns in den fünften Stock in eine überraschend große Lokation, die noch ziemlich leer war. Leider wurde sie auch im Laufe des Abends nicht wirklich voller… Hier war zu bemerken, dass eher a la cubana getanzt wurde, womöglich auch ein Übungsabend der Tanschule vom cubanischen(?) DJ? Hingegen war die Musik irgendwie monoton, denn man konnte kaum erkennen, wann ein Lied zu Ende war und das nächste begann, und so guckten wir lange Zeit den Tänzern zu. Als dann einmal die Scheibe aussetzte, griff unser Mr. Schlaftablette wohl zur nächstbesten CD: Los Van Van. Nach drei Liedern aus dem Live-Album "En el malecón de La Habana" war aber auch schon Schluss mit dem Genuss und so brachen wir vor Mitternacht auf. Fraglich, wie ein Club mit vielleicht 30 Gästen überleben kann, die keinen Eintritt bezahlen. Aber am Wochenende ist wohl mehr los, denn die Öffnungszeiten beeindruckten uns schon (von 21 Uhr bis 6 bzw. 7 Uhr). Übrigens: Ein kleiner Abstecher zur Theke im hinteren Teil des Lokals lohnt sich wirklich! Der junge Barkeeper hatte es voll drauf, und selbst das Zum-O-Saft-Greifen (für mein Special-Mix) wurde zum Erlebnis!

Unsere Rückfahrt brachte uns noch nach Karlsbad, aber zwischen 11.30 Uhr und 13.15 Uhr hatte leider keine Salsatheka geöffnet… (gibt es überhaupt dort eine?) 😀

Insgesamt muss man schon sagen, dass Prag eine tolle Stadt ist! Sie wird uns in Erinnerung bleiben wegen:

– der vielen schönen (alten) Gebäude
– der (echt gefährlichen) Turbo-Rolltreppen und
– der Salsa-Lokale ohne Eintritt…

Ein Ausflug lohnt sich!

Luna und Carlos
(Bericht und Fotos)

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