Bericht und Fotos vom Cuban Salsacongress im Deutschen Theater München 17. – 19. März 2006

Zum Bericht von salsero_geraldo

Wir reisten mit einer kleinen Gruppe aus Linz am Samstag Morgen an. Von den Berichten aus Berlin verunsichert bemühten wir uns spätestens um 9.00 einzutreffen um die Registrierung rechtzeitig vor 10.00 zu schaffen. Aber: große Überraschung, die „Schlange“ bei der Registrierung bestand nur aus 3 Personen, wir mussten also kaum warten und konnten den Kongress daher stressfrei beginnen.

Erste Stunde Cuban Salsa Advanced bei Juan José Ortiz. Tolle Figuren aber leider ziemlich chaotisch, das lag wohl hauptsächlich daran dass der Saal hoffnungslos überfüllt war – Saal A ist einfach viel zu klein, und ausgerechnet die beliebtesten Stunden wurden dort abgehalten! Also einerseits war fast kein Platz, andererseits bin ich auch nicht sicher ob alle anwesenden Tänzer bewußt war dass sie in einer „Advanced“ Stunde gelandet waren, Juan hatte wirklich zu kämpfen und mußte bei einer Figur sogar abbrechen – dabei hätte gerade diese Figur mir sehr gut gefallen. Leider hat er sie nur ein oder zwei mal kurz vorgetanzt und das war mir zu wenig um sie nachzumachen, gezeigt hat er dann einen leichteren Ausgang.

Die zweiter Stunde Rueda Intermediate bei Tomasito brachen wir nach 3 bereits bekannten Figuren ab und wechselnden schnell zu Rumba. Eine sehr gute Entscheidung, die Rumba Stunde von Alberto Valdez war wirklich genial, er hat hautpsächlich Grundlagen und Bewegungen gezeigt was mir sehr gut gefallen hat.

Nach der Mittagspause (etwas zu kurz, bei dem großen Andrang im Restaurante geht es sich fast nicht aus in einer Stunde zu essen und rechtzeitig zur nächsten Stunde wieder im richtigen Saal zu sein) ging es weiter mit Cuban Showstile mit Seo und Alexis. Ich hatte den Eindruck dass die meisten von der Stunde begeistert waren, den beiden beim Tanzen zuzuschauen war auch wirklich super, allerdings kann ich persönlich für mein Tanzen mit diesem Stil weniger anfangen. Auch fand ich die Erklärungen etwas dürftig, Seo war mehr damit beschäftigt sich selbst zu präsentieren und zu zeigen wie toll und schön er nicht ist, was mich als Mann natürlich nicht beeindrucken konnte, bei den Frauen war das wohl anders 😉 Alexis hat einige male versucht zu übernehmen und besonders schwere Stellen genau zu erklären und exakt zu zählen, wurde aber fast jedes mal von Seo unterbrochen, was ihn für mich noch unsympathischer machte.

Danach fiel uns die Entscheidung schwer: nochmal eine Rueda Intermediate riskieren oder doch lieber in den überfüllten A Saal zu Salsa Intermediate? Wir hatten Angst dass der Saal bei Intermediate noch voller sein würde und wollten die damit vorprogrammierten blauen Flecken nicht riskieren, also ab zur Rueda.
Die erste Figur war bekannt, die zweite auch…. unruhig wurde ich als sich das erklären der zweiten Figur ewig in die Länge zog. Dazu trugen mehrere Fakturen bei: einerseits natürlich das üblich Problem bei Salsa Congressen: Leute gehen in Rueda INTERMEDIATE stunden weil sie schon einige Zeit Salsa tanzen und sich daher als Intermediate einstufen….dass sie noch nie im Leben Rueda getanzt haben und daher in einer Rueda Intermediate Stunde nichts verloren haben steht auf einem anderen Blatt. Abgesehen davon trugen Emilitos ungewohnte Art zu zählen und seine chaotischen, nicht sehr zielführenden Erklärungen auch nicht gerade dazu bei dass die Figur schnell von allen umgesetzt werden konnte. Ich wollte schon fast gehen als Emilio sich entschloss die Figur abzubrechen und dafür eine andere zu unterrichten, diese Figur gefiel mir sehr gut, also blieben wir doch noch einige Zeit….bis zur nächsten bereits bekannten Figur, also schneller Saalwechsel um von der parallel laufenden Salsa Intermediate Stunde mit Emir noch etwas mitzubekommen. Die Figur die dort unterrichtet wurde gefiel mir auch recht gut, zum Üben war zwar kein Platz, aber das störte mich nicht weiter, die Figur wurde auf Video gebannt und üben werden wir sie zuhause.

Als letzte Stunde stand Men Style mit Israel am Programm, habe mir viel von dieser Stunde erwartet, wurde aber schwer enttäuscht, nach nur wenigen Minuten mit ein paar Bewegungsübungen wurde die ganze Stunde lang nur mehr eine Choreografie erarbeitet, schade! Vorteil: ich hatte Zeit zur Lady Style stunde zu wechseln und dort zuzuschauen, was auch recht nett war.

Bereits um 16.45 endete das Programm, die Party begann erst um 22.00, also mehr als 5 Stunden Pause. Genug Zeit zum Abendessen und Schlafen, mir wäre es aber viel lieber gewesen wenn der ganze Kongress 1-2 Stunden später begonnen hätte und dafür bis 18:00 od. 19:00 gedauert hätte. So hätten wir nicht ganz so bald aufstehen müssen. Zum Programm wäre generell noch zu sagen dass ich überrascht war wie genau dieses eingehalten worden ist. Hut ab! Keine Ahnung wie Raffael es geschafft hat, dass durchgängig alle Kubaner ihre Stunden pünktlichst begonnen haben. Das war wichtig, da die Pausen zwischen den Stunden gerade ausreichten um von einem Saal zum nächsten zu wechseln.
Was mich zum Thema der Location bringt: die 5 Säle sind in 3 verschiedenen Gebäuden – zwar alle in max. 5 Minuten zu Fuß erreichbar, aber dennoch ist es ziemlich unangenehm jedes mal wieder Jacken anziehen, ev. Schuhe umziehen, raus in die Kälte, zum nächsten Saal, wieder Jacken ausziehen, Tanzschuhe an,…

Ziemlich stressig! Bei anderen Kongressen mit allen Sälen im selben Gebäude ist das viel angenehmer. Besonders unangenehm dann, wenn man feststellt dass einem die gewählte Stunde nicht so gut gefällt und man zu einer anderen Stunde wechseln möchte.
Weiters sind die Säle teilweise für die Masse an Teilnehmern zu klein. Der Veranstalter müßte entweder die Anzahl der Tickets limitieren oder aber den Kongress in etwas größere Räumlichkeiten veranstalten.
Filmen war heuer offiziell verboten, klingt negativ, hat sich im Vergleich zum Vorjahr aber als sehr positiv herausgestellt. Letztes Jahr war man immer unsicher ob man filmen darf oder nicht (manche Lehrer akzeptierten es, manche nicht) und ob am Schluß auch wirklich nochmal wiederholt wird oder ob man gleich filmen muss um die gerade gelerte Figur nicht zu verpassen. Heuer find ich das sehr gut gelöst: Filmen war verboten, aber in den letzten 5 Minuten wurden alle Figuren nochmal gezeigt, sogar von den Rumba und Bewegungstrainings-Stunden gab es am Schluss sehr gute Zusammenfassungen für die Kamera.
Keine Ahnung ob das an meiner Auswahl an Stunden lag oder ob es generell so war, aber in fast alle Stunden die ich besuchte wurden auf spanisch unterrichtet. Für mich persönlich ein Vorteil: gutes Spanisch ist mir wesentlich lieber als mittelmäßiges Deutsch oder Englisch, könnte mir aber vorstellen dass ein Großteil der Teilnehmer nicht spanisch können und somit den Erklärungen oft schwer folgen konnten. Auch wenn die Lehrer ihr bestes versuchten und viel mit Gestik und Körpersprache wettmachten. Oft half auch jemand als Dolmetscher, was mit einem zweiten Mikrofon aber leichter gewesen wäre.
Soviel zu ein paar allgemeinen Bemerkungen, weiter gehts im Tagesverlauf…

Die Shows begannen überraschend pünktlich (natürlich nicht genau pünktlich, war ja ein kubanischer Kongress, aber doch relativ bald), die Idee mit den Stühlen war super, so konnte man im Vergleich zum letzen Jahr wesentlich besser sehen. Auch die Shows selber waren besser als im letzten Jahr, vielleicht eine Spur Rumba lastig, aber durchgehend sehr beeindruckend. Die Länge des Showblocks war wesentlich angenehmer als letztes Jahr – damals war er der Showblock viel zu lange, einzig Störend die 1/2 Stunde Zwangspause bis die Stühle aus dem Saal entfernt waren. Störend auch dass alle Gäste – teilweise recht unfreundlich – aus dem Saal geschickt wurden, einige verließ die Gedult und sie beendeten den Abend vorzeitig.

Für alle anderen ging es dann ab ca. 1.00 endlich auf die Tanzfläche, leider nur mehr 3 Stunden, als es gerade so richtig nett wurde – weil endlich genug Platz auf der Tanzfläche, war es auch schon 4.00 Uhr und wir mussten erneut den Saal räumen. Es wurde zwar im Gasthaus noch 1 Stunde weitergefeiert, aber dort war leider keine Tanzfläche vorgesehen, man konnte nur zwischen den Tischen tanzen.

Am nächsten Tag, nach viel zu wenig Schlaf, starteten wir mit einer Stunde Menstyle. Angekündigt war Ignacio, dieser wurde aber von Jorge vertreten. Mich hat die Stunde mit Jorge begeistert, eine ganze Stunde Übungen für die Bewegung von Schultern, Armen, Hüfte und die Umsetzung im Salsa Grundschritt. Keinerlei komplizierte Choreografien wie sie leider bei Menstyle Stunden viel zu oft üblich sind und die man meistens schon am nächsten Tag vergessen hat und nie wieder brauchen kann – nein, eine Stunde lang Bewegungen die man immer wieder brauchen kann und beim ganz normalen Tanzen einbauen kann. Super! Jorge hat das ganze auch sehr lustig gebracht und dabei aber wirklich gut und verständlich erklärt.

Da mir die erste Stunde bei Jorge so gut gefallen hat war die Entscheidung für die folgende Stunde nicht schwer: Salsa Cubana Intermediate wieder bei Jorge. Ein zeigte eine sehr nette, nicht zu schwere Figur. Auch wieder gut erklärt, in diesem Fall fast zu gut, es hätte auch etwas schneller gehen können und dafür noch eine zweite Figur. Großes Problem bei dieser Stunde: der Saal war derartig voll das man sich fast nicht mehr bewegen konnte. Größtenteils schauten wir daher nur zu und tanzten nur hin und wieder mit. Wie schon erwähnt: Saal A ist einfach viel zu klein! Daher auch endlich die Entscheidung von Raffael die Säle A und B zu tauschen – hätte man schon am ersten Tag machen sollen, aber besser spät als gar nicht.

Nach der Mittagspause wieder Rueda mit Tomasito – dieses mal Advanced. Einige recht gute Figuren, sehr gut und flott erklärt. Die Stunde hat mir sehr gut gefallen, etwas eigenartig war nur dass wir in der ganzen Stunde „Rueda“ kein einziges mal Rueda im Kreis getanzt haben. Die Figuren konnte man so natürlich schneller lernen, aber zumindest einen Abschlusstanz im Kreis hätte ich mir schon erwartet.

Nächste Stunde: Juan Jose Ortiz mit Cuban Salsa Intermediate. 3 schöne, Juan-typische Figuren bei denen wie immer einiges an Beweglichkeit gefragt ist. Am Sonntag war die Stunde weniger chaotisch, man hatte genug Platz zum Üben (Dank dem Tausch von Saal A und B) und die Erklärungen waren sehr exakt.

Das Chaos holte uns aber schnell wieder ein, nämlich bei der letzten Stunde Rueda Advanced mit Alberto Valdez. Was er uns gezeigt hat war wirklich toll, bis er aber alle so weit hatte das es halbwegs funktioniert hat war ein langer, nervenaufreibender Weg. Schuld daran war einerseits wieder mal der mangelnde Platz, es waren viel zu viele Leute um in dem schmalen langgezogenen Saal sinnvoll Rueda tanzen zu können. Die andere große Schwierigkeit war der hohe Erklärungsbedarf der Figur (mit einfachem Vorzeigen war es diesesmal nicht getan) – nicht so einfach wenn die Erklärung auf spanisch erfolgt, die meisten Teilnehmer aber nur Deutsch und Englisch sprechen. Schlußendlich hat es aber dann geklappt und ich habe eine tolle neue Art Rueda zu tanzen mitgenommen. Bin schon sehr gespannt darauf es bei uns auszuprobieren.

Ganz zum Schluss gab es noch eine halbe Stunde mit allen Lehrern gleichzeitig auf der Bühne, einige zeigten hier noch etwas Show, andere zeigten einfachere Schrittkombinationen vor – für alle zum Mitmachen. Nachdem uns allen schon die Füße weh taten und wir auch noch eine weite Heimreise vor uns hatten machten wir hier nicht mehr mit sondern brachen auf.

Abschließend möchte ich noch anmerken dass dieser Bericht natürlich sehr persönlich ist, jeder hat andere Vorlieben. Bei so vielen Teilnehmer kann natürlich nicht auf die Wünsche jedes einzelnen eingegangen werden. Mir ist auch durchaus bewußt dass die Organisation einer derartigen Veranstaltung nicht einfach ist, Kritikpunkte sind also nicht so negativ gemeint wie sie vielleicht klingen, vielleicht kann sich der Veranstalter aber doch den einen oder anderen sinnvollen Verbesserungsvorschlag herauspicken.

Alles in allem war es ein tolles Wochenende an dem man viele tolle Eindrücke sammeln konnte.

von salsero_geraldo

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